Als Pressesprecher eines Fußball-Oberligisten ist man ein dynamisches Geschehen inzwischen durchaus gewohnt. Doch die Corona-Pandemie stellt dbzgl. wirklich alles in den Schatten. Die Virus-Situation hat noch immer derart viel an Fahrt, dass sich binnen kürzester Zeit Fakten komplett verändern. Oder Telefonate mit Verantwortlichen schon wenige Minuten nach deren Ende getrost in die Tonne getreten werden können. So geschehen heute, am Donnerstag, den 25.06.20.

10:30 Uhr, Anruf bei Thorsten Damm. Für einen Pressebericht möchte ich unseren Sportlichen Leiter fragen, wie denn wohl das Auftakttraining des Oberliga-Teams am kommenden Mittwoch im Rahmen der Hygiene- und Infektionsschutzgesetze organisatorisch ablaufen wird. Die Damm´schen Antworten: Nachvollziehbar. „Wir halten uns penibel an die Richtlinien und die Kontaktvorgaben. Unseren Jungs sind die 10 Verhaltens-Leitplanken des DOSB bekannt, die Kontaktrisiko-Evaluationsbögen werden von jedem Spieler und Funktionär ausgefüllt. Die Abstandsregeln werden eingehalten.“ So weit so nachvollziehbar.

Kurz danach gibt die baden-württembergische Sportministerin Susanne Eisenmann ein Interview – mit wahrlich unerwartetem Inhalt. Denn ab 01.07. erlaubt Baden Württemberg wieder Vollkontakt-Sportarten. Die Konsequenz: Das Interview mit Thorsten Damm kurz zuvor ist komplette Makulatur, weil der Grundlage beraubt.

Der Corona-Verordnung Sport zufolge, die mit dem neuen Monat in Kraft tritt, darf nämlich nun „von der Abstandsregel abgewichen werden, sofern das die für die Sportart üblichen Sport-, Spiel- und Übungssituationen erfordern”. Nun gut, dieser Satz beinhaltet durchaus Interpretations-Spielraum. Der  Schwarzwälder Bote hingegen bringt es für sich in einer Überschrift simpel auf den Punkt: „Fußball und Co. ab 1. Juli in Baden-Württemberg wieder ohne Abstandsregeln möglich.“

Ganz so einfach ist es zwar nicht, denn es gibt auch weiterhin Einschränkungen: Die Trainingsgruppen sollen möglichst nicht durchgemischt werden und maximal 20 Personen umfassen. Neben Hygiene- und Dokumentationspflichten gelten weiterhin auch die Zutritts- und Teilnahmeverbote aus der generellen Corona-Verordnung. Außerhalb des Spielbetriebs gelten die Abstandsgebote. Körperkontakt, insbesondere Umarmungen und Händeschütteln, sollen vermieden werden. Dennoch ist die Aussage der Sportministerin der Startschuss für das Vollkontakt-Teamtraining in Baden Württemberg… oder? Zumindest scheinen sich die Rahmenbedingungen nachhaltig verändert zu haben.

Doch auch wenn sich die Lockerungen wie ein Lauffeuer verbreitet haben, bereits von einem “Meilenstein für den Amateurfußball” gesprochen wird: Bei der Neckarsulmer Sport-Union geht man noch defensiv mit den Neuigkeiten um. Die Verantwortlichen um Thorsten Damm und Trainer Marcel Busch wollen erst abwarten, bis eine offizielle Info über die neuen Lockerungen kommt. Sei es von der Stadt Neckarsulm, sei es vom Hauptverein. Und das ist auch gut so. Denn schon morgen könnte das nächste Kapitel in dieser unleidlichen Pandemie-Dynamik geschrieben werden.