Marcel Busch gehört zu der Kategorie Menschen, die nur wenige Dinge aus der Fassung bringen können. Auf der Pressekonferenz nach der 0:2-Niederlage bei den Stuttgarter Kickers war der Chefcoach von Fußball-Oberligist Neckarsulmer Sport-Union dann aber doch sichtlich angesäuert: „Mich stört es immens, wen wir nach Niederlagen ein Lob für ein gutes Spiel bekommen. Lieber spiele ich schlecht, nehme dabei aber etwas Zählbares mit. Meine Mannschaft muss in den kommenden Wochen einfach lernen, kaltschnäuziger zu sein“

Marcel  Busch bezog sich in seinem Statement vor allem auf die zweite Halbzeit. Beim Stand von 1:0 für die Kickers war seine Mannschaft drauf und dran, den Ausgleich zu erzielen. In den entscheidenden 2-3 Situationen fehlte der Pichterich-Elf vor dem Tor aber einfach der notwendige Killerinstinkt. So hieß es am Ende wieder einmal: Nichts zu holen für die NSU auf Degerlochs Höhen.

Marcel Busch hatte sein Team auf drei Positionen geändert. Noah Schorn, Mert Öztürk und Nico Charrier liefen im Vergleich zur Vorwoche von Beginn an auf. Keine vier Zeigerumdrehungen waren gespielt, da war der Neckarsulmer Matchplan auf der Waldau bereits durchkreuzt. Und wieder einmal war es Mijo Tunjic, das fleischgewordene Neckarsulmer Tor-Schreckgespenst, der dafür verantwortlich war. Wenn die Kickers gegen die NSU treffen, dann leuchtet meist der Name „Tunjic“ auf der Anzeigetafel auf. So auch diesmal, als die Nummer 20 der Blauen nach einer Hereingabe von Niklas Kolbe per langem Fuß einnetzte. „Tut mir leid für Euch, aber ich bin halt Stürmer“, sagte der Torjäger der Kickers fast entschuldigend nach dem Abpfiff.

Es folgte eine Drangperiode der Kickers gegen sichtlich angeknockte Unterländer. Marcel Susser stand nun fast im Minutentakt im Mittelpunkt, konnte aber Schüsse von Mijo Tunjic (15.) und Christian Giles (18.) gekonnt parieren.

Nach 20 Minuten beruhigte sich der Stuttgarter Angriffswirbel. Die Sport-Union stand nun kompakter, ließ erheblich weniger gute Offensivaktionen der Kickers zu. Und ja, es gab sie sogar, die Szene, die zum Ausgleich hätte führen können. Nach 28 Minuten spielte sich die NSU schön bis auf die Grundlinie durch, die präzise Flanke von Mert Öztürk fand den freistehenden Pasqual Pander am langen Pfosten – doch der Neckarsulmer Torjäger war zu überrascht und es kam nur ein „Abschlüßchen“ heraus.

Aber die NSU war nun drin im Spiel – und das setzte sich auch zu Beginn der zweiten Hälfte fort. Die Pichterich-Elf hatte jetzt selbst längere Ballpassagen, während für die Kickers zunächst kaum noch nennenswerte Offensivaktionen zu notieren waren.

In der 53. Minute hatte die Pichterich-Elf dann die Kategorie von Torchance, die es einfach zu nutzen gilt, wenn man unter dem Fernsehturm etwas Zählbares mitnehmen möchte. Ein verunglückter Ball von Kickers-Keeper Bromma landete vor den Füßen von Mert Öztürk, der aus 30 Metern etwas überhastet abschloss und das verwaiste Tor der Blauen weit verfehlte. (51.).

Nur drei Minuten später parierte Bromma mit Mühe einen 25-Meter-Freistoß von Nico Charrier, direkt im Anschluss landete ein Volleyschuss von Mario Müller knapp über dem Gehäuse. „Vor allem über die zweite Halbzeit müssen wir reden, wo Neckarsulm es geschafft hat über viele Passpassagen in unsere Hälfte zu kommen. Da gibt es dann schon Gesprächsbedarf“, sagte Kickers-Coach Ramon Gehrmann nach der Partie.

In der 68. Minute zerstörte dann Marcus Obernosterer alle aufkeimenden Neckarsulmer Hoffnungen auf einen Punktgewinn der Pichterich-Elf. Nach Vorlage von Giles zirkelte er das Leder zentimetergenau ins rechte untere Eck – 2:0. Ein Geniestreich sorgte für die Entscheidung im Stadion auf der Waldau.

Die NSU gab nicht auf und versuchte weiterhin den Anschlußtreffer zu erzielen. In der 89. Minute war der durchgebrochene Yannick Eitelwein von Dennis Zagaria nur mit einem Foul zu bremsen, das der Referee Marvin Maier folgerichtig mit dem roten Karton ahndete.

Dennoch wollte der NSU in den letzten Minuten kein Treffer mehr gelingen, so blieb es bei der insgesamt verdienten 0:2-Niederlage gegen den Mitfavoriten. „Ich bin heute schon etwas angefressen, weil ich einfach möchte, dass wir eine größere Siegermentalität an den Tag legen“, fasste Marcel Busch seine Gemütslage zusammen.

NSU: Susser, Gotovac, Romano, Fausel, Seybold, Müller (66. Bauer), S. Neupert, Schorn (71. Gebert), Öztürk (71. Eitelwein), Pander, Charrier (80. Bellanave).