17.02.18 - So sieht es der Gegner: Vor dem Spiel in Freiberg
 
(c) Marbacher Zeitung vom 17.02.18
 

Freiberg hat ein Spitzenspiel vor der Brust

Freiberg - Drei Punkte, zu Null gespielt und vorübergehend steht Rang fünf in der Oberliga: Der SGV Freiberg kann mit dem knappen 1:0 über Ligakonkurrent SV Sandhausen U23 am vergangenen Wochenende durchaus zufrieden sein. „Erstmal war der Sieg äußerst wichtig“, weiß auch SGV-Trainer Ramon Gehrmann. „Um auch mit einem guten Gefühl in die Runde reinzukommen. Das hatten wir im Sommer nicht.“ Da endete der Start in die Saison mit einem 2:3 im eigenen Stadion gegen jene Sandhäuser. Erst nach einer weiteren Niederlage gegen den nun erneuten Gegner Neckarsulmer Sport-Union (1:3) fand der SGV in der Oberliga in die Spur.

Ein halbes Jahr später kann der mittlerweile Fünfte mit neuem Selbstvertrauen in das Duell gegen den Dritten Neckarsulm gehen. „Wir haben ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht“, konstatiert Gehrmann. „Bis auf die ersten Minuten haben wir zudem nichts zugelassen. Doch die eigenen Chancen müssen wir besser nutzen.“ Sowohl die Offensive als auch die Defensive sei also gut gewesen, auch wenn die anstehende Partie gegen die Neckarsulmer eine andere Hausnummer werde: „Sie sind Tabellendritter und einige ehemalige SGV-Spieler kennen uns und unseren Platz.“ Denn mit Ouadie Barini, Sebahattin Öztürk, Philipp Seybold und Pascal Hemmerich könnten gleich vier Akteure für die Union auflaufen, die ehemals das Freiberger Trikot überstreiften – eine zusätzlich interessante Note. „Es wird ein enges und spannendes Spiel“, glaubt Gehrmann. „Aber wir gehen selbstbewusst hin und werden uns auch nicht zu sehr nach dem Gegner richten.“

Denn die offensiven Stärken der Neckarsulmer könnten sowieso nicht ganz herausgenommen werden. Auch die eigene Grundordnung 3-4-3 werde deshalb nicht aufgegeben, die eine oder andere gegnerorientierte Umstellung hingegen offengelassen. Zumal die Unioner auswärts nur zwei der neun Spiele gewinnen konnten.

Dennoch müsse die Leistung stimmen und das Spiel ähnlich gut wie vergangene Woche sein – bis auf die Chancenverwertung. „Das dürfen wir uns nicht erlauben. Auch im Hinspiel standen wir zweimal alleine vor dem Torwart“, erinnert sich Gehrmann. Das Ende ist bekannt. Und dafür muss der Trainer auch Änderungen im Kader in Kauf nehmen.

Mit Pascal Nagel fällt der vergangene Woche gesetzte Torhüter grippebedingt aus, hinter Top-Torjäger Marcel Sökler, der mit 17 Treffern auch ligaweit einsame Spitze ist, steht noch ein Fragezeichen. „Er konnte diese Woche aufgrund von Problemen im Leistenbereich nicht trainieren“, verrät Gehrmann. „Doch ich bin guter Dinge, dass er spielen kann. Das Ganze war eher eine Vorsichtsmaßnahme.“ Erstmals wird auch Patrick Fossi nach auskurierten Adduktorenbeschwerden in die Rückrunde eingreifen können.

„Es hört sich zwar an wie ein Spitzenspiel. Aber eigentlich ist es nur eines des oberen Mittelfelds“, bremst der Coach dann doch etwas. Dennoch wolle der SGV zuhause jedes Spiel gewinnen: „Egal, welcher Gegner kommt.“

 
 

Marco, unser erster Gegner SGV Freiberg wird gleich eine echte Standortbestimmung für unser Pichterich-Team. Wie schätzt Du den aktuellen Tabellenfünften ein?

M. M.: Da zitiere ich gerne einen langjährigen Oberliga-Trainer, welcher mir vor wenigen Tagen von der Freiberger Offensiv-Power vorschwärmte und das Trio Sökler, Kutlu und Pollex als „Best of Oberliga“ bezeichnete. Dieser Einschätzung eines langjährigen Oberliga-Szenekenners werden wir mit unseren anderthalb Oberliga-Jahren deshalb bestimmt nicht widersprechen. Wir nehmen die ausgesprochene „Reisewarnung“ nach Freiberg durchaus ernst.

 

Ein Satz von Dir zum überragenden Freiberger Torjäger Marcel Sökler?

Wenn man Marcel Söklers beeindruckende 18 Saisontore in 18 Spielen zum Maßstab nimmt, dann steuert er auf eine Quote von über 30 Treffern am Saisonende zu. Das gab es meines Wissens in dieser Liga schon länger nicht mehr. Keine Frage, Marcel Sökler ist der "Lewandowski der Oberliga". Der "Kaiser" Franz Beckenbauer würde es bei dieser Wahnsinns-Torquote wahrscheinlich so formulieren: "Ja mei, der Sökler trifft ja sowieso einmal, da kannst nix machen. Da musst halt selbst auch mindestens ein Tor schießen, um etwas aus Freiberg mitzunehmen."

 

Aus Deinen Worten ist zu entnehmen, dass Du das starke Auftreten des Aufsteigers in der Vorrunde so erwartet hattest?

M. M.: Wir wissen von der letzten Saison sehr genau um die Stärke von Teams wie Bahlingen, Ravensburg oder Bissingen. Dass der SGV Freiberg, trotz seines Status als Aufsteigers, mit diesen Spitzenmannschaften auf Augenhöhe spielt, war uns bei der Qualität des Kaders absolut bewusst. Schon in der letzten Saison wäre Freiberg sicherlich im Teich dieser großen Fische mitgeschwommen und man hat den Eindruck, dass man dort, auch mit den starken Neuzugängen, das Ziel „Regionalliga“ so schnell wie möglich angehen möchte. Wir haben vor der Saison bekanntlich im Teamkreis einen Oberliga-Tipp durchgeführt. Dabei hatten zahlreiche unserer Jungs die Freiberger am Ende in den Top 3 erwartet. Das drückt unsere große Anerkennung und Wertschätzung für diese Mannschaft aus.

 

Wir können also feststellen: Das wird ein verdammt dickes Brett, das wir am Samstag bohren müssen?

M. M.: In der Tat. Aber bei aller Wertschätzung für Freiberg sind auch wir stolz auf unsere Mannschaft und den Weg, den sie gegangen ist. Noch vor fünf Jahren haben wir ehrfürchtig nach Freiberg, einem der dienstältesten Oberligisten, geschaut, während unsere Liga-Gegner damals Hessental, Gerlingen oder Unterweissach hießen. Daher können wir absolut stolz sein, zu solch einem Verein Augenhöhe hergestellt zu haben.

 

Danke Marco, für dieses Interview.