Die drei Verbände haben sich inzwischen geäußert und sich Baden-Württemberg-weit für einen Saisonabbruch mit einem Aufsteiger und keinen Absteigern ausgesprochen. Wir haben uns über dieses Vorhaben sowie der aktuellen Situation bei unserer Sport-Union mit dem Sportlichen Leiter Thorsten Damm unterhalten:

 

Thorsten, kurz zusammengefasst: Alle Ligen Baden-Württembergs sollen abgebrochen werden, es gibt einen Direktaufsteiger und keine Absteiger. Wie bewertest Du das Vorhaben der drei regionalen Fußballverbände?

T. D.:  Ich finde das komplett stimmig. Wir als Neckarsulmer Sport-Union unterstützen den Verbandsplan komplett.

 

Transportiert auf die NSU: Was bedeutet dieser Plan für unsere Sport-Union?  

T. D.: Das Vorhaben der Verbände war der erste Schritt. So sehr wir auf diese Info auch gewartet haben, stellt sich jetzt, wenn man weiterdenkt, die Frage, wie und wann geht es wieder los. In punkto Vertragswesen, Vorbereitungsbeginn und Saisonplanung brennt es den Vereinen unter den Nägeln. Es steht aber immer noch in den Sternen, ob zu dem wohl  frühestmöglichen Beginn am 05.09. wieder der Ball rollen wird.

 

Wären denn aus Deiner Sicht Geisterspiele eine Option zumindest in der Regional- und Oberliga gewesen?

T. D.: Ich finde schon, dass dies für uns eine Option gewesen wäre, wenngleich der organisatorische und logistische Aufwand in Bezug auf ein mögliches Hygienekonzept sehr immens gewesen wäre. Dass für Vereine wie z. B. die Stuttgarter Kickers hingegen Geisterspiele undenkbar sind, verstehe ich allerdings.

 

Wie hast Du allgemein das Krisenmanagement des Württembergischen Fußball-Verbandes, bzw. der Oberliga-Spielkommission bislang empfunden?

T. D.: Ich finde, die Verbände sind sehr souverän mit der Krisensituation umgegangen und die beteiligten Vereine der Oberliga permanent mit ins Boot genommen haben.

 

Sollte das Vorhaben der Verbände einen Mehrheitsbeschluss auf den Verbandstagen finden, dann gehen wir im Spätsommer in die 5. Saison in der Oberliga Baden-Württemberg. Was bedeutet das aus Deiner Sicht für einen Verein wie unsere Sport-Union?

T. D.: Diese Bilanz können wir aus meiner Sicht durchaus als Teilerfolg für uns verbuchen. Auch wenn der aktuelle Klassenerhalt letztendlich durch einen Beschluss der Spielkommission zustande gekommen ist. Wobei ich nochmals betonen möchte, dass wir dank der neuen Fokussierung in der Winterpause sicher sind, dass wir auch sportlich den Klassenerhalt geschafft hätten. Dieses Selbstvertrauen besitzen wir nach dem guten Rückrundenstart inzwischen.

 

Kommen wir zu den Stuttgarter Kickers, dem Leuchtturm der Oberliga. Die „Blauen“ müssen nun eine weitere Saison in der Oberliga spielen. Für die anderen Vereine ist das sicher toll, für die Kickers selbst natürlich unbefriedigend.

T. D.: Ich verstehe die Kickers komplett, dass sie sich jetzt als eine Art „Verlierer“ des Verbands-Plans sehen, weil sie einfach ganz andere Ambitionen als die Oberliga haben. Andererseits lügt die Tabelle nicht und keine Mannschaft hat die Garantie, dass sie am Ende der Saison Meister geworden oder über die Relegation aufgestiegen wäre. Deswegen empfinde ich ehrliches Verständnis und Mitleid für die Kickers, eingebettet in die Logik, dass es in solch einer Ausnahmesituation nicht nur Gewinner gibt.

 

Man hat viel von Vertragsverlängerungen von Spielern und Trainern gehört. Bleibt denn auch der Sportliche Leiter an Bord?

T. D.: Ja, im Endeffekt mache ich in der kommenden Saison weiter.

 

Du hast jetzt die exklusive Möglichkeit, den nächsten Neckarsulmer Neuzugang zu verkünden.

T. D.: (lacht) Den gibt es leider noch nicht. Wir hatten alle Entscheidungen bis zur Verbandsentscheidung vertagt, so dass die Gespräche jetzt wieder anlaufen werden – wenngleich aufgrund der Corona-Situation eben weiterhin nicht persönlich, sondern telefonisch. Wir haben aktuell noch drei Kaderplätze frei.

 

Verfolgt man die Diskussionen, die es um den Restart der Bundesligen derzeit gibt: Hat der Fußball allgemein momentan ein Glaubwürdigkeitsproblem?

T. D.: Wenn man den Fußball (gut) kennt, dann weiß man, um wie viel Geld es in der Bundesliga geht und wie abhängig die Vereine von den Fernsehgeldern sind. Dies wird sich den Leuten, die sich nicht so sehr für Fußball interessieren, logischerweise nicht erschließen. Vom wirtschaftlichen Aspekt her könnte man kritisch sagen, dass es keinen Unterschied macht, ob ein Unternehmen Pleite geht oder ein Bundesligist. Gesellschaftlich nimmt der Profi-Fußball aber zweifelsfrei eine sehr hohe Stellung ein. Deshalb denke ich, dass die aktuelle Diskussion, bzw. Kritik relativ schnell abflachen wird, weil es sich einfach um den Volkssport Nr. 1 handelt und ich von hohen Einschaltquoten ausgehe. Denn wenn beispielsweise ein Schalke-Fan die Möglichkeit hat, sein Team im TV anzuschauen, dann wird er dies auch nutzen, da bin ich mir sicher – und dann rückt die Corona-Krise in den Hintergrund.

 

Abschließende Frage: Was denkst Du, wann erleben wir das nächste Oberliga-Fußballspiel auf dem Pichterich?

T. D.: Ich habe ein gutes Gefühl, dass es am vom Verband angegebenen frühesten Starttermin am 05.09.20 klappen könnte. Vielleicht höre ich da auf meine innere Stimme – aber aktuell spielt die Bundesliga bald wieder, Schulen öffnen und auch Sportanlagen können wieder genutzt werden. Warum sollten wir dann nicht in drei, vier Monaten wieder Fußball spielen?