10.07.15 - Noch 5 Tage: „Hoffe“ kommt nach Neckarsulm!
 

TSG Hoffenheim – von ganz unten nach ganz oben in 26 Jahren

Am kommenden Mittwoch erwarten wir zum Fußball-Highlight des Jahres Bundesligist TSG Hoffenheim bei uns im Pichterichstadion. Die TSG hat in den letzten 26 Jahren einen eindrucksvollen Erfolgsweg hinter sich. Von der A-Klasse in die Bundesliga - Ein Blick auf die Historie von 1899 Hoffenheim.

 

Gegründet wurde der Club im Jahr 1899, damals noch unter dem Namen TV Hoffenheim, im gleichnamigen Sinsheimer Stadtteil. Kurios: Zunächst war der Verein ausschließlich Männern vorbehalten, man zählte bei der Gründung insgesamt 35 Mitglieder. Geprägt war der TV Hoffenheim zunächst voll und ganz von der Sportart Turnen, zu der damals neben der Gymnastik auch die Leichtathletik zählte. Im Jahr 1920 gründete sich im Dorf der FV Hoffenheim, der sich voll und ganz dem Fußballsport widmete. Im Mai 1945 fusionierten der TV und der FV (nach zuvor mehreren vergeblichen Versuchen) miteinander – es entstand die Turn- und Sportgemeinschaft Hoffenheim.

In den folgenden Jahrzehnten pendelte die TSG dann durch die unteren Amateurligen. Zweimal klopfte man kurzzeitig an das Tor zur 2. Amateurliga (damals die 4. höchste Liga) – aufgestiegen ist man jedoch nicht. Mit Einführung der Oberliga 1978 pendelten die Hoffenheimer in schöner Regelmäßigkeit zwischen Bezirksliga und A-Klasse.

1989 war dann das Schicksalsjahr der Kraichgauer, denn der SAP-Mitbegründer und Miliardär Dietmar Hopp entschloss sich, seinen Heimatverein, bei dem er in der Jugend als Stürmer gespielt hatte, finanziell zu unterstützen. Mit der Verpflichtung von Erwin Rupp, der u.a. für den VfB Eppingen in der 2. Liga gespielt hatte, begann dann auch sportlich der Weg nach oben. Es folgten der Aufstieg in die Bezirksliga 1991 und der Durchmarsch in die Landesliga Rhein Necker im darauffolgenden Jahr. 1996 gelang der nächste Aufstieg, doch auch die Verbandsliga Nordbaden war nur eine Durchgangsstation, denn 1999 verließ man diese wieder in Richtung Oberliga Baden Württemberg.

Mit Ex-Bayern-Profi Hansi Flick wurde nicht nur ein sehr prominenter Trainer verpflichtet, sondern auch die Mannschaft wurde sukzessive verstärkt. Der Kader war ein Sammelsurium von für diese Spielklasse grandiose Kicker wie Kevin Knödler, den Throm-Brüdern, Marc Rapp, Thorsten Tee, Guido Streichsbier oder Christoph Teinert. Nach einem Schlußspurt von 13 Siegen in Folge sicherte sich die TSG am letzten Spieltag, übrigens im Frankenstadion Heilbronn gegen den damaligen VfR, die Oberliga-Meisterschaft und stieg in die Regionalliga auf.

Dort musste der Club mit der Strategie, ausschließlich junge, hungrige Talente aus der Region zu verpflichten, zunächst eine Leistungs-Stagnation erleben. Rang 13 war schlichtweg zu wenig für die inzwischen sehr ambitionierten Anforderungen der Hoffenheimer. Mit einem Wechsel der Strategie, anstatt Nachwuchsspieler in der Mehrheit namhafte Ex-Profis wie Guido Hoffmann oder Christian Möckel zu verpflichten, ging die sportliche Tendenz wieder nach oben.

2004 schlug Mäzen Hopp vor, die Kräfte zu bündeln und die regionalen Topclubs aus Hoffenheim, Walldorf und Sandhausen zum FC Heidelberg zu verschmelzen. Dies scheiterte jedoch am Veto der Walldorfer und Sandhausener. Auch der geplante Stadionneubau in Heidelberg scheiterte, da das vorgesehene Stadionareal von den Eppelheimer Wild-Werken für die Erweiterung ihrer Produktionsfläche benötigt wurde. Daraufhin wurde der Standort Heidelberg nicht weiter verfolgt und stattdessen 2005 ein verkehrsgünstiger Standort im Gewerbegebiet der Stadt Sinsheim ausgewählt.

Als der Club fast zeitgleich beschloss, Profibedingungen in Hoffenheim einzuführen, war dies der letzte ausschlaggebende Fakt auf dem Weg des Clubs in die 2. Bundesliga. Am Rande: Zu dieser Zeit spielte auch ein in Neckarsulm nicht ganz unbekannter Akteur namens Timo Böttjer in Hoffenheim. 2006/07 nahm das „Projekt Hoffe“ weiter an Fahrt auf. Mit dem Sensations-Transfer von Ralf Rangnick als neuen Trainer, wurden auch Bundesliga-Profis wie Francisco Copado oder Jochen Seitz in den Kraichgau gelotst.

Der Erfolg stellte sich prompt ein. In der folgenden Saison 2006/07 durfte man als Regionalliga-Zweiter den Aufstieg in die 2. Bundesliga bejubeln. Der sportliche Erfolg war das Eine, doch der Strategiewechsel das andere. Denn wurde die TSG aufgrund des bisherigen Jugendkonzeptes öffentlich meist wohlwollend beurteilt, so wurde er nun bei Presse und Fans eher kritisch betrachtet. Die fehlende Tradition wurde ebenso moniert, wie der hohe monetäre Einsatz von Mäzen Dietmar Hopp. Als Reaktion darauf änderte der Club seinen Vereinsnamen in „TSG 1899 Hoffenheim“, um durch die integrierte Jahreszahl mehr Tradition zu vermitteln.

Bereits im ersten Zweitliga-Jahr gelang der Durchmarsch in die Bundesliga – der Club hatte in der Spielzeit 2006/07 im Profi-Unterhaus dabei alleine mehr Geld für Neuverpflichtungen investiert, als alle anderen Zweitligisten zusammen. Carlos Eduardo, Andreas Ibertsberger, Chinedu Obasi, Demba Ba und Vedat Ibisevic – glanzvolle Namen, die 1899 in jener Zweitliga-Saison verpflichtet hatte.

Seit 2009 spielt die TSG nun also in der deutschen Fußball-Beletage. Seitdem ist viel passiert, (u. auch nachzulesen in unserem Artikel „Kurioses rund um die TSG Hoffenheim). Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass die TSG inzwischen ein rundum etablierter Bundesligist darstellt – und auch in punkto Anerkennung in der Öffentlichkeit deutlich zugelegt hat. Als nächster Schritt ist das Erreichen des Europapokals geplant – bei der Nachhaltigkeit, die der Club in der Zielerreichung in den letzten 15 Jahren an den Tag gelegt hat, sollte auch diese Vorgabe zeitnah erreicht werden können.

 
Die TSG 1899 Hoffenheim im Schnellcheck
Voller Name_
Turn- und Sportgemeinschaft Hoffenheim 1899 e.V.
(Verein)
TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH
(Spielbetrieb Profifußball)
Ort_
Sinsheim (e.V.)
Zuzenhausen (GmbH)
Gegründet_
1. Juli 1899 (als TV Hoffenheim)
1920 (als FV Hoffenheim)
Mitglieder_
6200
Vereinsfarben_
blau-weiß
Stadion_
Wirsol Rhein-Neckar-Arena
Plätze_
30.150
Präsident_
Peter Hofmann
Geschäftsführung_
Peter Rettig (Vors.)
GmbH_
Frank Briel
Trainer_
Markus Gisdol
Homepage_
www.achtzehn99.de
Liga_
Bundesliga
2014/15_
8. Platz