02.03.18 - So sieht es der Gegner: Vor dem Spiel in Göppingen
 
(c) NWZ vom 02.03.18
 

Göppinger Sportverein vor eigenen Fans

Göppingen / Von Andreas Böhringer 02.03.2018

Mit dem 3:0 beim SV Sandhausen II legte der SV Göppingen einen perfekten Start in die zweite Oberliga-Halbserie hin. Nach einer durchwachsenen ersten Hälfte verdienten sich die Gäste den Sieg mit einer Leistungssteigerung in Durchgang zwei, wie Daniel Budak bemerkt. „Nach dem Seitenwechsel haben wir die Räume besser besetzt und kamen deshalb zu Torchancen“, so der Göppinger Co-Trainer, der sich über eine erstklassige Chancenverwertung freuen konnte.

Für Budak war diese Begegnung auch ein Beleg, „dass wir uns in puncto Spielanlage weiterentwickelt haben.“ Der 33-Jährige begründet dies damit, dass viele Akteure seit Jahren bei den Rot-Schwarzen sind „und unser Konzept immer besser verinnerlichen und umsetzen.“ Positiv auf die Leistung wirke sich auch der verschärfte Konkurrenzkampf aus, der sich mit der  Rückkehr der langzeitverletzten Domenico Botta, Michael Renner, Gent Cerimi und Franco Petruso eingestellt hat. „Das merkt man auf jeden Fall“, ist sich Budak sicher. „Keiner kann sich zurücklehnen. Die Jungs geben in jedem Training Gas und das macht sich dann am Wochenende in den Punktspielen bemerkbar“, erklärt der frühere SV-Kapitän. Budak und Cheftrainer Gianni Coveli nehmen diese Qual der Wahl gerne auf sich: „Wir können uns glücklich schätzen, in dieser Situation zu sein.“

Auch am morgigen Samstag, wenn der Tabellenvierte Neckarsulmer Sportunion zu Gast ist, wird das Trainerduo mit dem Luxusproblem konfrontiert sein, aus 20 einsatzbereiten Akteuren die elf richtigen auszuwählen. Um wegen der eisigen Temperaturen kein Krankheitsrisiko einzugehen, ging es am Montag ins Fitnessstudio und am Mittwoch in die vereinseigene Soccerhalle. Erst das Abschlusstraining am Donnerstag fand regulär auf dem Kunstrasen statt.

Neckarsulm zeigte am vergangenen Wochenende eine gute Leistung, unterlag allerdings dem Tabellenführer TSG Balingen unglücklich mit 1:2. „Sie haben eine super Qualität, deshalb sind sie in der Tabelle auch vorne dabei“, spricht aus Budaks Worten großer Respekt, aber keine Angst vor der Mannschaft des langjährigen Übungsleiters Thorsten Damm: „Von der individuellen Klasse sind sie uns nochmals einen Tick voraus, aber dennoch sind wir nicht chancenlos und werden unsere Möglichkeiten haben. Vor eigenem Publikum müssen wir uns ohnehin vor niemandem verstecken.“ Im Hinspiel zeigte die Elf um Kapitän Oliver Stierle eine sehr gute Vorstellung, scheiterte aber am eigenen Unvermögen im Torabschluss und musste letztlich eine 0:2-Niederlage hinnehmen.

Mit 27 Punkten steht der Sportverein auf Rang zehn und hat bereits einige Zähler Abstand auf die gefährdeten Regionen. An der Spitze des Klassements liegt die TSG Balingen (42), die für Budak der eindeutige Favorit auf den Titel ist. „Rein vom Gefühl her würde ich sagen, dass es die TSG macht. Sie sind konstant und gewinnen, auch wenn sie mal nicht so gut spielen“, so die Einschätzung des Göppinger Urgesteins, für den das Rennen dahinter völlig offen ist. Es gebe einige Kandidaten für den Relegationsplatz, den momentan der FC Villingen einnimmt: „Sie spielen als Aufsteiger eine überragende Saison, aber ob sie das durchziehen können, ist eben die Frage.“ Budak sieht auch den letztjährigen Vizemeister FSV Bissingen, der über einen exzellenten Kader verfügt, in der Verlosung. Daneben ist bei einem guten Verlauf unter anderem auch für Neckarsulm noch alles drin – doch das können die Mannen von Daniel Budak ja selbst verhindern.

 
 

Die nächste sportliche Aufgabe allerdings wird kaum leichter als vergangene Woche gegen Balingen. Denn er steht wieder an, der "württembergische Classico“. Gegen kein anderes Team hat die Sport-Union seit 2013 öfter um Punkte gespielt als gegen unseren kommenden Gegner 1. Göppinger SV – nämlich exakt neunmal. Die Bilanz der beiden Kontrahenten gegeneinander ist dabei, gelinde ausgedrückt, schon etwas kurios. Gelang uns nämlich in den ersten fünf Vergleichen kein einziger Sieg gegen den GSV, konnten wir die vier danach folgenden Kräftemessen allesamt gewinnen. Die Göppinger mutierten quasi vom Angst- zum Lieblingsgegner der Pichterich-Elf.

Doch schon beim letzten Spiel der beiden württembergischen Kontrahenten in der Hinrunde war der GSV ganz dicht dran, die Negativ-Serie zu durchbrechen und musste nur mit viel Pech eine 0:2-Niederlage erdulden. Und schon dort zeigte sich, dass der GSV im Gegensatz zur Vorsaison nochmals erheblich an Qualität gewonnen hat. Mit Shaibou Oubeyapwa konnte man ein echtes Sturm-Juwel von den Stuttgarter Kickers loseisen, zudem gelang die Verpflichtung von Francis Ubabuike, einem pfeilschnellen offensiven Außenbahnspieler, der zuletzt für den SSV Reutlingen kickte.

So besteht der Göppinger Kader aus einer gesunden Mischung frischer, hoffungsvoller Talente sowie altgedienter Führungsspieler.  Zu letzteren zählen beispielsweise Keeper Kevin Rombach, Abwehrchef und Kapitän Oliver Stierle, die Mittelfeld-Strategen Nebih Kadrija, Chris Loser und Kevin Dicklhuber sowie Torjäger Domenico Botta.

Auch NSU-Coach Thorsten Damm spricht mit hoher Wertschätzung vom kommenden Gegner: „Wir haben großen Respekt vor dem GSV, das ist eine sehr harmonisch zusammengestellte Mannschaft, die einzelnen Charaktere passen sehr gut zusammen.“ Daher verwundert es auch nicht, dass die Göppinger mit starken 27 Punkten recht weit weg von den Abstiegsplatzplätzen auf dem zehnten Platz rangieren. Nach einer insgesamt recht starken Vorbereitung streben die Göppinger nun in Richtung vorderes Mittelfeld – ein Vorhaben, das der beeindruckende 3:0-Auswärtssieg letzte Woche in Sandhausen durchaus untermauert.

Und in der Tat ist der GSV vom Potential her ein realistischer Kandidat auf einen vorderen einstelligen Platz in der Abschlusstabelle. Das sieht auch Thorsten Damm so: „Göppingen verfügt über die Mischung, die man von ihnen kennt: Eine gute Spielanlage, manchmal eklig, aber auch mit viel Qualität nach vorne.“

Daher ist am Samstag (Anpfiff: 14 Uhr), wie eigentlich immer gegen den GSV, ein umkämpftes Spiel zweier Teams auf Augenhöhe zu erwarten. „Für uns ist die Begegnung die erste Möglichkeit zu zeigen, dass wir uns gegenüber dem Balingen-Spiel weiterentwickeln möchten“, so Thorsten Damm abschließend.