05.07.15 - Noch 10 Tage: „Hoffe“ kommt nach Neckarsulm!
 
1899-Trainer Markus Gisdol im Porträt
 

Er ist ein absoluter Erfolgsgarant bei der TSG 1899 Hoffenheim. Als er vor etwas weniger als anderthalb Jahren das Ruder bei den Kraichgauern als Chefcoach übernahm, erlebte eine am Boden liegende Mannschaft eine wundersame Wiederauferstehung. Auch NSU-Trainer Thorsten Damm freut sich im Zusammenhang mit unserem Testspiel am 15.07. gegen 1899 am meisten auf die Begegnung mit dem Coach der TSG. Und das wundert nicht. Denn Markus Gisdol hat die TSG von einem Quasi-Absteiger zu einem Team mit Europapokal-Ambitionen geformt. Doch damit soll der aktuelle Weg von „Hoffe“ noch nicht zu Ende sein.

 

Bild (c) TSG 1899 Hoffenheim
 

Was ist er eigentlich für ein Typ, dieser Markus Gisdol? Liest man die Gazetten und verfolgt die Fernseh-Berichterstattung, dann wird schnell klar: Der 45-Jährige zählt nicht zu den Lautsprechern – weder privat, noch als Trainer. Vielmehr ist er ein Verfechter der analytischen Sachlichkeit, sowohl im Erfolg als auch im Misserfolg. Zudem ist er ein Coach, der niemals die Presse kalkuliert benutzen würde, um seine eigenen Ziele zu erreichen.

Nein, Medien und Markus Gisdol – das passt in der Tat nicht so recht zusammen. In jeder Pressekonferenz, jedem Interview ist zu spüren, dass Markus Gisdol zwar weiß, dass Medienarbeit ein wichtiger Teil seines Jobs ist, allerdings kein Teil, der ihm besonders viel Freude bereitet. Vielmehr merkt man ihm an, dass seine Heimat tatsächlich der grüne Rasen, bzw. daneben ist, die tägliche Arbeit mit der Mannschaft sein Steckenpferd darstellt. Dennoch ist sich Markus Gisdol bewusst, dass er unter ständiger medialer Beobachtung steht; „Man sollte während dem Spiel nicht unbedingt in der Nase bohren“, sagt er mit einem Schmunzeln, das anmutet, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen.

So hat Gisdol auch wenig überraschend in einem Interview einst zugegeben, er wäre am liebsten gar nicht prominent. „Ich würde gerne beim Bäcker wieder meine Brötchen kaufen, ohne mich über das vergangene Wochenende unterhalten zu müssen.“ Diese Sätze sind authentisch, diese Sätze sind Markus Gisdol pur.

Doch die Momente des Nicht-Erkannt-Werdens, sie sind selten geworden, seit der gebürtige Geislinger im April 2013 Cheftrainer der TSG 1899 Hoffenheim wurde. Es war eine Mission Impossible, die er bei der TSG übernommen hatte – neun Punkte Rückstand auf das rettende Ufer bei sieben ausstehenden Spielen – das Wort „Himmelfahrtskommando“ beschreibt wohl am besten, was Gisdol bei seinem neuen Arbeitsplatz erwartete – als Trainer Nummer vier der laufenden Saison wohlgemerkt.

Was folgte, war ein Hoffenheimer Sommermärchen. Denn er hat die Mission Impossible zu einer Mission Possible mutieren lassen und ergatterte mit einem unfassbaren Sieg bei Borussia Dortmund (und die waren damals noch wer im deutschen Fußball) den Relegationsplatz. Danach setzte sich die TSG in zwei Spielen gegen den Traditionsverein 1. FC Kaiserslautern durch und blieb in der Bundesliga. Hätte man sieben Spieltage zuvor darauf getippt, man hätte durchaus ein paar Euro verdienen können.

Privat liest der Trainer übrigens gerne mal ein Buch, geht joggen oder mit seinem Hund spazieren. Wichtige Entscheidungen bespricht er mit seiner Gattin. Das hört sich nicht nur sympathisch bodenständig an – sondern ist es zweifellos auch. Trotz erwähnter Medien-Scheu begegnet Markus Gisdol Fans der TSG 1899 Hoffenheim offen und respektvoll. „Man darf mich gerne ansprechen“, so der Coach, der für sich reklamiert, trotz des gestiegenen Bekanntheitsgrades ganz der „Alte“ geblieben zu sein. Wohl zu recht. Denn wer mit ihm zu tun hat, der kommt schnell zu der Erkenntnis, dieser Mensch meint es ehrlich mit einem.

Gisdol ist auch bei seinen Spielern beliebt, sehr beliebt sogar. Das liegt nicht nur daran, dass er seinen Jungs das Erfolgsgen eingepflanzt zu haben scheint, sondern weil er versucht, seine Ziele mit herzerfrischenden Offensivfußball zu erreichen. Dies endet in schöner Regelmäßigkeiten in Torfestivals oder „Spiele des Jahres“. „Hoff“ unter Gisdol – das macht einfach Spaß. Meistens jedenfalls.

Dass seine Mannschaft die vergangene Rückrunde nämlich nicht mit dem erwünschten Erfolg beenden konnte und den durchaus möglichen Europapokalplatz verpasst hat, wurmte den Coach sicht- und hörbar. Mit Mittelmaß will sich Markus Gisdol in Hoffenheim nicht zufrieden geben. Heißt: In der kommenden Saison soll Hoffenheim auf die Fußball-Europakarte kommen – endgültig.

Wir freuen uns sehr, Markus Gisdol am 15.07.15 bei uns im Pichterichstadion begrüßen zu dürfen.