Nein, nach den beiden furiosen Heim-Begegnungen gegen Reutlingen und Ilshofen gab es an diesem Wochenende im Pichterichstadion für Fußball-Ästheten nichts zu bestaunen. Dies lag aber weniger an unserer Sport-Union. Wohl selten in den letzten Jahren hat man eine ähnlich defensiv auftretende Gästemannschaft gesehen, wie den FV Lörrach-Brombach. So wird das 0:0 am Ende kaum dazu taugen, das man sich noch lange an diese Partie erinnern wird. „Wir sind heute nicht zufrieden, weil wir es nicht geschafft haben, diesen einen Dosenöffner zu kreieren, den Du für solch ein Spiel brauchst“, sagte NSU-Coach Marcel Busch nach dem Spiel.

Seine Mannschaft startete mit viel Schwung in die Begegnung. Bereits nach drei Minuten zirkelte Maxi Gebert einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld in Richtung Lörracher Gehäuse, doch der Ball klatschte an den Posten. In der 12. Minute stürmte Philipp Seybold nach einem schnell ausgeführten Einwurf Richtung gegnerisches Gehäuse, sein Schuss aus spitzem Winkel ging jedoch über den Querbalken.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die NSU bereits verletzungsbedingt wechseln müssen, Claudio Bellanave musste mit einer Zerrung vom Platz, für ihn kam Nico Charrier. In der 16. Minute die nächste gute Chance für die bis dahin schwungvollen Gastgeber. Nach Vorlage von Nico Charrier scheiterte Pasqual Pander aus ebenfalls spitzem Winkel am gut reagierenden Lüchinger.

Und die Gäste? Ihnen war von Beginn des Spieles anzumerken, dass es ihnen hier einzig darum geht, einen Punkt zu ergattern. Oft mit voller Kapelle tief in der eigenen Hälfte stehend, verteidigte Lörrach-Brombach das 0:0.

Und nach anfänglichen Problemen gelang das mit zunehmender Spieldauer auch immer besser. Die Räume, die sich der NSU in der ersten Viertelstunde noch boten, wurden immer weniger. Und mit der steigenden Lörracher Defensivkraft, schwanden bei der NSU auch etwas die Dynamik, Kreativität und Überzeugung. Spätestens nach einer halben Stunde war klar, es wird ein Geduldspiel für die Pichterich-Elf.

Im zweiten Durchgang verstärkte sich die Defensivhaltung der Gäste sogar noch. Gefühlte 80-90% Ballbesitz hatte die NSU nun, man hatte den Eindruck die Gäste wollten die Kugel überhaupt nicht selbst haben, sondern hatten nur eine Mission: Das eigene Gehäuse mit aller Macht zu verteidigen. Dies machten sie zugegeben, sehr diszipliniert und leidenschaftlich. Und die Wahl der Mittel ist auch vollkommen legitim. Schön anzusehen war es allerdings nicht.

Die NSU kam mit Dampf aus der Pause, schaffte es zu Beginn der zweiten Halbzeit immer wieder, sich bis zur Lörracher Grundlinie durchzuspielen, doch der finale Pass wollte einfach nicht gelingen. Nach einer Stunde Spielzeit kam eine weitere Komponente hinzu.  Nach dem kräftezehrenden Spiel am Mittwoch in Freiberg fehlten bei unserer Elf verständlicherweise etwas die Körner. Trotzdem waren sie noch da, die Chancen das Spiel für sich zu entscheiden.

So behinderten sich in der 70. Minute zwei Neckarsulmer nach einer Charrier-Hereingabe in aussichtsreicher Position am langen Pfosten. In der 87. Minute legte Pasqual Pander zurück auf Alexander Albert, der das Spielgerät jedoch aus sieben Metern  weit über den Querbalken platzierte.

Und wie das im Fußball manchmal so ist, beinahe wäre die NSU am Ende komplett mit leeren Händen da gestanden. In der 89. Minute landete der Ball irgendwie vor den Füßen von Vedat Erdogan, der mit seinem Schuss nur um Zentimeter scheiterte. „Gott sei Dank hat er den drüber geschossen, das wäre der Super-Gau gewesen“, sagte Marcel Busch. Sein Gegenüber Erkan Aktas hingegen freute sich über das Remis: Wir wussten, uns erwartet heute eine spielstarke Mannschaft. Deswegen sind wir überglücklich über den Punktgewinn in Neckarsulm, so kann es weitergehen.“

Als Pasqual Pander in der 93. Minute aus zehn Metern halblinker Position ebenfalls verzog, endete in der Tat ein zähes Oberliga-Spiel mit einem torlosen Remis.  „Gefühlt waren immer nur wir am Ball, Lörrach hat sich ausschließlich auf das Abwehrverhalten konzentriert. Keine Kritik hierfür, das ist absolut legitim. Dennoch wird es dann einfach schwer, da brauchst Du diese eine Situation, diesen einen genialen Moment. Und das hatten wir heute einfach nicht“, so Marcel Busch abschließend.

NSU: Susser, Gotovac, Romano, Fausel, Seybold, Müller (79. Albert), Neupert, Gebert (63. Eitelwein), Bellanave (11. Charrier), Cancar (68. Öztürk), Pander