Die U23 geht mit dem neuen Trainer Julian Nehr in die Saison 20/21 (wir berichteten). Wir haben den 29-jährigen Pädagogen getroffen und ihm einige Fragen gestellt, die Einblicke in seine Person, seine Art von Fußball und seine Ziele geben.

von Heinz Busch

Julian, herzlich willkommen auf dem Pichterich. Gut bei der NSU angekommen?

Ja, alle sind sehr nett, offen und es herrscht, zumindest nach meinen ersten Eindrücken, ein gewisses Maß an Professionalität. Kurz gesagt, wir sind auf einer Wellenlänge und deshalb wurde mir der Anfang auch leicht gemacht.

 

Wie ist es zustande gekommen, dass du neuer Trainer der U23 geworden bist?

Zuerst war ich in Kontakt mit Heinz Busch und wir haben uns über die sportliche Situation der NSU unterhalten. Es kam das Thema auf, dass die U23 einen Trainer für die neue Saison braucht und ob ich daran Interesse hätte. Es folgten Gespräche mit Thorsten Damm und Thomas Reitz. Wir haben die Situation besprochen, uns kennengelernt und unsere Vorstellungen ausgetauscht. Das passte. Insgesamt ging alles ziemlich schnell.

 

Warum gerade die U23 der NSU?

Ich glaube, dass die Mannschaft unglaubliches Potential hat, mit vielen jungen Spielern, die technisch stark sind. Wir wollen diese Fähigkeiten auf den Platz bringen und spielerisch ein hohes Niveau anstreben, dass ist mir bei meinen Mannschaften immer wichtig gewesen. Das Spiel muss der Mannschaft und den Zuschauern Spaß machen. Mit technisch starken Spielern ist dies auf jeden Fall möglich.
Grundsätzlich habe ich mich für die NSU entschieden, da sie strukturell sehr gut aufgestellt ist und der Vorzeigeverein im Unterland ist. Die Chance, hier als Trainer zu arbeiten, bietet sich einem nicht jeden Tag.

 

Was ist dir an einer Mannschaft wichtig? Was macht den Unterschied zu den A-Junioren?

Dass sie füreinander da ist und sich gegenseitig unterstützt. Die gemeinsamen Ziele müssen über den eigenen stehen, man muss das eigene Ego zurückstellen, erst dann stellt sich Erfolg mit der Mannschaft ein. Und daraus kann man sich dann als Spieler entwickeln. Kein Spieler ist größer als die Mannschaft. Wenn Spieler sich in den Dienst der Mannschaft stellen, kann Großes entstehen.

 

Die U23 stand in der Saison 19/20 knapp über dem Strich. Mit welchen Zielen gehst du in die neue Saison?

In der vergangenen Saison gab es viele knappe Spiele, ein 5:5 Unentschieden nach Führung, unnötige Niederlagen. Dies zeigt gut, was möglich ist. Aber eben auch, an was noch gearbeitet werden muss.
Mein Ziel ist, jedes Spiel zu gewinnen. Wir wollen jeden Gegner schlagen. Leider ist das nicht planbar, aber es ist definitiv unser Ziel. Zu was es am Ende reicht, werden wir sehen.

Insbesondere ist mir wichtig, dass die jungen Spieler einen Entwicklungsschritt machen. Grundlage dafür ist ein guter Austausch mit den A-Junioren und dem Oberliga-Team. An der Schnittstelle Jugend Aktive zu arbeiten ist äußerst reizvoll  und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Trainern Andy Bürger und Marcel Busch.

 

Wie würdest du dich selbst als Trainer beschreiben? Worauf legst du besonders wert?

Ich habe eine klare Idee, wie ich spielen möchte, was ich von meinem Team sehen will. Das heißt dass ich die Werte, die ich auch von meinen Spielern sehen will, vorlebe. Dies bedeutet: totaler Einsatz und unbändiges Feuer auf dem Platz, Bescheidenheit und Fairness, also Respekt vor dem Gegner neben dem Platz.

 

Was macht dir besonders am Trainerjob Spaß?

Zu sehen, wie sich Spieler und Mannschaften entwickeln. Wie sie verstehen, dass sie als ein Team alles erreichen können, was sie sich vornehmen und wie unsere Idee funktioniert. Wenn dieses Gefühl in einer Mannschaft vorherrscht, macht es Spaß mit ihr zu arbeiten und die einzelnen Spieler innerhalb dieser Konstellation zu entwickeln.

 

Wer sind deine Trainer-Vorbilder?

Vom Alter her ganz klar Julian Nagelsmann, aber auch von seiner Idee her, wie er Fußball sieht. Ständige Angriffsbereitschaft, aber alles durchdacht und mit System. Aber auch Guardiola mit seiner Idee von totaler Dominanz oder Bielsa mit seiner bedingungslosen offensiven Ausrichtung.

 

Was bedeutet es für dich, erfolgreich zu sein?

Wenn wir als Mannschaft verstanden haben, was unser Ziel ist und dies durch die gegenseitige Unterstützung und Spielfreude auf dem Platz zeigen. Wenn wir mit Freude auf den Platz gehen und mit der Gewissheit, jeden schlagen zu können.Wenn dann noch das Ergebnis stimmt, ist das natürlich schön. Aber eben auch ein logisches Resultat. Für den Sieg gibt es eben keinen Ersatz.

 

Wen siehst du in der Bezirksliga in der Favoritenrolle?

Schluchtern und die Aramäer Heilbronn werden das Rennen unter sich ausmachen, eventuell noch Lauffen. Sie haben ja auch in der Saison 19/20 eine kleine Lücke reißen können.
Zwischen Platz 5 und 13 waren es gerade einmal 10 Punkte Unterschied. In jede Richtung ist hier alles drin. Es kommt darauf an, für welche Richtung wir uns entscheiden. Wie gesagt, ich will jedes Spiel gewinnen. Und ich habe das Ziel, dass die Mannschaft auch die Gewissheit bekommt, dass sie dazu in der Lage ist.

 

Zum Schluss: Was ist deine Lieblings-Fußballweisheit?

Es spielen nicht immer die elf Besten, sondern es spielt die beste Elf.