Inzwischen ruht der Oberliga-Spielbetrieb seit sieben Wochen. Wann und ob es überhaupt weitergeht steht mehr denn je in den Sternen. Denn vor allem auch politische Richtlinien spielen in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Die beteiligten Verbände der Spielkommission haben daher eine Entscheidung zunächst bis Anfang Mai vertagt. Bei der NSU wurde die spielfreie Zeit genutzt um zahlreiche Spielerverträge sowie die Zusammenarbeit mit Marcel Busch zu verlängern. Wir haben mit unserem aktuellen und auch zukünftigen Cheftrainer gesprochen: 

 

In der heutigen Zeit ist die erste Frage: Wie geht es Dir, Marcel?

M. B.: Danke, mir geht es gut. Auch meine Familie ist gesund, wir befinden uns weiterhin psychisch auf einem guten Level.

 

Hast Du momentan in den schwierigen Pandemie-Zeiten den Kopf überhaupt frei für Fußball?

M. B.: Irgendwie erscheint uns ja allen der Fußball relativ weit weg. Er ist bei weitem nicht so präsent wie zu normalen Zeiten, ganz im Gegenteil. Auch für mich ist die aktuelle Situation schwer zu greifen. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen finde ich jedoch, wir haben bei der NSU eine ganz gute Strategie gefunden, miteinander in Kontakt zu bleiben.

 

Du hast jüngst zusammen mit Deinem Co-Trainer Nikola Grgic Deinen Vertrag bei der NSU um ein Jahr verlängert. Was waren dabei die ausschlaggebenden Punkte?

M. B.: Ich gehe dann in mein sechstes Jahr in Neckarsulm und fühle mich weiterhin rundum wohl hier auf dem Pichterich. Auch die Zusammenarbeit mit unserem Sportlichen Leiter Thorsten Damm und meinem Co-Trainer Nikola Grgric passt hervorragend, wir haben ein ausgezeichnetes Verhältnis. Natürlich bin ich zudem sehr dankbar, hier die Chance erhalten zu haben, den Übergang vom Spieler zum Trainer zu vollziehen. Es wäre schön, wenn wir uns sportlich nun Step by Step weiterentwickeln. Wir verfügen im Umfeld über zahlreiche Mitstreiter, die mit Herzblut dabei sind. Trotzdem würde ich mir noch mehr personelle Unterstützung wünschen, damit wir zukünftig auch strukturell noch besser aufgestellt sind.

 

Du hast es bereits erwähnt, Du gehst nächste Saison in Dein sechstes Jahr auf dem Pichterich…

M. B.: Das ist im nach meiner Zeit beim VfR in der Jugend in der Tat dann meine längste Vereins-Station. Wobei ich zugeben muss, dass mich vor allem die Insolvenz meines früheren Clubs RW Ahlen wieder zurück in die Heimat gezogen hat. Hätte RW in der damaligen Form weiterbestanden, dann wäre ich wohl nicht nach Sandhausen gewechselt und wäre wahrscheinlich auch nach Ende meiner aktiven Zeit dort geblieben. Manchmal allerdings geht das Leben andere Wege und jetzt bin ich sehr glücklich hier in Neckarsulm.

 

Neben dem Trainer-Team hat auch nahezu der gesamte Spielerkader bei der NSU verlängert. Wie sehr freut Dich das?

M. B.: Das freut mich riesig. Wobei ich schon seit längerem das Gefühl hatte, dass die Jungs zusammen bleiben möchten. Natürlich ist es in der ungewissen Corona-Situation für uns in punkto Planungssicherheit enorm wertvoll, dass so viele Spieler verlängert haben – und das zu einem recht frühen Zeitpunkt. Dass dabei auch viele der Jungs finanzielle Einbußen in Kauf genommen haben, zeigt, welch gutes Binnenverhältnis wir im Team haben. Das ist schon wirklich herausragend.

 

Aufgrund der Kontaktbeschränkungen der Landesregierung geht die NSU in punkto Training weiterhin einen Parallelweg aus eigenverantwortlichen Laufeinheiten und regelmäßigen gemeinsamen Video-Fitnesseinheiten. Ziehen die Jungs gut mit?

M. B.: Zunächst möchte ich unserem Physiotherapeuten von der Firma Reha am Bahnhof, Jonas Stolz, herzlich danken, der die erste Video-Einheit durchgeführt hat. Vorgestern haben dann Nikola und ich die Einheit geleitet. Diese haben wir dann auch noch genutzt, um danach etwas miteinander zu quatschen, mit gegenseitigem Frotzeln über die eine oder andere Mimik bei den Übungen. Das gehört bei Fußballern einfach dazu (lacht). Ich bin wirklich total zufrieden, wie die Jungs mitziehen. Die Laufeinheiten dokumentieren sie verlässlich per WhatsApp, und auch bei den Video-Übungen ist jeder voll motiviert bei der Sache. Es ist ja vor allem mental sehr schwierig gerade. Du weißt ja nicht, wann es weitergeht, also wofür Du aktuell überhaupt trainierst. Dafür machen es die Jungs wirklich klasse. Ein typisches Fußballtraining mit den entsprechenden Belastungen ist allerdings aktuell nicht simulierbar.

 

War denn bei der Videoeinheit zu sehen, dass einige Deiner Jungs inzwischen dringend einen Friseurtermin benötigen?

M. B.: (lacht) Das war auf meinem kleinen Bildschirm leider ziemlich schwer zu erkennen. Wenn ja, könnte das unser Spieler Mert Öztürk übernehmen, der hat das Haareschneiden richtig gut drauf.

 

Zurück zur sportlichen Situation: Wie wird es Deiner Meinung nach in punkto Spielbetrieb in der Oberliga weitergehen?

M. B.: Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Zunächst muss man sagen, dass die aktuellen Einschränkungen alle gesellschaftlichen Lebensbereiche betreffen. Die Gesundheit der Gemeinschaft ist das Allerwichtigste. Der Amateurfußball besitzt da zweifellos nur eine erheblich untergeordnete Priorität.

Doch zurück zu Deiner Frage: Mein Wunsch wäre es, dass wir einen Impfstoff zur Verfügung hätten und zeitnah genauso weiterspielen könnten wie vor der Spielpause. Das ist aber bekanntlich unrealistisch. In Bayern ist die Saison ja auf September vertagt worden. Die Spielzeit fortzusetzen ist sicher nicht das Schlechteste, allerdings sorgt dies auch für viele ungeklärte Fragen. Gleiches gilt für eine etwaige Entscheidung, die Saison abzubrechen.

Ich denke, ich würde es am besten finden, man würde die Spielzeit beenden, der Meister steigt auf, aber es gibt keine Absteiger. Für eine unglückliche Lösung würde ich es hingegen erachten, wenn man die Tabelle nach der Vorrunde werten würde. Zwar würden wir da ebenfalls „über dem Strich“ stehen – doch wenn Du das Pech hattest, und in der Vorrunde auswärts bei den Spitzenmannschaften Stuttgarter Kickers, beim VfB II und in Göppingen angetreten bist, hast Du Nachteile. Denn zu Hause ist die Chance gegen diese Teams zu punkten erheblich größer.
Es wird definitiv eine schwere Entscheidung der beteiligten Verbände.

Danke Marcel, für dieses Interview.