05.05.13 - Vor dem Pokalfinaler: Interview mit FCH-Cheftrainer Frank Schmidt
 
Noch zwei Tage, dann ist es soweit. Das große Pokalfinale gegen den Drittligisten 1. FC Heidenheim steht kurz vor der Austragung. Trainer des FCH ist Frank Schmidt, der inzwischen seit 10 Jahren in Heidenheim tätig und kaum mehr aus dem Club wegzudenken ist. Der rasante Aufstieg der Heidenheimer ist eng mit dem Namen Frank Schmidt verbunden. Im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Pokal-Begegnung in der Großaspacher Comtech Arena am kommenden Dienstag um 19 Uhr konnten wir uns mit dem Heidenheimer Chefrainer unterhalten.
 
 

Zunächst Herr Schmidt, Sie sind inzwischen seit 10 Jahren als Spieler und Trainer in Heidenheim tätig. Gibt es überhaupt jemanden, der diesen Club besser kennt als Sie?

F . S.: Ja klar, die gibt es in der Tat. Zum Beispiel unseren Geschäftsführer Holger Sanwald, der seit 18 Jahren im Verein tätig ist, oder mein Torwart-Trainer Bernd Weng, der 26 FCH-Jahre auf dem Buckel hat. Aber um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen, natürlich kenne ich den 1. FC Heidenheim 1846 inzwischen in- und auswendig, keine Frage.


Als Sie vor 10 Jahren als Spieler in Heidenheim anheuerten spielte der Verein in der Verbandsliga, inzwischen ist er in der 3. Liga. Können Sie uns das Phänomen 1. FC Heidenheim 1846 erklären und wie dieser rasante Aufstieg in so kurzer Zeit überhaupt möglich war?

F. S.: Ich habe nicht gewusst, dass dieses Interview Stunden dauern wird (lacht). Als ich 2003 in meine Heimat nach Heidenheim zurückkam, hätte ich natürlich weder gedacht, dass ich hier einmal Trainer werden, noch, dass der Verein einen solchen Weg gehen würde. Gleichwohl merkte ich sofort, dass mit Personen wie Holger Sanwald Leute im Verein tätig sind, die Visionen haben. Richtig beurteilen möchte ich die Entwicklung des FCH jedoch erst ab meiner Zeit als Trainer 2007. Wir haben eine klare Philosophie entwickelt, von der wir auch keinen Meter abweichen und die wir konsequent durchsetzen. Es ist für uns wichtig, ein familiäres Umfeld zu bieten, in dem aber dennoch höchst professionell gearbeitet wird. Team, Verein, Fans, Partner und Sponsoren sind eine Einheit. Unsere Spieler akquirieren wir aus jungen hungrigen Spielern in der Hauptzahl aus Süddeutschland. Diesen eingeschlagenen Weg verfolgen wir nachhaltig und beharrlich. Das leben auch wir Trainer der Mannschaft jeden Tag konsequent vor, da hängt bei jedem Beteiligten sehr viel Herzblut dran. Die Konsequenz ist, dass wir inzwischen an der Schwelle zur 2. Liga stehen und unser Stadion zu den Top-Arenen der 3. Liga zählt.


Sie haben es schon erwähnt, Sie setzen vermehrt auf Spieler aus dem süddeutschen Raum. Wie verträgt sich diese lokale Konzentration mit dem großen Ziel 2. Fußball-Bundesliga?

R. S.: Die verträgt sich durchaus mit der 2. Liga. In den süddeutschen Jugendleistungszentren werden solch eine unglaubliche Menge an hervorragenden Fußballern ausgebildet. Und die Jungs, die es eben nicht auf Anhieb beispielsweise in den Kader des VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt, Bayern München oder der TSG Hoffenheim schaffen, müssen wir durch intensives Scouting versuchen zu lokalisieren und an uns zu binden, wenn es passt. Bestes Beispiel ist unser Torjäger Marc Schnatterer, der beim KSC für zu leicht befunden wurde. Ich könnte zahllose weitere Namen aufführen. Am Anfang war es schwierig, oft hieß es "Heidenheim? Wo liegt denn das?" Doch inzwischen haben wir uns den Ruf eines seriös und professionell agierenden Drittligisten erarbeitet.


Aus Heidenheim hört man keine übertriebene Kampfansagen oder große Sprüche. Sie lassen lieber Taten auf dem grünen Rasen für sich sprechen. Ist diese Demut ebenfalls ein Schlüssel zum Erfolg?

F. S.: Ja, ohne Zweifel und das sage ich auch immer meiner Mannschaft. Wir sind in der vergangenen Saison am letzten Spieltag um nur einen Punkt an der Relegation gescheitert. Da war es brutal mit diesem Rucksack in die neue Runde zu gehen, da jeder sagte, der FCH müsse nun aufsteigen. So funktioniert das aber nicht. Daher haben wir ab der Rückrunde versucht, uns über unsere Aufgaben, über jedes einzelne Spiel zu definieren. Das ist uns im Jahr 2013 mit 10 Siegen, drei Unentschieden und nur einer Niederlage nahezu perfekt gelungen. Offensiv waren wir nur beim Ziel WFV-Pokal, dessen Sieg wir tatsächlich angekündigt haben, da wir die Möglichkeit haben, ihn als erste Mannschaft überhaupt zum dritten Mal in Folge zu gewinnen.


Sie spielen als eine der wenigen Teams in der 3. Liga im 4-4-2-System. Ist auch das Teil Ihrer Spielphilosophie stets mit offensiver Ausrichtung anzutreten?

F. S.: Definitiv. Meiner Philosophie entspricht es stets zu agieren, anstatt zu verwalten. So haben wir auch unser Stadion voll bekommen. Für mich ist es immer das vorrangige Ziel ein Tor zu schießen, als zu versuchen, eines zu verhindern. Aber natürlich muss in diesem Zusammenhang die Balance stimmen. Ich werde an dieser offensiven Grundordnung aber auch definitiv nichts ändern.


Kommen wir zum Pokalfinale. Wie wir aus dem Heidenheimer Umfeld gehört haben, sind Sie heiß und motiviert auf jeden Titel. Also auch auf den WFV-Pokal?

F. S.: Das haben Sie gut recherchiert. Das ist in der Tat so. Ich kann zum Leidwesen meiner Kinder nicht einmal beim Mau Mau verlieren. Wir haben das klare Ziel, zum dritten Mal in Folge den WFV-Pokal zu holen und dieses Ziel wollen wir mit aller Macht umsetzen. Ich sage aber auch ganz klar, absolute Priorität hat für uns die dritte Liga. Aber wer im Finale des Pokals steht, das gilt auch für die NSU, hat das Recht, den Pokal erringen zu wollen.

Im Finale wartet mit unserer Neckarsulmer Sport-Union ein Landesligist auf Sie, überrascht es Sie, dass ein klassentiefer Club sich bis ins Endspiel vorgekämpft hat und haben Sie bereits Erkundigungen über die NSU eingezogen?

F. S.: Nein, das hat mich überhaupt nicht überrascht. Immerhin war ich selbst bei einer faustdicken Überraschung dabei, als wir mit Vestenbergsgreuth den FC Bayern München im Pokal ausgeschaltet haben. Mit ein enig Glück und der richtigen Auslosung ist im Pokal vieles möglich. Ihr hattet mit dem Oberligisten Bissingen und dem Regionalligisten SSV Ulm zwei höherklassige Clubs, der Rest waren Landes- oder Bezirksligisten. Zudem hattet ihr beim Sieg im Elfmeterschießen gegen Weiler auch das Glück auf Eurer Seite. Aber nur so erreichst Du eben solch ein Pokalfinale.

Was die Erkundigungen angeht: Absolute Priorität genießt für uns momentan natürlich das Drittliga-Spiel gegen Borussia Dortmund, aber Sie können sich sicher sein, dass wir die Sport-Union bis zum Pokalfinale mindestens einmal beobachtet haben. Zudem wissen wir natürlich schon zum jetzigen Zeitpunkt einiges über die Neckarsulmer.


Natürlich hoffen wir in Neckarsulm, dass wir selbst als Verlierer des Finales kommende Saison im DFB-Pokal vertreten sein werden. Dafür müsste der 1. FC Heidenheim 1846 mindestens Vierter in der dritten Liga werden. Können Sie uns und unsere Fans Mut hierfür machen?

F. S.: Ja, das kann ich unbedingt. Wir haben schließlich ein großes Eigeninteresse daran, Platz vier zu belegen, bzw. unter die besten Drei zu kommen. Daneben sind wir aber auch Württemberg-stolz und uns ist durchaus bewusst, was es für Euch Neckarsulmer bedeuten würde, in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals zu stehen. Daher werden wir, wenn wir am Dienstag gewinnen, auch für Euch alles tun, damit ihr nächtes Jahr dabei seid. Versprochen!

Danke Herr Schmidt , dass Sie sich für dieses Interview Zeit genommen haben.

 
Bilder (c) 1. FC Heidenheim