26.08.17 - So sieht es der Gegner: Vor dem Spiel gg. Göppingen
 
(c) Südwestpresse vom 26.08.17
 

Keine Pause für den Sportverein

Zum Abschluss der englischen Woche in der Oberliga gastiert der Göppinger Sportverein heute um 15.30 Uhr bei der Neckarsulmer Sport-Union. Beide Teams haben nach jeweils zwei Siegen zum Saisonauftakt am Mittwoch-Spieltag zum ersten Mal Punkte abgeben müssen. Während der Sportverein bei seinem 2:2 gegen den SV Sandhausen II wenigstens einen Zähler behielt, mussten die Neckarsulmer mit dem 0:2 in Balingen eine Niederlage einstecken.

Und das völlig verdient, wie NSU-Trainer Thorsten Damm danach bestätigte, der auf der vereinseigenen Internetseite seiner Enttäuschung –  überraschend deutlich zu diesem frühen Saisonzeitpunkt – wie folgt Ausdruck verlieh: „Der Stachel sitzt tief, unser Spiel hat viele Fragezeichen bei mir hinterlassen.“

Der Sportverein sollte also vor Neckarsulmer Wiedergutmachungs-Bestrebungen gewarnt sein, welche die Aufgabe noch schwieriger machen als ohnehin schon. Die Kontrahenten kennen sich aus gemeinsamen Verbandsliga-Duellen bestens, vor einem Jahr stieg man gemeinsam in die Oberliga auf. Dort wurde die NSU auf Anhieb Dritter. Offiziell wird als Saisonziel auf dem Pichterich ein einstelliger Tabellenplatz ausgegeben.

Sportvereins-Trainer Gianni Coveli schätzt den Gegner stärker ein: „Sie haben sich sehr gut verstärkt, die Mannschaft hat wahnsinnig viel Potenzial.“ Nachdem in der letzten Saison beide Partien verloren worden waren, würde Coveli daran gerne etwas ändern. „Wir haben bisher vier Punkte in der englischen Woche geholt und schauen, dass wir auch aus Neckarsulm vielleicht etwas mitnehmen.“

Nach dem vor allem in der ersten Halbzeit intensiven Spiel gegen Sandhausen stand für die SV-Spieler am Donnerstag ein angepasstes Regenerations-Training auf dem Programm. Mit der Rückkehr von Nebih Kadrija, der gegen Sandhausen wieder im Kader stand, lichtet sich das Göppinger Lazarett nach und nach. Max Ziesche sammelte nach seiner erneuten Einwechslung weitere Spielpraxis. Auch bei Neuzugang Marlon Schnabl scheint ein erster Einsatz näher zu rücken.

Sorgen bereitet dem Coach weiter die Rippenprellung von Kapitän Oliver Stierle. „Das ist für ihn sehr schmerzhaft beim Atmen, aber er hat auf die Zähne gebissen“, erklärte Coveli nach dem über weite Strecken rassigen 2:2 am Mittwoch. „Wir hatten am Anfang keinen Zugriff und haben zu viel beobachtet, der Gegner war laufstärker“, monierte der 47-Jährige, sah aber  nach dem 0:1 durch einen wunderschönen Fallrückzieher von Maximilian Jansen auch einen energischeren Auftritt seiner Mannschaft: „In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel kontrolliert und Ball und Gegner laufen lassen.“

Dem tollen Jansen-Treffer zollte selbst Kevin Dicklhuber nach der Partie Anerkennung, obwohl auch beim Göppinger Torschützen zum 2:1 die Enttäuschung über den späten Ausgleich überwog. „Da kann man sich als Fußballer schon auch mitfreuen, so ein Tor sieht man nur ein Mal pro Saison.“

 
Bild (c) Württembergischer Fußballverband
 

Da konnte Robin Neupert selbst die Szene kurz vor der Pause, als er mit seinem zu kurzen Rückpass auf Leander Wallmann unfreiwillig einen Tor-Assist sammelte, mit einem Schmunzeln kommentieren: „Da ist ganz klar unser Platzwart Osman dran schuld. Wenn der Rasen nicht so stumpf gewesen wäre, dann hätte alles gepasst.“ Klar, das war nicht ernst gemeint. „Das war mein Ding, keine Frage“, gab der 24-Jährige unumwunden zu. Noch auf dem Weg in die Halbzeitkabine haderte Robin Neupert lautstark mit sich selbst. Doch seiner starken Vorstellung im Abwehrzentrum, mit kaum einem verlorenen Zweikampf schmälerte dies nicht im Geringsten. Und wenn man in Testspielen keine Fehler machen darf, wann dann?

Am Samstag kommt es nun also zur ersten echten Standortbestimmung mit Pflichtspiel-Charakter für unser Team. Um 15 Uhr erwartet die Sport-Union den Oberliga-Konkurrenten FSV Hollenbach zur ersten Runde im WFV-Pokal auf dem Pichterich. Und es herrscht vorsichtiger Optimismus im Neckarsulmer Lager vor diesem spannenden Pokalderby. Natürlich, Ergebnisse von Vorbereitungsspiele sind schon einen Tag danach Makulatur, oder wie es Sportdirektor Marco Merz ausdrückte „Das 1:1 gegen die Kickers bringt uns für die Oberliga-Runde nicht einen einzigen Punkt mehr.“ Dennoch gab es gegen die Kickers wichtige Fingerzeige für die anstehende, kräftezehrende Oberliga-Saison. Zum Einen stand die Sport-Union defensiv sehr kompakt, ließ in den 90 Minuten gegen die „Blauen“ gerade einmal 3-4 gegnerische Chancen zu. Zum anderen gefiel das schnelle Umschaltspiel sowie das gradlinige abschlussorientierte Spiel nach vorne. Selbst die Standards, in den bisherigen Testspielen so etwas wie das Neckarsulmer Sorgenkind, scheinen wieder auf dem Weg zur alten Gefährlichkeit. Das sorgte auch bei Trainer Thorsten Damm für Erleichterung, wenngleich dieser relativierte: „Standards waren bislang aber auch noch kein Inhalt der Trainingsarbeit“.

Ein großes Thema ist für den Neckarsulmer Coach hingegen das Spieltempo. „Wir konnten die Dynamik der Kickers mitgehen“, konstatierte Thorsten Damm. Doch ein anderer Aspekt ist ihm viel wichtiger: „Wir werden in der Oberliga sicherlich in die Situation kommen, dass wir nicht das Tempo des Gegners annehmen, sondern das Tempo selbst bestimmen müssen. Es wird interessant zu sehen sein, wie wir diesen Aspekt in der Punktrunde umsetzen werden.“ Denn der Sport-Union-Übungsleiter ist sich sicher: „Die Oberliga kannst Du in Testspielen nicht simulieren. In der Punktrunde werden die Spiele noch härter, noch schneller und noch umkämpfter.“

Die anstehende Begegnung gegen Hollenbach sieht Thorsten Damm als guten Test an. „Aber nicht als Test im Sinne etwas ausprobieren zu wollen, sondern als Standortbestimmung.“ Will heißen: Die Hollenbacher sind als letztjähriger Oberliga-Sechste gleich ein echter Gradmesser, was die Spielklasse in punkto körperliche Robustheit und Aggressivität zu bieten hat. Mit gestandenen Recken wie Martin Schmidt, Martin Kleinschrodt oder Tizian Ammon gehen die Gäste sicher als leichter Favorit in die Begegnung.

Dennoch herrscht eine große Vorfreude auf die anstehenden 90, oder vielleicht sogar 120 Minuten gegen Hollenbach. Auch beim neuen Abwehrchef Robin Neupert. Wobei… Chef? Während Robin Neupert sich noch angeregt über das Kickers-Spiel unterhält unterbrach ihn sein kleiner Bruder und Mitspieler Steven jäh: „Komm jetzt in die Kabine.“ Mit einem Schmunzeln im Gesicht folgt der große Neupert sofort dieser Aufforderung. „Wenn der Chef ruft, dann hast Du eben keine Chance.“