Am heutigen Mittwoch, den 12.02.20 findet das nächste Testspiel unserer Sport-Union beim Regionalligisten Astoria Walldorf statt (Anpfiff: 19:00, Rasenplatz Dietmar-Hopp-Sportpark, Schwetzinger Str. 92, 69190 Walldorf).

Kurz vor dieser interessanten Vorbereitungsbegegnung und rund zweieinhalb Wochen vor dem Start der Oberliga-Rückrunde konnten wir mit unserem Trainer Marcel Busch ausführlich über die aktuelle sportliche Situation sprechen:

 

Marcel, inzwischen läuft die Winter-Vorbereitung seit rund dreieinhalb Wochen. Das Ziel für die anstehende Rückrunde ist klar: Der Klassenerhalt steht über allem. Wie bist Du mit dem bisherigen Verlauf der Vorbereitung zufrieden?

M. B.: Mit der Leistung im letzten Spiel in Worms bin ich überhaupt nicht einverstanden. Aber grundsätzlich bin ich in der Tat mit dem bisherigen Verlauf zufrieden. Wir sind jetzt in der Mitte der Vorbereitung und man merkt den Jungs schon an, dass wir sehr intensiv gearbeitet haben, deswegen kommt solch ein Testspiel wie letzten Samstag in Worms auch einmal zustande. In den Begegnungen davor gegen Eppingen und VfR Mannheim hingegen haben wir Dinge, die wir erarbeiten wollten auch schon recht gut umgesetzt. Auch in den Trainingseinheiten sind die Jungs konzentriert und mit Eifer bei der Sache.

 

Am Samstag in Worms waren inklusive Ersatztorwart lediglich vier Akteure auf der Bank. Hemmt diese angespannte personelle Situation auch ein wenig die Vorbereitungsphase?

M. B.: Tatsächlich waren wir durch Verletzungen und Krankheiten zuletzt auch im Trainingsbetrieb personell geschwächt. Ich hoffe, dass wir bald wieder mehr Spieler zur Verfügung haben, um unser Programm mit möglichst vielen Akteuren umsetzen zu können.

 

Auch der Zustand des Kunstrasens auf dem Pichterich riss zuletzt nicht zu Jubelstürmen hin…

M. B.: Das stimmt, er war sehr rutschig, so dass an konzentrierte und intensive Spielformen kaum zu denken war. Die Verletzungsgefahr war einfach zu groß. Daher haben wir hauptsächlich im konditionellen Bereich gearbeitet. Wenn ich also ein bisheriges Fazit ziehen müsste, dann denke ich wir sind auf einem guten Weg, doch dieser wird noch lange andauern.

 

Lass mich da kurz nachhaken. Laut der Stadt Neckarsulm ist momentan Training nur auf dem Kunstrasen möglich, unser erstes Punktspiel am 28.02. findet jedoch auf Naturrasen in Nöttingen statt. Siehst Du da einen Wettbewerbsnachteil?

M. B.: Es ist sicher nicht ungewöhnlich, dass zu dieser Jahreszeit nur auf Kunstrasen trainiert werden kann. Aber natürlich haben wir auf dem Pichterich die Situation, dass sich zwei komplette Vereine mit ihren jeweiligen Jugend- und Aktiventeams einen großen und einen kleinen Kunstrasenplatz teilen müssen. Hinzu kommt, dass der große Kunstrasenplatz gefühlte 100 Jahre alt ist und man den Eindruck hat, als trainiere man auf Beton. Es ist als Erwachsener kaum möglich, zwei Tage hintereinander auf diesem Untergrund zu trainieren, die Verletzungsgefahr ist riesig. Der kleine Kunstrasen ist sehr angenehm zu bespielen, aber zu klein für große Spielformen. Das ist natürlich nicht zufriedenstellend. Sich unter diesen Rahmenbedingungen auf eine Oberliga-Rückrunde vorzubereiten ist schon grenzwertig. Gegenüber unseren Konkurrenten, wenn ich stellvertretend an unseren damaligen Mitaufsteiger Göppingen denke, haben wir da schon einen  Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz. Den müssen wir annehmen, das ist auch kurzfristig nicht zu ändern.

 

Kommen wir zu den aktuellen sportlichen Baustellen. Eine davon war in der Vorrunde die fehlende Torgefahr. Nun kam mit Mario Cancar von Astoria Walldorf ein neuer Offensivspieler, auch Stürmer Alex Albert kehrt von seinem Auslandsaufenthalt zurück. Wie kann die Torquote zukünftig erhöht werden?

M. B.: Wichtig für uns ist, dass wir die richtigen Abläufe hinbekommen. Mit Mario haben wir eine neue Variationsmöglichkeit dazu bekommen. Aber auch er hat zuletzt ein halbes Jahr nicht Fußball gespielt, Alex Albert war drei Monate im Ausland und Riccardo Stadler wurde jüngst operiert und wird bis kurz vor Rückrundenbeginn ausfallen. Nico Charrier war in der Vorrunde ebenfalls länger verletzt. Wir müssen es schaffen, diese Spieler, die aktuell vielleicht nicht die Sicherheit wie damals ein Ouadie Barini, ein Martin Hess oder ein Adrian Beck haben, wieder ins Laufen zu bringen. Wir geben unseren aktuellen Offensivspielern dafür unsere volle Rückendeckung und vollstes Vertrauen. Letztendlich trainieren wir viel dafür, geben viele Handlungs- und Verhaltensmuster weiter, den Rest müssen dann aber die Jungs auf die Platte bringen.

 

Gemessen am Tabellenstand haben wir nicht unbedingt viele Gegentore hinnehmen müssen. Man hatte aber den Eindruck, dass wir sehr viele einfache Treffer kassiert haben. Das lag auch an zahlreichen individuellen Fehlern. Wie willst Du das zukünftig verhindern?

M. B.: Das ist wirklich schwierig. Ich frage mich: Wieso haben wir diese individuellen Fehler nicht gegen den VfB II oder gegen Göppingen gemacht? Die Antwort ist: Es reichen einfach keine 95% oder 98%, wir müssen immer die vollen 100% Konzentration und Einsatz auf dem Platz zeigen. Wir müssen dazu bereit sein, auch einmal unattraktiven Fußball zu spielen, und bewerten können, wann es notwendig ist, den Ball einfach einmal wegzuschlagen, und wann wir Aufgaben spielerisch lösen. Das ist oft Sache des Kopfes und das dafür notwendige Vertrauen möchte ich unseren Defensivspielern vermitteln. Fehler, selbst krasse Fehler, wird es immer wieder geben, selbst in der Bundesliga. Es darf jedoch nicht sein, dass wir diese massiven Fehler Woche für Woche wiederholen. Das Gen, Fehler abzuhaken und stets hart an sich zu arbeiten, müssen die Jungs in sich tragen.

 

Eine große Stärke in den ersten Oberliga-Jahren war unsere mannschaftliche Geschlossenheit. Auch das hat man in der Vorrunde teilweise vermisst, gerade bei Rückständen. Ist auch das ein wichtiger Mosaikstein in der Vorbereitungsarbeit?

M. B.: Auch das ist schwer zu greifen. Ich glaube nicht, dass wir keine mannschaftliche Geschlossenheit hatten. Die Jungs verstehen sich nach wie vor super, ich freue mich ebenfalls jeden einzelnen in der Kabine zu sehen. Das Entscheidende ist aber gerade in engen Spielen, oder bei Rückständen, über Spieler zu verfügen, die die Initiative übernehmen, die sich gegen die Niederlage stemmen und auch den Mund aufmachen. Wir hatten in der Vorrunde einfach zu wenige Akteure, die mit starker Leistung vorneweg marschiert sind. Wir brauchen Spieler, die mit ihrer Leistung die anderen mitziehen können. Das kann man aber schlecht von Trainerseite überstülpen, das ist auch eine Charaktersache. Nichtsdestotrotz wünscht man sich das als Trainer aber von seiner Mannschaft.

 

Auch Du, so hat man den Eindruck, bist in der Trainingsarbeit noch stringenter, klarer in Deinen Ansprachen, Vorgaben und der Erwartungshaltung geworden. Stimmt dieser Eindruck?

M. B.: Das ist schwer für mich zu beurteilen. Klar ist aber, dass wir in unserer Vorrundenanalyse schon zu dem Schluss gekommen sind, dass wir zukünftig noch klarer Dinge einfordern und auch ansprechen müssen. Das versuche ich zu handhaben, auch wenn ich nie ein Trainer sein werde, der auf seine Spieler verbal einprügelt. Aber die 100%ige Fokussierung versuche ich definitiv meiner Mannschaft vorzuleben.

 

Blicken wir nach vorne auf das erste Punktspiel am 28.02. beim FC Nöttingen, einem Team, das durchaus noch ganz vorne in der Oberliga-Tabelle mitmischen kann. Was wünscht sich Trainer Marcel Busch dort für ein Neckarsulmer Team?

M. B.: Ich wünsche mir eine Mannschaft, die wirklich brennt, die füreinander einsteht und auch Rückschläge mit völliger Überzeugung wettmacht. Ich möchte ein Team sehen, das mutig Fußball spielt. Und dass Spieler auf der Bank sitzen, die, trotz ihrer Enttäuschung nicht in der Startelf zu stehen, das große Ziel vorleben. Und auch ein Funktionsteam, dass sich mit der Vorgabe „Klassenerhalt“ völlig identifiziert. In letzter Konsequenz wünsche ich mir, dass wir die Nöttinger, die sich gerne dafür rühmen Freitagabends unbesiegbar zu sein, vom Gegenteil überzeugen können.