Nach 95 nervenaufreibenden Minuten sanken die Spieler der Neckarsulmer Sport-Union nach dem Abpfiff erschöpft nieder auf den Rasen. Die emotionale und intensive Begegnung beim FC Nöttingen hatte Kraft gekostet. Am Ende konnte die NSU 1:1-Remis immerhin einen Punkt aus dem Panoramastadion entführen. „Ich habe meine Jungs dazu beglückwünscht“, sagte Cheftrainer Marcel Busch. „Das war ein Schritt in die richtige Richtung.“

Oft war unter der Woche rund um den Pichterich die Floskel von der „geforderten Reaktion“ zu vernehmen.  Die Leistung bei der 1:2-Auftaktniederlage vergangene Woche gegen Bruchsal hatte den Neckarsulmer Verantwortlichen nicht gefallen. Vor allem fehlender Mut und Dynamik wurden dabei bemängelt. Beim FC Nöttingen sollte sich dies möglichst ändern, wenngleich klar war, dass die Trauben bei den personell verstärkten Gastgebern hoch hängen würden.

Und die Begegnung  begann denkbar ungünstig für die Gäste aus dem Unterland. Gerade einmal 120 Sekunden waren gespielt, als ein langer Ball von Tolga Ulusoy hinter die Neckarsulmer Viererkette Niklas Hecht-Zirpel erreichte, der das Spielgerät zugegeben wunderschön ins Neckarsulmer Gehäuse hob. Es war bereits der dritte Treffer des Neuzugangs von Regionalligist Kickers Offenbach und ein echter Nackenschlag für die Gäste.

Die Mine bei Marcel Busch verfinsterte sich nach dem frühen Gegentreffer, doch seine Mannschaft zeigte fortan die erhoffte Reaktion. Immer wieder setzte die Sport-Union Nadelstiche, versuchte mit schnellen Kontern zum Erfolg zu kommen. Die erste Möglichkeit hatte dabei Noah Schorn, der aus 17 Metern abzog, jedoch nicht genug Druck hinter den Ball bekam, so dass Nöttingens Schlußmann Andreas Dups klären konnte.

Doch auch die Gastgeber blieben gefährlich, nach einem Konter aus dem Lehrbuch scheiterte Mustafa Uslu in aussichtsreicher Position am stark reagierenden Neckarsulmer Keeper Marcel Susser. In der Folge allerdings schaffte es die Sport-Union die intensive Begegnung offen zu gestalten und die Nöttinger vom eigenen Tor fernzuhalten. Eine Schrecksekunde gab es allerdings in der 39. Minute, nach einem kapitalen Neckarsulmer Fehlpass tauchte Eray Gür frei vor Marcel Susser auf, platzierte das Spielgerät jedoch über das Gehäuse.

Eine Minute später Haareraufen auch auf der Gegenseite. Nach einem abgewehrten Eckball kam Claudio Bellanave an der Strafraumlinie zum Abschluss, Leutrim Neziraj klärte für seinen bereits geschlagenen Keeper auf der Linie. Im Anschluss an die folgende Ecke durften die Gäste dann aber jubeln. Den flach in die Mitte getretenen Ball verlängerte Tobias Fausel in die Mitte, wo Marco Romano per langem Bein vollendete und die zahlreich mitgereisten NSU-Anhänger feiern ließ. Der 1:1-Ausgleich war zu diesem Zeitpunkt auch durchaus verdient.

Im zweiten Durchgang waren dann gegen nun vehement anrennende Nöttinger vor allem Neckarsulmer Kampf-und Zweikampfstärke gefordert. Keine 60 Sekunden waren gespielt, als Leutrim Neziraj aus 12 Metern freistehend zum Schuß kam, jedoch zu hoch zielte. Die Sport-Union hielt mit viel Willen dagegen,  konnte aber in der 67. Minute eine weitere Nöttinger Großchance nicht verhindern. Diesmal hieß der Sieger im Duell mit Torjäger Niclas Hecht-Zirpel jedoch NSU-Goalie Marcel Susser, der glänzend im Eins-gegen-Eins abwehrte.

Die 69. Minute stand dann sinnbildlich für den leidenschaftlichen Auftritt der Sport-Union. Binnen Sekunden hatte der FC Nöttingen gleich drei großartige Chancen im Strafraum, doch jedes Mal warf sich ein Abwehrspieler der Pichterich-Elf in die Schußbahn und es blieb beim Remis. „Da geht mir schon das Herz auf, wenn ich sehe, wie sich meine Abwehrspieler in diese Bälle werfen. Das ist der richtige Weg und hat die letzten Spiele leider komplett gefehlt“, sagte NSU-Coach Marcel Busch. Glück hatte seine Elf in der 72. Minute, als ein freistoß von Tolga Ulusoy an den Pfosten klatschte.

Der Druck der Nöttinger nahm zu, allerdings hatte auch die Sport-Union 2-3 richtig gute Kontermöglichkeiten, bei denen allerdings die letzte Überzeugung und Genauigkeit fehlten.

So war in den Schlussminuten abermals das Können des bärenstarken Marcel Susser gefragt. So parierte der Goalie in der 89. Minute grandios gegen den durchgebrochenen Daniel Elfadli und auch eine Eckballserie der Badener in der Nachspielzeit überstand die NSU mit Glück und Geschick.

So stand am Ende ein leidenschaftlich erkämpfter Punktgewinn bei einem starken Gegner. „Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden sowie mit der Bereitschaft meiner Mannschaft zu leiden. Neutral gesehen muss man sagen, dass nach einer aus meiner Sicht ausgeglichenen ersten Halbzeit die Nöttinger im zweiten Durchgang spielbestimmend waren. Wir müssen nun versuchen, den nächsten Schritt zu gehen und versuchen, die starke Leistung der ersten 45 Minuten über die komplette Spielzeit zu zeigen“, so Marcel Busch abschließend.

NSU: Susser, Romano, Mägerle, Fausel, Seybold, Müller (87. Bauer), S. Neupert, Schorn (68. Öztürk), Gebert (68. Cancar), Bellanave(81. Albert), Pander,