05.05.13 - Vor dem Pokalfinale: Interview mit NSU-Coach Timo Böttjer
 
Das Pokalfinale am morgigen Dienstag ist für Timo Böttjer sein erstes Endspiel als Trainer. Unser Coach ist inzwischen im dritten Jahr in Neckarsulm tätig und hat die NSU in akribischer Arbeit zusammen mit der sportlichen Leitung zu einem Landesliga-Spitzenteam geformt, das drauf und dran ist, in die Verbandsliga aufzusteigen. Doch zunächst steht mit dem WFV-Pokalfinale gegen Heidenheim ein anderes Highlight im Fokus. Wir konnten uns vor der Begegnung mit Timo Böttjer unterhalten.
 
 

Timo, wir wissen ja, wie fokussiert Du auf den Landesliga-Alltag bist. Doch jetzt, nach dem wichtigen Derbysieg in der Landesliga gegen Schluchtern am Wochenende, wie sehr kannst Du Dich auf das Pokalfinale gegen Heidenheim freuen?

T. B.: Ich freue mich ehrlich gesagt vor allem für meine Jungs. Im Endeffekt ist die Finalteilnahme eine Belohnung für die tollen bisher gezeigten Leistungen in dieser Saison Außerdem spielen wir natürlich nicht jeden Tag gegen einen Drittligisten wie den 1. FC Heidenheim, daher ist die Begegnung am Dienstag auf jeden Fall etwas sehr Spezielles für uns. Ich denke, dass es nicht allzu viele Spieler in der Landesliga gibt, die in ihrer Karriere jemals ein WFV-Pokalfinale bestreiten werden. Dafür haben wir ein Jahr hart gearbeitet, den Lohn haben wir mit dem Finaleinzug geerntet.


Du hast als Spieler im DFB-Pokal gegen Leverkusen gespielt, Du standest im Bundesliga-Kader des SC Freiburg. Was bedeutet Dir persönlich dieses WFV-Pokalfinale?

T. B.: Das Finale hat einen ganz anderen Stellenwert für mich. Der DFB-Pokal und die Freiburg-Sache habe ich als Spieler erlebt, die jetzige Situation erlebe ich hingegen als Trainer, der verantwortlich für eine gesamte Mannschaft ist. Ich habe schon vor dem Ulm-Spiel gesagt, dass ich nachts recht gut schlafen könne, doch ganz ehrlich, je näher die Partie rückt, umso positiv angespannter werde auch ich.


In seinem Track zum Finale rappt Brockmaster B. "Timo macht die Taktik". Hast Du unsere Ausrichtung und Aufstellung denn schon im Kopf, oder steht Dir noch eine schlaflose Nacht bevor?

T. B.: Um ehrlich zu sein habe ich mich in der Tat erst nach dem Schluchtern-Spiel intensiv mit dem 1. FC Heidenheim beschäftigt. Ich muss zugeben, dass ich erst am Samstag erfahren habe, dass dort mit Michael Thurk ein bekannter ehemaliger Bundesliga-Akteur spielt. Man muss schon sagen, dass Heidenheim noch einmal ein ganz anderes Kaliber als der SSV Ulm darstellt. Was unsere Taktik angeht, möchte ich hier natürlich keine Internas verraten, aber niemand wird von uns erwarten, dass wir gegen den FCH mit drei Spitzen auflaufen werden. Aydin und ich werden uns schon etwas Passendes für Dienstag einfallen lassen.


Auf was für einen Gegner müssen wir uns am Dienstag denn einstellen? Welche taktische Ausrichtung erwartest Du?

T. B.: Wie gesagt, ich habe gestern zum ersten Mal mein Laptop angemacht, um über den FCH zu recherchieren. Natürlich sind mir Spieler wie die Stürmer Marco Sailer und Michael Thurk ein Begriff. Genauso auch Marc Schnatterer, der die Heidenheimer Offensivpower komplettiert. Ich denke, wir werden auf einen sehr offensiv ausgerichteten Gegner treffen, dessen Spielniveau mit unserem zweifellos nicht vergleichbar ist. Für mich sind Spieler in einem Drittliga-Team absolute Vollprofis, was sie auch beispielsweise von Akteuren in der Regionalliga unterscheidet. Daher steht der 1. FC Heidenheim nochmals eine Stufe über unserem Gegner im Halbfinale, dem SSV Ulm. Sie wissen genau, was sie tun müssen, um erfolgreich zu sein. Uns wird also viel gegnerischer Druck erwarten. Leider hat der FCH am Wochenende nicht gewonnen, was die Situation noch einmal verändert hat - und zwar nicht zu unserem Vorteil. Die Heidenheimer werden nun noch mehr ihren Fokus darauf legen, sich direkt über den WFV-Pokal für den DFB-Pokal in der kommenden Saison zu qualifizieren.

Denkst Du dennoch, dass am Dienstag ein erneutes Wunder möglich sein wird?

T. B.: Generell ist im Fußball immer Alles möglich. Aber man hat schon gegen Ulm gesehen, wie viel an aufopferungsvoller Arbeit und Konzentration von uns abverlangt wurde. Jeder einzelne meiner Spieler hat an seiner absolut obersten Leistungsgrenze agiert, wenn nicht sogar darüber. Und natürlich hatten wir in den entscheidenden Situationen auch das notwendige Quäntchen Glück. Wie bereits erwähnt erwartet uns mit Heidenheim am Dienstag ein noch stärkerer Gegner als der SSV Ulm. Es ist aus meiner Sicht zudem schwer, solch eine Leistung gegen Ulm noch einmal zu erbringen. Und die Frage ist dann auch, ob solch eine geniale Leistung meiner Mannschaft gegen den FCH überhaupt ausreichen würde. Was ich aber versprechen kann, ist dass sich meine Jungs komplett aufopfern werden. Vor allem auch für unsere Zuschauer und Fans. Wir haben nichts zu verlieren und werden das Finale komplett genießen.


Letzte Frage Timo, warum sollte jeder NSU-Fan am Dienstag zum Pokalfinale nach Großaspach kommen?

T. B.: Ich denke jeder, der gegen Ulm bei uns im Pichterichstadion war, wird einen großen Eigenantrieb verspüren, am Dienstag wieder vor Ort dabei zu sein. Diese Atmosphäre war einfach einmalig. Meine Mannschaft und ich würden uns natürlich riesig über jede Art von Unterstützung in Großaspach freuen. Und ehrlich gesagt hätten die Jungs das auch verdient. Ich sehe meine Spieler viermal die Woche in Training und Spiel. Ich bin ein Coach, der unheimlich viel von seinen Akteuren verlangt und habe hautnah miterlebt, wie hart die Jungs in dieser Saison gearbeitet haben. Es wäre eine mehr als tolle Belohnung, wenn sie im Finale vielleicht vor 2- oder 3000 Zuschauer spielen könnten. Außerdem ist uns noch aus dem Ulm-Spiel frisch in Erinnerung, wie sehr uns eine große Zuschauer-Unterstützung zusätzlich pushen kann.