04.05.13 - So sieht es der Gegner: Vor dem Pokalfinale gegen Hedenheim
 
Heidenheimer Zeitung vom 07.05.13


"Mission Enterprise" in Großaspach

"Das Finale unseres Lebens!", heißt es auf der Internet-Homepage des Fußball-Landesligisten Neckarsulmer Sportunion. Die Unterländer sind heute Abend im WFV-Pokalfinale krasser Außenseiter gegen Drittligist 1. FC Heidenheim, der mit dem angestrebten Pokal-Hattrick Geschichte schreiben würde.

Noch nie hat in dem seit 1946 ausgetragenen Wettbewerb eine Mannschaft dreimal hintereinander den Titel gewonnen. Neben 2011 und 2012 hielt der FCH den Pokal auch 2008 in den Händen, Vorgängerverein VfL Heidenheim wurden zudem bereits 1965 WFV-Pokalsieger. Überdies standen die Heidenheimer Fußballer - damals noch mit Vereinsname HSB - 1977 und 2005 im Endspiel, mussten sich aber Normannia Gmünd und den Stuttgarter Kickers geschlagen geben.

Rekordpokalsieger ist übrigens der SSV Ulm 1846, der (inklusive seiner Vorgängervereine) acht Mal die Trophäe holte, ihm folgt auf Platz zwei der VfR Aalen (7) vor den Amateuren des VfB Stuttgart (5) und schließlich dem FCH (4).

Mit der erneuten Titelverteidigung würden die Heidenheimer den Cup nicht nur endgültig in ihren Besitz bringen, sondern sich auch gleichzeitig für den DFB-Pokalwettbewerb 2013/14 qualifizieren.
Gegen die Neckarsulmer Sportunion ist der FCH heute in der Großaspacher Comtech-Arena klarer Favorit. Immerhin trennen die beiden Kontrahenten vier Spielklassen. Doch auf die leichte Schulter nehmen dürfen die Heidenheimer ihren Gegner nicht. Die Neckarsulmer ließen mit Oberligist Bissingen (2:0) und vor allem mit Regionalligist SSV Ulm (5:4 nach Elfmeterschießen im Halbfinale) schließlich bereits zwei höherklassige Gegner hinter sich.

Bei allem Respekt für die Erfolge des Underdogs, der die Landesliga-Tabelle in der Staffel 1 mit komfortablem Zehn-Punkte-Vorsprung anführt, erwartet FCH-Trainer Frank Schmidt von seinen Schützlingen, dass sie von Anfang an spielbestimmend sind und nach 90 Minuten das Finale klar entschieden haben. "Das erste und das zweite Tor sind die wichtigsten Treffer", sagt Schmidt.
Der Heidenheimer Respekt gegenüber dem Landesligisten kommt auch darin zum Ausdruck, dass der Pokal-Finalist vom FCH im Vorfeld beobachtet wurde, zudem holte Schmidt Informationen zum Gegner ein. Beeindruckt hat den Heidenheimer Coach das gute Umschaltspiel des Landesligisten, der nicht zuletzt auch von einem "unheimlichen Zusammenhalt" im Team profitiere. Gefährlichster Mann der Neckarsulmer ist Stürmer Sinan Andic, der in der Liga bereits 17-mal getroffen hat.

Personell wird Schmidt einige Veränderungen vornehmen und zur Schonung der Stammkräfte für den Liga-Endspurt auch Akteure zum Einsatz bringen, die zuletzt im zweiten Glied standen, wie beispielsweise Florian Krebs oder Sandro Sirigu. Das Tor wird Rouven Sattelmaier hüten, nachdem sich Erol Sabanov am vergangenen Samstag eine Muskelverletzung zugezogen hatte. Schmidt geht davon aus, dass Sattelmaier auch am Samstag in Saarbrücken zwischen den Pfosten stehen wird, obwohl es Sabanov am Sonntag im Training bereits wieder deutlich besser ging. Bei Heidenheims heutigem Pokalgegner fiebert man dem Höhepunkt der bisherigen Vereinsgeschichte entgegen, gibt sich aber keinen Illusionen hin: "Es ist die Mission Enterprise, die unser Team erwartet", heißt es im Vorbericht auf der Vereins-Homepage. Das Finale gegen ein Team, das an der Schwelle zur 2. Liga stehe, "ist für uns wie eine Reise in eine fremde Galaxie."

Mit komplettem Kader wird der FCH heute in Großaspach erscheinen. Sollte der Pokal gewonnen werden, wird es aber danach keine große Feier geben. Die Mannschaft will sich ganz auf das Spiel am Samstag in Saarbrücken konzentrieren. Die Aufstiegshoffnung hat Schmidt noch lange nicht begraben. "Die Chance ist immer doch da, man muss daran glauben, dass es noch klappt", sagte er. Schmidt geht davon aus, dass am nächsten Samstag eine wichtige Vorentscheidung fällt. Einen Sieg in Saarbrücken vorausgesetzt, könnte der FCH bei entsprechenden Ergebnissen der Konkurrenz auf Platz drei klettern.
Am Sonntag im Training hat Schmidt seinen Spielern ("sie hatte alle noch am 2:2 gegen Dortmund zu knabbern") klar gemacht, was sie in dieser Rückrunde bereits geschafft haben: "Wir haben uns doch eine Position erarbeitet, an die während der Winterpause noch nicht zu denken war." Und trotz des verpassten Sieges am vergangenen Wochenende habe man sich die Chance zum Aufstieg immer noch erhalten.



Südwestpresse vom 07.05.13

Pokalfinale mitten im Aufstiegskampf

Mitten drin im Aufstiegskampf befinden sich der Drittligist 1. FC Heidenheim und die Neckarsulmer Sport-Union aus der Landesliga, die sich heute ab 19 Uhr im Finale um den württembergischen Verbandspokal in der Comtech-Arena in Aspach gegenüberstehen.

Für den Landesligisten Neckarsulmer Sport-Union ist das heutige Pokalfinale das Spiel der Vereinsgeschichte. Der krasse Außenseiter kann die Partie völlig unbelastet angehen, denn sportlich läuft es für das Team von Trainer Timo Böttjer wie auf Schienen. Die Neckarsulmer führen die Tabelle der Landesliga mit zehn Punkten Vorsprung vor Verfolger FV Löchgau an und haben die Meisterschaft und den Aufstieg in die Verbandsliga so gut wie sicher. Und wahrscheinlich nimmt der neue Unterländer Fußball-Stolz in der kommenden Saison auch an der ersten Runde des DFB-Pokals teil, verbunden mit einem Antrittsgeld in Höhe von 100 000 Euro. Dem Vernehmen nach will die Sport-Union bei einem attraktiven Pokalgegner in die Arena nach Sinsheim umziehen. Die DFB-Pokalteilnahme hängt im Falle einer Finalniederlage der Neckarsulmer am Endspielgegner 1. FC Heidenheim. Sollte der FCH in der Dritten Liga mindestens Vierter werden und den Pokal gewinnen, nimmt auch der unterlegene Finalpartner am deutschen Pokalwettbewerb teil. Sollte der vom DFB-Sportgericht verhängte Pokalausschluss von Dynamo Dresden Bestand haben, würde auch der Drittliga-Fünfte in den DFB-Pokal einziehen.

Derzeit belegt der 1. FC Heidenheim Rang fünf, und das trotz einer tollen Rückrunde. Ein herber Rückschlag im Kampf um wenigstens Platz drei und die damit verbundene Relegation zur Zweiten Liga war das 2:2 am vergangenen Samstag daheim gegen Borussia Dortmund II. Abwehrmann Kevin Kraus rettete den Heidenheimern mit einem späten Ausgleich wenigstens noch einen Punkt. Kraus hatte auch das 1:1 erzielt. Beide Mal leistete der Heidenheimer Kapitän Marc Schnatterer die Vorarbeit und erhöhte seine Statistik auf 17 Vorlagen. Zusammen mit den 16 erzielten Treffern ist der 27-jährige Bönnigheimer der Topscorer und bester Offensivmann der Dritten Liga. Im vergangenen Jahr nahm Schnatterer den WFV-Pokal nach einem 2:0-Sieg in Aalen gegen die SG Sonnenhof Großaspach in Empfang. Im Jahr zuvor besiegten die Heidenheimer den 1. FC Normannia Gmünd ebenfalls mit 2:0. Damit steht der haushohe Favorit von der Ostalb heute Abend vor dem Pokal-Triple.

Ob Trainer Frank Schmidt angesichts der nach wie vor intakten Aufstiegschancen und der ausstehenden Drittliga-Partien beim 1. FC Saarbrücken und gegen Kickers Offenbach in Bestbesetzung in der Comtech-Arena aufläuft, bleibt abzuwarten. Im Halbfinale vor ein paar Tagen bei der SG Sonnenhof Großaspach (1:0 nach Verlängerung) hatte Schmidt den Großteil seines Stammpersonals im Einsatz.
Auf eine Sensation setzt die Neckarsulmer Sport-Union, die ihr erstes Ziel, den Aufstieg in die Verbandsliga, so gut wie geschafft hat. "Wir wollen nicht nach zehn, 15 Minuten 0:2 in Rückstand liegen und werden uns auf die Spezialitäten der Heidenheimer wie die Standards von Marc Schnatterer einstellen", so der Neckarsulmer Manager Marco Merz, der zusammen mit dem Ex-Hoffenheimer Böttger, der in der Vorrunde noch als Spielertrainer fungiert hat und sich jetzt mehr auf seinen Trainerjob konzentriert, eine spielstarke und torgefährliche Mannschaft aufgebaut hat. Nach dem Aufstieg soll der Kader verbandsligatauglich gemacht werden. Dabei kommt der Sport-Union die wirtschaftliche Unterstützung durch das Audi-Werk in Neckarsulm zugute.

Mit Marcel Sussex verfügt der Landesliga-Tabellenführer über einen starken Torhüter, der sowohl in der Luft als auch auf der Linie Qualitäten hat. Vor ihm räumt der baumlange Christian Schaaf vieles ab. Im Mittelfeld bestimmen Kapitän Dimitrij Gerlach und der unermüdlich laufende und technisch versierte Ex-Ingersheimer Jörn Pribyl die Aktionen. Für gefährliche Offensivaktionen und vor allem Tore sind Engine Olgun und Silan Andi verantwortlich, die beide sehr schussstark und abschlusssicher sind. Im Halbfinale besiegten die Neckarsulmer den Regionalligisten SSV Ulm im Elfmeterschießen.



Backnanger Kreiszeitung vom 07.05.13

DIE ROLLEN FÜRS FINALE SIND KLAR VERTEILT

Drittligist Heidenheim trifft in Aspach auf Landesligist Neckarsulm

Die Rollen sind klar verteilt. Hier der große Favorit 1. FC Heidenheim. Dort der krasse Außenseiter Neckarsulmer Sport-Union. Vier Spielklassen trennen die beiden Fußballvereine normalerweise. Heute befinden sich der Dritt- und der Siebtligist auf Augenhöhe. Ab 19 Uhr treffen sie im Aspacher Fautenhau im WFV-Pokal-Finale aufeinander.

Von Uwe Flegel

Neckarsulms Sportdirektor Marco Merz schwärmt: "Wahnsinn, was bei uns gerade los ist." Und das hat wenig damit zu tun, dass die Unterländer als souveräner Landesliga-Spitzenreiter auf allerbestem Weg in die Verbandsliga sind. Neckarsulms Fußball steht Kopf, weil die Union im Halbfinale mit einem 5:4-Sieg im Elfmeterschießen über Regionalligist Ulm eine Sensation schaffte. "Das heute ist für uns ein gefühltes Champions-League-Finale", erzählt Marco Merz und berichtet: "Wir steigen mit Ehre und Stolz in den Bus und fahren nach Aspach." Dort erwartet ihn "nicht irgendeine Bezirkssport-Anlage, sondern eine perfekte Arena. Das ist für uns wie Raumschiff Enterprise. Das sind unbekannte Galaxien."

Dass auf sein Elf eine hammerharte Aufgabe zukommt, weiß der Sportdirektor, der Augenzeuge des Heidenheimer 1:0-Halbfinalerfolgs bei der SG Sonnenhof war. Dem Regionalligisten wäre es ja fast gelungen, den aufstiegsambitionierten Drittligisten auszuschalten. Rechnet sich Merz also Chancen aus? "Wir sind kein Regionalligist", antwortet er lachend. Und was war mit Ulm? "Zwischen einem durchschnittlichen Regionalligisten und einem Topteam der Dritten Liga besteht schon noch ein Unterschied."

Klar ist aber auch, dass der Landesliga-Tabellenführer und sein Trainer Timo Böttjer nicht in den Fautenhau kommen, um bei einem Heidenheimer Triumphmarsch Spalier zu stehen. "Wir gehen's mit Freude an", sagt der ehemalige Kicker des VfR und des FC Heilbronn. Was er nicht sagt: Und hoffen auf einer erneute Sensation. Eine, für die mit dem früheren Jugendspieler der TSG Backnang Engin Olgun sowie Ex-Sonnenhof-Torhüter Marcel Susser auch zwei Spieler sorgen sollen, die in dieser Region bereits ihre Kickstiefel schnürten. Wobei die größten Hoffnungen der Neckarsulmer Fußballfans auf einem anderen liegen, auf Torjäger Sinan Andic, der diese Saison schon 17-mal getroffen hat.

Ein Fakt, den der Drittligist kennt. Denn in Heidenheim wird der heutige Gegner absolut ernst genommen: "Selbstverständlich", sagt das geschäftsführende Präsidiumsmitglied Holger Sanwald auf die Frage, ob die in die Zweite Liga strebende Elf aus dem Brenztal den Kontrahenten beobachten lassen hat. Sanwald und Trainer Frank Schmidt sind weit davon entfernt, den Landesligisten auf die leichte Schulter zu nehmen. "Natürlich sind wir Favorit", weiß Sanwald, fügt aber hinzu: "Im Pokal ist alles möglich." Zumal sich Sanwald noch gut an die Zeiten seines Vereins in der Landesliga erinnern kann und deshalb sagt: "Ich weiß, wie es dort zugeht." Einen Selbstläufer sieht er in dem Endspiel jedenfalls nicht. "Du musst es erst machen", bremst er die, die in Heidenheim bereits den Pokalsieger sehen.

Ebenfalls klar macht Sanwald, dass der Aufstiegskampf seines Vereins auf die Partie heute Abend keinen Einfluss hat. Der FCH tritt in bestmöglicher Aufstellung an. Schließlich hat Heidenheims Trainer Frank Schmidt ein besonderes Ziel: "Wenn wir gewinnen, dann sind wir der erste Verein, der dreimal nacheinander WFV-Pokalsieger geworden ist."