30.09.18 - 2:5 nach Verlängerung - Sieben Minuten fehlten zur NSU-Sensation
 

Was war das wieder für ein magisches Pokalabend gestern auf dem Pichterich. Ganze sieben Minuten fehlten unserer NSU (fünfte Liga) gegen den haushohen Favoriten SG Sonnenhof Großaspach (3. Liga). 2:1 führte die Sport-Union nach einer famosen 2. Halbzeit bis zur 83. Minute, ehe eine Strafstoß-Entscheidung des Unparteiischen Tobias Endriß aus Bad Ditzenbach „uns den Stecker zog“ (Zitat Marc Schneckenberger). Der Favorit wankte – doch er fiel nicht. Wir haben dieses fantastische Fußballspiel für Euch analysiert.


Die Konstellation:
War so simpel wie selten im Fußball. 5. Liga trifft im Pokal auf 3. Liga. Über die Favoritenrolle gab es im Vorfeld nicht die geringste Diskussion. Wie in solchen Fällen üblich wollte der Sonnenhof „den Gegner nicht unterschätzen“ und „das Spiel angehen wie jedes normale Drittliga-Spiel“ – unsere Sport-Union beschwor hingegen die bekannten Pokalgesetze, die es bereits gab, so vermuten wir, bevor der Pokalwettbewerb überhaupt erfunden wurde und hoffte auf das nötige Spielglück.


Das Ergebnis:
Am Ende stand nach einem spektakulären Pokalfight ein 5:2-Sieg nach Verlängerung für den Favoriten aus Großaspach. Und keine Frage, der Sieg des Sonnenhofs war verdient - auch wenn er sich am Ende für uns Neckarsulmer anfühlte, wie ein Schlager von Andrea Berg: Er tat weh. Die Großaspacher hatten unser Team tatsächlich nicht unterschätzt und spielten stark, keine Frage. Dass sie dennoch um den Einzug in das Achtelfinale bangen mussten ist wie ein Ritterschlag für unsere NSU, die mit unglaublichem Wille und Leidenschaft auftrat.


Der Spielverlauf:
In der ersten Hälfte fehlte der Sport-Union noch etwas der Mut – kein Wunder nach dem 0:5 vor drei Tagen gegen Bahlingen. Der Drittligist um den wieselflinken Außenstürmer Makana Baku bestimmte daher die Begegnung zunächst deutlich. Immer wieder kamen die Gäste zu guten Möglichkeiten und hätten zur Pause höher als 1:0 führen müssen. Den einzigen Treffer vor dem Seitenwechsel hatte Röttgen nach einem Pass in die Tiefe relativ unbedrängt erzielt. In der zweiten Halbzeit trat die Sport-Union mit mehr Vehemenz auf, war dem Drittligisten ebenbürtig und zeigte eine gnadenlose Effektivität. Ouadie Barini drehte mit zwei wunderschönen Treffern des Spiel zugunsten der NSU. Exakt sieben Minuten fehlten am Ende zur blauen Pokalsensation. Ein Elfmeter brachte den wankenden Favoriten aus Großaspach in die Verlängerung. Bitter: Als dort die reguläre Spielzeit von Halbzeit eins bereits beendet war, fiel der 3:2-Führungstreffer für die Gäste, die mit dem 4:2 direkt zu Beginn der 2. Verlängerungshälfte den Deckel auf das Spiel machten. Letztendlich endete die Begegnung mit 5:2 nach Verlängerung für die SG Sonnenhof Großaspach. Die Sport-Union hatte dennoch eine famose Leistung abgeliefert.


Der 12. Spieler der Sport-Union:
Der 12. Spieler der Sport-Union war am gestrigen Abend definitiv das Torgestänge. Unglaubliche fünf Mal rettete das Aluminium für den bereits geschlagenen NSU-Schlussmann Marcel Susser. Und ja, genauso muss es eigentlich auch sein, wenn ein Underdog Großes vorhat. Während die Großaspacher am eigenen „Aluminium-Festival“ schier verzweifelten, war es für die Neckarsulmer Fans fast ein „running Gag“.


Das Comeback des Spiels:
Es wurde auch Zeit, dass die Sport-Union nach einem Rückstand wieder einmal zurückkommt. So geschehen am gestrigen Mittwoch gegen Großaspach. In der 57. Minute drosch Ouadie Barini zunächst einen Freistoß aus 30 Metern in den rechten Torwinkel. Nach einer Megaflanke von Maxi Gebert war es abermals Ouadie Barini, der volley das 2:1 für die NSU erzielte. Der Torschütze brüllte seine Freude in den dunklen Abendhimmel, die Pichterich-Arena stand kopf. Was für ein Comeback – und das gegen einen Drittligisten.


Die Schlüsselszene des Spiels:
Marco Merz hatte es gleich erkannt: Nach der vergebenen Mega-Doppelchance zum Neckarsulmer 3:1 in der 69. Minute war sich der Neckarsulmer Sportdirektor sicher: „Nach dem Spiel werden wir sagen, das war eine Schlüsselszene.“ Leider behielt er recht. Nach einem Eckball hatten unsere Jungs gleich zweimal aus kürzester Distanz die große Möglichkeit auf den dritten Treffer, doch zunächst standen sie sich selbst im Weg, dann klärte ein Großaspacher Abwehrbein auf der Linie. In einer Phase, in der Großaspach verunsichert und verzweifelt wirkte, wäre dies wohl die Entscheidung in diesem packenden Pokalfight gewesen.


Der Pfiff des Spiels:
War fraglos der Elfmeterpfiff des Unparteiischen Tobias Endriß in der 83. Minute gegen unsere Sport-Union. Über keine Szene des Spiels wurde so kontrovers diskutiert. Gibt es eigentlich überhaupt noch Fußballspiele, nach denen nicht über Schiedsrichter-Entscheidungen gesprochen werden muss? Marco Romano ging im Strafraum in einen Zweikampf mit Röttgen, der dann zu Boden sank. Ob tatsächlich ein Kontakt vorlag, war kaum auszumachen. „Sünder“ Marco Romano sagte danach „ich habe ihn nicht einmal berührt.“ Viele Zuschauer meinten: Das war definitiv ein Strafstoß, viele sagten aber auch: Das war kein Elfmeter. Der Unparteiische gab an „er sei sich sicher gewesen, dass es ein regelwidriges Einsteigen war“ und entschied sofort auf Elfmeter. Einen Vorworf wollen wir ihm da keinesfalls machen, bei den zahlreichen unterschiedlichen Meinungen selbst unter den anwesenden Fußball-Experten. Wo ist eigentlich der Videobeweis, wenn man ihn wirklich einmal braucht?


Der Aufreger der Spiels:
In einem waren sich fast alle Zuschauer einig: Die anschließende rote Karte für Marco Romano war hart, wohl zu hart. Die Situation als Notbremse zu beurteilen, wird der betreffenden Szene eher nicht gerecht. Vor allem aber wurde sie diesem tollen Pokalfight nicht gerecht, der es nicht verdient hatte, auf dieser Art und Weise entschieden zu werden. Es liegt uns aber fern, die Niederlage am Unparteiischen festzumachen, es war wirklich eine extrem schwierig zu beurteilende Situation.


Das Traumtor des Spiels:
Was war das für eine Bude! 57. Minute: Ouadie Barini legt sich in 30 Meter Torentfernung den Ball zurecht, alle rechnen mit einer Hereingabe in den Strafraum. Doch unsere Nummer 10 hat etwas ganz anderes vor. Er macht´s direkt! Perfekt trifft er die Kugel, noch während des Fluges sagte NSU-Sportdirektor Marco Merz: „Der geht rein!“ Wumms, drin das Ding, der Winkel des rechten Tornetzes beulte sich aus. Das war episch. Das war definitiv dem Traumtor sein Vater.


Der Fehlschuss des Spiels:
Am liebsten hätte Timo Röttger sich wohl in den Rasen des Pichterichstadions verbuddelt. Nachdem er zuvor NSU-Goalie Marcel Susser den Ball abgeluchst hatte, stand die Nummer 18 der Gäste vor dem leeren Tor – sein Schuß ging allerdings knapp am linken Pfosten vorbei. Keine Frage, das hätte direkt nach der Großaspacher Führung das 0:2 sein MÜSSEN. „Ging der jetzt echt vorbei“, fragte SG-Trainer Sascha Hildmann entsetzt, der sich, die Faust ballend, bereits jubelnd abgewandt hatte.


Die Magie des Abends:
Es bleibt dabei: Wenn im Pichterichstadion das Flutlicht angeht, dann passieren besondere Dinge. Die Beleuchtungsanlage scheint eine ganz besondere Magie auszustrahlen. So war es wieder einmal ein überragender Fußballabend in Neckarsulm voller Dramatik, Emotionen und Leidenschaft – auch wenn das Happy End aus Neckarsulmer Sicht leider versagt blieb.


Unterhaltung des Tages:
NSU-Akteur Maxi Gebert vor dem Spiel zu einem Einlaufkind: „Und, bist Du nervös?“ Die Antwort des Jungen: „Nein, kein bisschen.“ Daraufhin Maxi Gebert: „Aber ich!“ :-)

 
 
Unsere Einlaufkinder
Vor dem Einlaufen
Marcel Busch hatte kaum Platz genommen, da hatte Großaspach gleich die erste Großchance
730 Zuschauer säumten das Rund im Pichterichstadion - es war eine tolle Atmosphäre
Ouadie Barini gegen Dominik Pelivan
Volkan Demir mit großem Einsatz
Marius Klotz klärt vor Patrick Choroba
Maximilian Gebert auf dem Weg nach vorne
Ouadie Barini in "liebevoller " Umarmung seines Gegenspielers
Makana Baku foult Shpeijtim Islamaj
Volkan Demir gegen Julian leist und Dominik Pelivan
Die NSU kämpfte um jeden Ball
Marius Klotz gegen Sebastian Bösel
Szenen wie diese gab es in diesem Pokalfight viele zu sehen
Maxi Gebert gegen Patrick Choroba
Hier ein Kopfballduell dieser beiden
Ouadie Barini setzt sich gegen Dominik Pelivan durch
Hier erobert Ouadie die Kugel gegen Joel Gerezgiher
Kurze Trinkpause
Ouadie Barini
Konnte teilweise nicht mehr hinschauen: Gästetrainer Sascha Hildmann
Steven Neupert gegen Joel Gerezgiher