„Last-Minute-Rasic“ sorgt für 2:2-Remis gegen Reutlingen

Es war wahrlich keine Offenbarung, die unsere Sport-Union am gestrigen Samstag gegen den SSV Reutlingen abgeliefert hat. Dass die Pichterich-Elf am Ende nach dem 2:2 dennoch über einen Punkt jubeln durfte war einerseits zwei Last-Minute-Toren, andererseits einer abermals glänzenden Neckarsulmer Moral zu verdanken.

Das Remis konnte bei aller Begeisterung über dessen spätes Zustandekommen allerdings nur temporär über den ungewohnt fahrigen Auftritt der Sport-Union hinwegtäuschen. „Natürlich bin ich zufrieden, dass wir nach dieser dramatischen Endphase noch einen Punkt geholt haben, weil es nicht danach ausgesehen hatte“, so Cheftrainer Marcel Busch. „Dennoch überwiegt klar die Frustration, dass wir heute nicht gut gespielt haben, und nicht dass auf den Platz gebracht haben, was wir uns vorgenommen haben.“

Die erste Halbzeit im Pichterichstadion war ausgesprochen ereignisarm. Eine einzige spektakuläre Szene konnten die rund 300 Zuschauer in den ersten 45 Minuten notieren. Und die hatte es in der Tat in sich – leider aus Neckarsulmer Sicht auf der falschen Seite. In der 10. Minute waren es nämlich die Reutlinger, die in Führung gingen. Es war ein Bilderbuch-Konter, mit dem der SSV das 0:1 erzielte. Gegen zu weit aufgerückte Neckarsulmer kam auf rechts Noah Ganaus am 16-Meter-Raum an den Ball, schüttelte zunächst seinen Gegenspieler ab und drosch das Spielgerät anschließend in den linken Knick. Ein Traumtor, wie man neidlos anerkennen muss.

Schon sieben Minuten zuvor waren die Reutlinger gefährlich vor das von Lukas Mai gehütete Neckarsulmer Tor gekommen. Nach einem Freistoß aus dem Halbfeld kam Marvin Jäger an den Ball, setzte diesen aber aus kurzer Distanz knapp neben das Gehäuse.

Gelungene Offensivaktionen auf Neckarsulmer Seite in der ersten Halbzeit – Fehlanzeige. Torschüsse – null. Dafür produzierte die Sport-Union Fehlpässe und Stockfehler in Hülle und Fülle. Die schon von Beginn an körperlich sehr präsenten Reutlinger machten zudem nach dem Führungstreffer die Räume noch enger, standen noch tiefer. Selten traf die Sport-Union auf einen Gegner, der mit Fünfer-Abwehrkette agierte, die Reutlinger taten dies sogar mit hoher Effektivität.

Im zweiten Durchgang nahm die Begegnung zumindest etwas an Fahrt auf, Chancen hatten aber zunächst auch weiterhin nur die Reutlinger. In der 57. Minute köpfte Lukas Preuß das Leder nach einem Eckball freistehend drüber, drei Minuten später brachte Noah Ganaus das Spielgerät nicht im leeren Neckarsulmer Gehäuse unter.

In der 65. Minute schnürte Ganaus dann per Kopf den Doppelpack, der Drops schien nach dem Reutlinger 0:2 gelutscht.

Erst jetzt wachte die Pichterich-Elf auf und setzte die Reutlinger Defensive endlich unter Druck. Der Beginn der Neckarsulmer Schlußoffensive markierte in der 70. Minute der erste Torschuss von Noah Schorn, der aus 16 Metern an Reutlingens Keeper Weisheit scheiterte. Glück hatte der SSV drei Minuten später, als ein Kopfball von Yannick Eitelwein nach toller Flanke von David Gotovac an die Latte klatschte und dann in den Arme von Weisheit landete.

Der SSV verwaltete nun nur noch das Ergebnis, spielte vermehrt auf Zeit. Zwei Minuten vor dem Abpfiff dann erneut Pech für die Einheimischen, als ein Kopfball des eingewechselten Robin Neupert abermals die Latte touchierte. Die Lage schien hoffnungslos.

Es folgte die verrückteste Nachspielzeit seit vielen Jahren auf dem Pichterich. Die Reutlinger waren nach dem 90-minütigem Kampf, den sie mit viel Leidenschaft geführt hatten, nun stehend k.o. In der 89. Minute wurde der durchgebrochene Philipp Seybold im Strafraum von Luca Wöhrle gelegt, Referee Cedric Bollheimer entschied zurecht auf Strafstoß für die Sport-Union. Steven Neupert ließ sich diese Chance nicht entgehen und verwandelte zentral zum 1:2-Anschlußtreffer.

Zwei Minuten später war Steven Neupert auch entscheidend am Ausgleich beteiligt. Geistesgegenwärtig leitete er das Spielgerät sehenswert weiter auf den durchgestarteten Leon Rasic, der  Ex-Reutlinger verwandelte mit all seiner Kraft und Dynamik zum 2:2-Ausgleich. Der Jubel im Pichterichstadion über „Last-Minute-Rasic“ war riesig, denn ein Remis hatte der Spielverlauf eigentlich nicht hergegeben.

Das war Spielern und Trainer allerdings auch durchaus bewusst. Die Sport-Union war nach einer insgesamt schwachen Leistung mit einem blauen Auge davongekommen.

Sport-Union: Mai, Gotovac, Mägerle, Fausel, Seybold, Müller (64. Eitelwein), Bauer (55. Pander), Bellanave (64. Rasic), Gebert (83. R. Neupert), Schorn, S.Neupert