16.04.18 - So sah es der Gegner: FV Ravensburg - NSU 1:1
 
(c) Schwäbische Zeitung vom 15.04.18
 

Der FV verliert schon wieder einen Torwart

Haris Mesic kassiert Rot in der Nachspielzeit – 1:1 in der Oberliga gegen Neckarsulm

Ravensburg / sz - Der FV Ravensburg hat am Samstag auf ganz bittere Weise einen Sieg verspielt. Gegen die Neckarsulmer Sport-Union mussten die Ravensburger in der Fußball-Oberliga mit einem 1:1 zufrieden sein. Lange war es eine unansehnliche Partie, in der Nachspielzeit überschlugen sich die Ereignisse – inklusive einer erneuten Roten Karte gegen einen Ravensburger Torhüter.

Am Dienstag hatten Torwart Kevin Kraus und Stürmer Rahman Soyudogru Rote Karten gesehen, am Samstag traf es Kraus' Vertreter Haris Mesic. Sein Platzverweis war so bitter wie unnötig. "Er hat mir gesagt, dass nichts war, und das glaube ich ihm", sagte Thomas Zimmermann. "Aber wir können den Ball in der Situation doch einfach auch wegschlagen."

Was war passiert? Fast 90 Minuten lang bekamen die rund 350 Zuschauer in Ravensburg ein eher unansehnliches Spiel geboten. Torchancen auf beiden Seiten waren Mangelware, dafür gab es viele Fehlpässe und Ungenauigkeiten. Vor allem dem FV, der deutlich mehr Ballbesitz hatte, fehlten Ideen und Präzision. In der Nachspielzeit klappte es dennoch mit einem Tor: Jona Boneberger brachte den Ball in die Mitte, Bartosz Broniszewski traf rechts unten zum 1:0. "Ich war mit den Gedanken schon dabei, meine Jungs zu trösten", meinte NSU-Trainer Thorsten Damm.

Fiesel steht im Tor

Doch das vermeintliche Siegtor war erst der Anfang einer Nachspielzeit, die lange in Erinnerung bleiben wird. Denn Mesic, der den Ball bereits sicher in den Armen hatte, wurde von Ouadie Barini bestürmt – was dann tatsächlich passierte, ist unklar. Jedenfalls fiel Barini mit einem Schrei zu Boden und kugelte sich über den Rasen, der Linienrichter wollte wohl einen Kniestoß von Mesic gesehen haben. Schiedsrichter Tobias Bartschat zeigte Mesic Rot und gab Elfmeter. Weil Ravensburg bereits viermal gewechselt hatte, stellte sich Linksverteidiger Jascha Fiesel ins Tor, doch Adrian Beck verwandelte den Elfmeter zum 1:1. "Ich habe keine Lust, über Schiedsrichter-Entscheidungen zu sprechen", meinte FV-Trainer Steffen Wohlfarth. "Das Ende ist natürlich ein Drama, aber es darf nicht passieren, dass wir da einen Elfmeter gegen uns bekommen. Egal, was war."

So steht der FV am Ende einer Woche, in der er in der Tabelle die Chance hatte, ganz vorne ranzukommen, nur mit einem Punkt und ohne Torwart da. Gegen Reutlingen gab es eine 0:1-Heimniederlage, nun das 1:1 gegen Neckarsulm. Im Vergleich zur Partie am Dienstag gegen den SSV Reutlingen hatte Wohlfarth seine Startaufstellung auf vier Positionen verändert. Für Kraus stand Mesic im Tor, neu im Team waren zudem Fiesel, Kapitän Sebastian Mähr und Felix Schäch. Ravensburg spielte im 4-1-4-1-System.

Soyudogru verpasst frühe Führung

Schäch kam über links, Burhan Soyudogru über rechts, Broniszewski rückte aus der Innenverteidigung ins zentrale offensive Mittelfeld. Harun Toprak begann als Spitze – und das hätte sich nach wenigen Sekunden fast schon bezahlt gemacht. Toprak lief auf der linken Seite Neckarsulms Rechtsverteidiger David Gotovac davon, kam im Strafraum an Torwart Leander Wallmann vorbei und überließ den Ball Burhan Soyudogru. Auch er tanzte Wallmann aus, sein Flachschuss wurde aber von Gotovac auf der Linie geklärt.

Nach diesem Aufreger wurde es im Stadion im Wiesental deutlich ruhiger. Ihren klaren Vorteil in Sachen Schnelligkeit konnten die Ravensburger viel zu selten einsetzen. Brenzlig wurde es nach einem völlig missglückten Rückpass von Daniel Hörtkorn – der Ball ging über Mesic hinweg knapp am Tor vorbei. In der 28. Minute zog Jeggle an Gotovac vorbei, die Flanke grätschte Robin Neupert knapp am eigenen Tor vorbei. Der NSU-Kapitän hatte dann die beste Chance der Gäste, als er nach einem Eckball von Adrian Beck freistehend übers Tor köpfte.

Zur zweiten Halbzeit kam Felix Hörger für Jeggle, der früh eine Gelbe Karte gesehen hatte. Besser wurde das Spiel des FV aber nicht. Viele Pässe gingen ins Leere. Die Gäste waren vor dem gegnerischen Tor allerdings mindestens genauso harmlos. In der 75. Minute klärte Zimmermann einen Schuss von Alexander Albert kurz vor der Linie. Es lief auf ein 0:0 hinaus – stattdessen wurde es denkwürdig.

 
 
 
(c) Schwäbische Zeitung vom 16.04.18
 

Schwarze Woche für den FV Ravensburg

Der Fußball-Oberligist verpasst die vorderen Ränge und kassiert drei Platzverweise

Ravensburg / sz - Hätten die Fußballer des FV Ravensburg ihre beiden Heimspiele gegen den SSV Reutlingen und die Neckarsulmer Sport-Union gewonnen, wären sie nun punktgleich mit dem Tabellendritten der Oberliga, dem FC 08 Villingen. Stattdessen verlor der FV mit 0:1 gegen Reutlingen und schaffte gegen Neckarsulm nur ein 1:1. Mit 45 Punkten verharrt Ravensburg auf Platz fünf – und steht nun mit großen Personalproblemen da.

Denn in zwei Spielen kassierten die Ravensburger gleich drei Rote Karten. Torwart Kevin Kraus flog gegen Reutlingen wegen eines Handspiels außerhalb des Strafraums vom Platz, Toptorjäger Rahman Soyudogru sah in der Nachspielzeit nach einem kleinen Schubser gegen Rouven Wiesner die Rote Karte. Kraus wurde für zwei Spiele gesperrt, Soyudogru für drei. Am Samstag gegen die NSU traf es dann in Haris Mesic auch noch den zweiten Torwart. Ein kleines – unnötiges – Scharmützel mit Ouadie Barini wertete der Linienrichter als Tätlichkeit. Das Strafmaß gegen Mesic stand am Montag noch nicht fest. Bei Kraus wollte der FV noch alles versuchen, um die Sperre auf ein Spiel zu reduzieren.

Das würde nämlich bedeuten, dass Kraus am Mittwochabend um 18.15 Uhr im Nachholspiel gegen den FC 08 Villingen im Tor des FV stehen könnte. Als dritten Torhüter haben die Ravensburger Niklas Volo. "Er war allerdings in den vergangenen Wochen verletzt", sagt Trainer Steffen Wohlfarth. "Am Montag war er zum ersten Mal seit Langem wieder voll im Training dabei." In der Pressekonferenz am Samstag hatte Wohlfarth daher auch den ehemaligen FV-Torwart und jetzigen Pressesprecher Gerd Högerle gefragt: "Ich weiß ja nicht, was Du am Mittwoch machst ..." Högerle wird jedoch sicher nicht mehr auf den Rasen zurückkehren. "Mein Bruder hat ja auch noch einen Pass", legte Wohlfarth nach.

Das wiederum könnte tatsächlich passieren. Dominik Wohlfarth, 39-jähriger Bruder des Ravensburger Trainers, half dem Oberligisten bereits 2015/16 und 16/17 in der Not aus – und ließ seinen Spielerpass gleich beim FV. Dominik Wohlfarth ist Torwarttrainer beim SC Freiburg?II. "Er steht im Training", meint Steffen Wohlfarth, der aber nicht sagen wollte, ob er seinen Bruder tatsächlich von einem weiteren Spiel für den FV überzeugen will und kann.

Dass sich der FV überhaupt in solch eine Situation gebracht hat, hat sich der Oberligist in großen Teilen selbst zuzuschreiben. Vor allem die Szenen in der Nachspielzeit gegen Neckarsulm hätten die Ravensburger deutlich cleverer lösen können und müssen. "So etwas darf uns einfach nicht passieren", haderte Wohlfarth. Viel Frust schwang auch bei den Spielern mit. Jona Boneberger etwa schoss eine Wasserflasche wutentbrannt in die Bande und fluchte: "Jedes Mal so eine Sch...."

In der vergangenen – letztlich schwarzen – Woche haben die Ravensburger die Chance vertan, richtig oben ranzukommen. "Fußballerisch war es nicht so schlecht", meinte Steffen Wohlfarth nach dem 1:1 gegen Neckarsulm. "Schlecht war aber die Körpersprache der Spieler, diesen Vorwurf mache ich der Mannschaft." Er habe nicht den Eindruck gehabt, dass seine Mannschaft das Spiel zu jeder Zeit gewinnen wollte. Das muss am Mittwoch in Villingen anders werden. Wohlfarth ist erst gar nicht gewillt, trotz der erfolglosen Woche und dem dezimierten Kader nachzulassen. "Ich bleibe dabei: Ich will jedes Spiel gewinnen. Auch in Villingen wollen wir versuchen, den Kontakt nach oben zu behalten."

Gegen die beste Abwehr der Oberliga – Villingen kassierte in 25?Partien nur 23 Gegentore – müssen die Ravensburger ihre Chancen konsequent nutzen. Auch wenn in Rahman Soyudogru der beste Torschütze fehlt. Hinten muss der FV konsequent verteidigen – egal ob mit dem dritten Torwart oder doch vielleicht dem erfahrenen Rückkehrer.

 
 
 
Offizielle Facebook-Seite FV Ravensburg vom 14.04.18

(Der letzte Absatz demonstriert eindrucksvoll ein weiteres Mal, was für einen beliebten, sympathischen und sportlichen Trainer wir bei der NSU haben)
 

*** Unfassbare Schlussphase im Spiel unserer Blau-Weißen gegen die Neckarsulmer Sport-Union ***

Guten Abend liebe Fans! Über die nahezu gesamten fast einhundert Minuten spielbestimmend und mit einigen hochkarätigen Chancen, verpassen es unsere „Blau-Weißen“ heute durch eine an Kuriosität nicht zu übertreffende Schlussphase des Spiels die verdienten drei Punkte einzufahren. Zugegeben, es war sicher nicht unser bestes Spiel dieser Saison, aber auch ganz gewiss nicht das schlechteste. Gegen eine sehr tief stehende Neckarsulmer Truppe, gelang es unseren „Blau-Weißen“ immer wieder gefährlich vors Tor zu kommen, echte Torchancen hingegen waren jedoch Mangelware. Einzig in der dritten Spielminute, als es uns nicht gelang den Ball des bereits umspielten Torhüters aus fünf Metern im praktisch leeren NSU-Gehäuse unterzubringen. Das wars auch schon. Aber war es das wirklich? Mitnichten. Denn was sich in der Nachspielzeit heute ereignete, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Versuchen wollen wir es trotzdem. Also der Reihe nach.

Zunächst gelingt Bartosz Broniszewski in der zweiten Minute der Nachspielzeit der zu diesem Zeitpunkt sicher geglaubte Siegtreffer. Zwei Minuten später - es sollte wohl der letzte verzweifelte Angriff der Neckarsulmer werden - landet ein langer Ball vor die Füße unseres Torhüters Haris Mesic. Dieser zögert ein paar Sekunden, wartet auf den heranstürmenden Gegner und nimmt in letzter Sekunde den Ball auf und hält ihn mit beiden Händen fest an die Brust gepresst. Dann folgt ein kleiner Rempler und plötzlich liegt - zur Verwunderung aller Zuschauer im Stadion - ein Neckarsulmer Spieler auf dem Boden. Es folgen tumultartige Szenen die sich jedoch bald darauf aufzulösen scheinen. Doch dann signalisiert der gut vierzig Meter weit weg stehende Linienrichter seinem Hauptschiedsrichter per Armbewegung ein wohl besonderes Vorkommnis. Nach kurzer Rücksprache mit dem Linienrichter geschieht dann das Unfassbare: Der Schiedsrichter greift zu seiner Pfeife, zeigt auf den Elfmeterpunkt und stellt Torhüter Haris Mesic mit glatt Rot vom Platz. Wieder vergehen Minuten die dem Zuschauer wie Stunden vorkommen. Schließlich streift sich Jascha Fiesel ein Torwarttrikot über und stellt sich in den Kasten. Adrian Beck legt sich den Ball zurecht, läuft an und verwandelt den Strafstoß sicher im linken unteren Eck. Danach ertönt der Schlusspfiff des Schiedsrichters.

Fassungslos sitzen die Ravensburger Spieler noch Minuten nach dem Spiel stillschweigend auf dem Feld, nicht glauben wollend was gerade geschehen ist. Andere wiederum mussten von Ordnern beruhigt werden und der Rest verschwand so schnell wie irgend möglich in der Kabine.

Was genau der Linienrichter auch gesehen haben mag, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Wir zumindest wissen es nicht. Und werden es wohl auch nie erfahren.

Rein sportlich war es ein ausserordentlich faires Spiel mit nur zwei gelben Karten auf Ravensburger Seite. Wir gratulieren somit der Neckarsulmer Sport-Union Fußball zum gewonnenen Auswärtspunkt und wünschen eine gute und sichere Heimreise sowie dem verletzten Neckarsulmer Spieler Gute Besserung!

Großen Respekt zollen möchte die Redaktion an dieser Stelle dem zum Saisonende scheidenden Gästetrainer Thorsten Damm. Nach so einer hitzigen Schlussphase bei der anschließenden Pressekonferenz auf fremden Terrain das Spiel absolut fair und objektiv zu analysieren, ist keine Selbstverständlichkeit und zeugt von Größe. Respekt, Thorsten Damm!

# blauweissesfussballherz # fvrnsu