Vier Trainer in den letzten 17 Jahren – es ist eine durchaus bemerkenswert geringe Zahl an Coaches, die für unsere 1. Mannschaft zuletzt tätig waren. Seit dem Jahr 2003 arbeiteten lediglich vier Trainer auf dem Pichterich – und das sehr erfolgreich. Peter Idziak, Timo Böttjer, Thorsten Damm und Marcel Busch führten die NSU von der Bezirksliga bis in die Oberliga – und jeder einzelne hat seinen Anteil daran. Vier Trainer für ein Halleluja – wir wollen Euch die so wichtigen Protagonisten vorstellen.

 

2003 – 2010: Peter Idziak

Peter Idziak ist ein Mensch deutlicher Worte. Als Spieler ein erfolgreicher Stürmer in höherklassigen Ligen, ging der Mann mit der Igelfrisur auch verbal gerne in die Offensive. Eine ehrliche Haut, einer der zu 100% hinter dem stand, was er tat.

Zu Beginn seiner Trainerzeit war die Sport-Union, die damals noch SV Neckarsulm hieß,  eine Art „FC Unterland“. Die Strategie war damals, möglichst die besten Spieler der Region in einer Mannschaft zu vereinen. Sven Seeg, die Bebinno-Brüder, Sinan Andic, Faousi Lamiri, Aydin Cengiz, Ralf Schmidt, Peter Wagner waren die Spielernamen hinter der damaligen Strategie. Der NSU warf man zu jener Zeit nicht selten vor, ihre Mannschaft mit starker Finanzkraft zusammenzustellen. Darunter litt teilweise in der Tat das Mannschaftsgefüge. Ein Kampf, den Peter Idziak in seiner gesamten Neckarsulmer Wirkungszeit ausfechten musste.

Dennoch war er sehr erfolgreich. Seine sportliche Bilanz: In 195 Spielen als Trainer holte er 104 Siege, spielte 35-mal Unentschieden und verlor 56-mal. Das entspricht einem Punkteschnitt von 1,77 pro Spiel. Peter Idziak wurde mit der NSU zweimal Bezirksliga-Meister (2007 und 2009), zudem einmal Bezirksliga-Vizemeister.

Das Ende der Ära Idziak in Neckarsulm erfolgte am 21.10.2010. Nicht ohne mediale Nebengeräusche traten Peter Idziak und der langjährige Sportliche Leiter Stephan Seebruch zurück. Ein Abgang leider ohne Feier, die einem solch langjährigen Trainer eigentlich zusteht.  Stimme-Redakteur Las Müller-Appenzeller schrieb damals von „Neckarsulmer Rumpelfußballern, die scheinbar wieder einmal eine große Chance auf mittelfristige sportliche Erfolge im Unterländer Fußballsport vertan hätten.“ Es kam zum Glück anders.

 

2010 -2014: Timo Böttjer

Timo Böttjer war in der Saison 2010/11 der Spieler-Königstransfer der NSU. Der ehemalige Hoffenheimer und Freiburger sollte die zahlreichen Neckarsulmer Talente als Leitwolf auf dem Spielfeld führen. Schon am Ende Oktober 2010 kam es allerdings anders und Sportdirektor Marco Merz ernannte „Böttel“ zum Interimstrainer und somit Nachfolger von Peter Idziak. Nach den ersten Erfolgen wurde aus der Zwischen- schnell eine Dauerlösung. Timo Böttjer, aus der Freiburger Fußballschule erwachsen und ein früherer Schützling von Christian Streich, erlebte also in Neckarsulm sein Trainerdebüt und war ein Glücksfall für die NSU.

Der ehemalige Bundesligaspieler ging mit viel Akribie und hoher Motivation an die neue Aufgabe heran. Er agierte sehr stringent, verlangte viel von sich selbst, aber auch vom Umfeld. Er ordnete letztendlich alles dem Erfolg unter. Die sehr enge Zusammenarbeit mit Marco Merz trug schnell Früchte. In der Saison 2012/13 errangen Timo Böttjer und sein Team mit großem Vorsprung die Landesliga-Meisterschaft – mit begeisternden Offensivfußball. Erstmals seit einer Dekade spielte wieder ein Unterländer Club in der Verbandsliga.

Das damalige Team der Hochbegabten sorgte auch im Verbandspokal für Furore. Nach Siegen gegen zahlreiche höherklassige Vereine erreicht die NSU in der Saison 2012/13 neben der Meisterschaft auch das WFV-Pokalfinale. Unvergessen ist noch heute das „Wunder von Neckarsulm“, als das Böttjer-Team im Halbfinale den haushohen Favoriten und Regionalligisten SSV Ulm (damals übrigens mit unserem aktuellen Spieler Maxi Gebert angetreten) nach Elfmeterschießen eliminierte.

Dank des Finaleinzugs durfte die NSU in der Folgesaison im DFB-Pokal agieren und stand als niederklassigster Teilnehmer bundesweit im Fokus. Ein sensationeller Erfolg. Timo Böttjer war übrigens zunächst alles andere als ein Fan des Pokalwettbewerbes, sah diesen eher als störend auf dem Weg zum großen Ziel, sprich der Landesliga-Meisterschaft. Doch es sprach für das Team um Spieler wie Marcel Susser, Burak Mucan, Sinan Andic, Florian Grunwald, Dimitri Gerlach, Ouadie Barini und Engin Olgun, dass es die Doppelbelastung glänzend wegsteckte.

Timo Böttjer brachte viel Professionalität nach Neckarsulm. Seine Erfahrungen aus dem bezahlten Fußball taten der NSU mehr als gut, brachte sie sportlich und strukturell entscheidend weiter.

Nach Ende der Saison 2013/14 wurde der Vertrag von Timo Böttjer nicht verlängert. Er war nichtsdestotrotz ein wichtiger Protagonist auf dem Weg in Richtung Oberliga. Seine Erfolge genießen weiterhin große Strahlkraft. In 113 Spielen holte er 67 Siege, bei 18 Unentschieden und 28 Niederlagen. Das entspricht einem herausragenden Punkteschnitt von 1,93 pro Spiel.

 

2014 -2018: Thorsten Damm

Es war ein Tipp von Marcel Busch. „Buschi“ (damals noch als Spieler in Diensten der Spvgg Neckarelz tätig) schlug 2014 seinen ehemaligen Sandhäuser Co-Trainer Thorsten Damm als Nachfolger von Timo Böttjer vor. Die Gespräche verliefen dann derart positiv, dass die Zusammenarbeit schnell besiegelt wurde. Die Verpflichtung Thorsten Damms war ein weiterer absoluter Glücksgriff von Marco Merz.

Mit der Mission „Aufstieg in die Oberliga“ erhielt Thorsten Damm ein sehr ambitioniertes Ziel. Neben dem Wechsel auf der Trainerbank wurde auch der Kader sportlich aufgerüstet.  Spieler wie Martin Hess, Marcel Busch, Seba Öztürk, Ramazan Kandazoglu oder Bogdan Müller erhöhten die Qualität im Kader maßgeblich.

Thorsten Damm ging seine neue Aufgabe mit hohem Arbeitspensum, großer Fachlichkeit und neuer Taktik auf dem Feld an. Im Umgang mit der Mannschaft setzte der Pädagoge neue Maßstäbe.

Die logische Konsequenz der herausragenden Arbeit von Thorsten Damm war der umjubelte Aufstieg in die Oberliga. Marco Merz bezeichnete diese als „Sehnsuchtsliga“ und sprach damit auch den Unterländer Fußballfans aus dem Herzen. Mit dem Aufstieg gaben fortan solch fußballerische Schwergewichte wie der SSV Reutlingen, die Stuttgarter Kickers oder der VfB Stuttgart II ihre Visitenkarte im Pichterichstadion ab. Das Unterland hatte spätestens jetzt wieder einen Leuchtturm im Fußball.

Thorsten Damm führte die erfolgreiche Arbeit von Peter Idziak und Timo Böttjer nahtlos fort, brachte die NSU auf ein neues sportliches Level. In 128 Spielen holte er 64 Siege, bei 29 Remis und 35 Niederlagen. Das entspricht einem grandiosen Punkteschnitt von 1,72 pro Spiel. Aus privaten Gründen musste Thorsten Damm den Trainerposten bei der NSU nach der Saison 2017/18 aufgeben. Inzwischen ist er Sportlicher Leiter bei der Sport-Union.

 

Seit 2018: Marcel Busch

Sein Nachfolger als Trainer wurde ausgerechnet derjenige, der Thorsten Damm vor vier Jahren vorgeschlagen hatte: Marcel Busch. Der ehemalige Profi war prädestiniert für den Trainerposten auf dem Pichterich. Seine lange Spielerkarriere, von der er die letzten drei Jahre in Neckarsulm verbrachte, lief aus. Marcel Buschs Plan, danach als Trainer zu arbeiten, ließ sich bei der NSU verwirklichen.

Der angehende Lehrer brachte sein Verständnis von Führung, geprägt von hohem gegenseitigem Respekt, fortan in das Team ein. Taktisch sehr variabel ging Marcel Busch die dritte Neckarsulmer Saison in der Oberliga an. Immer mehr allerdings machte sich in der Liga das wirtschaftliche Gefälle bemerkbar. Zahlreiche Mannschaften rüsteten ihre Kader massiv auf, die NSU musste hingegen den Etat stetig verringern. So war das klar formulierte Ziel für Marcel Buschs Debütsaison „Klassenerhalt“. Unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen diese Vorgabe bereits sechs Wochen vor Saisonende einzutüten, war ein deutlicher Beleg für die gute Arbeit von Marcel Busch.

Auch in der Saison 2019/20 hieß die Mission für Marcel Busch und sein Team „Nichtabstieg“. In der wahrscheinlich besten Oberliga aller Zeiten war und ist dies eine Mammutaufgabe. Nach einer Vorrunde mit Höhen und Tiefen arbeitete sich die NSU nach zwei Siegen gegen Nöttingen und Oberachern auf einen Nichtabstiegsplatz nach vorne.

Vor allem die Ruhe und Analysefähigkeit, die Marcel Busch sein eigen nennt, lässt auf weitere Spielzeiten im Baden-Württembergischen Fußballoberhaus hoffen. Er hat jüngst seinen Vertrag als Chefcoach um ein weiteres Jahr verlängert und genießt rund um den Pichterich höchstes Vertrauen.