20.08.17 - Thorsten Damm und die Autobahn-Vollsperrung -
Unser Coach trifft zum Freiberg-Spiel erst in Minute 55 ein
 

Es ist der Horror für wohl jeden Trainer: Das Spiel der eigenen Mannschaft läuft, sie liegt zurück, und man selbst steht auf einer vollgesperrten Autobahn im Megastau und kann nicht vor Ort sein. Genau dieses Malheur ist am vergangenen Freitag unserem Coach Thorsten Damm passiert. Und neben ihm auch noch unseren beiden Spielern Marcel Busch und Adrian Beck. Wir haben uns mit Thorsten Damm über diesen ganz speziellen Abend unterhalten.

 
 

Thorsten, drei Stunden im Stau auf einer vollgesperrten Autobahn. Kannst Du Dich an eine ähnliche Situation in Deiner bisherigen Spieler- und Trainerkarriere erinnern?

T. D.: Hmmm, ich glaube so etwas Krasses habe ich im Fußball wirklich noch nicht erlebt. Tragisch war ja zudem, dass ausnahmsweise auch Marcel Busch bei mir mitgefahren ist. So fiel auch er, obwohl für die Startelf vorgesehen, gegen Freiberg aus.

 

Zu Beginn war ja alles noch ziemlich relaxed bei Euch…

T. D.: Das stimmt. Wir sind vor 4-5 Wochen schon einmal bei Bad Rappenau im Stau gestanden, damals wegen eines Unfalls und kamen damals 45 Minuten zu spät zum Training. Als wir am Freitag im Stau standen waren wir anfangs guten Mutes, es noch zu schaffen. Im Laufe der Zeit sagten wir uns dann, kommen wir eben 10 Minuten zu spät, sei´s drum. Aus 10 Minuten wurden 20, dann 30. OK, dann soll halt Aydin die Besprechung machen. Irgendwann habe ich Aydin gesagt, er solle den Schiedsrichter fragen, ob er die Begegnung später anpfeifen würde, doch die Regeln besagen, dass das Spiel beginnen muss, sobald eine Mannschaft acht Spieler zur Verfügung hat.


Marc Schneckenberger hätte ja beinahe dasselbe Schicksal wie Euch ereilt…

Zum Glück hat uns „Schnecke“ noch angerufen und wir konnten ihm die Stau-Situation schildern… er wäre sonst dieselbe Strecke gefahren und ebenfalls nicht pünktlich zum Spiel in Neckarsulm gewesen.

-

Irgendwann sickerte dann durch, dass die Autobahn-Sperrung länger dauert…

T. D.: Das war absolut frustrierend. Nach und nach erhielten wir Meldungen, dass wir uns auf mehrere Stunden Wartezeit einstellen müssen, da die Entfernung der Stromkabel wohl länger dauern würde. Das war´s dann, dachten wir uns. Kurios war, dass ja auch Adrian Beck kurz hinter uns stand und auch die Frau von Buschi. Man muss sich das mal vorstellen, seine Kids haben auf der Gegenfahrbahn Fußball gespielt. Auf der Autobahn! Marcel meinte dann irgendwann, ich geh jetzt mal zu meiner Family, wir sehen uns dann beim nächsten Training. Und Buschi war noch keine fünf Sekunden ausgestiegen, als die Autos vor uns, wie von Geisterhand weiterfuhren. Ich bin dann auch losgebrettert, der Stau hatte sich urplötzlich aufgelöst.
-
.

Wie habt Ihr Euch denn die Zeit im Stau vertrieben?

T. D.: Am Anfang blühte der Galgenhumor bei uns, wir haben sogar Schlager gesungen (lacht). Aber die Stimmung sank dann irgendwann von Minute zu Minute. Wir haben irgendwann geschaut ob es einen Live Ticker von unserem Spiel gab, haben aber keinen gefunden. Dann haben wir eben den der 2. Bundesliga verfolgt. Später habe ich zu Buschi gesagt, Junge, erzähl mal was aus Deinem Leben (lacht). Irgendwann war es aber still im Auto, weil die Laune bei uns komplett im Keller war.

-

Dann kam auch noch die Info, dass wir 0:1 zurückliegen.

T. D.: Ja, das war schon hart. Da schießen Dir 1000 taktische Fragen durch den Kopf. Mensch, Du wolltest vor dem Spiel doch noch dies und jenes zur Mannschaft sagen. Befolgt sie das? Ist Freiberg so stark, oder eher wir schlecht. Diese Ohnmacht ist wirklich kein schönes Gefühl.

 

Mit etwas Sarkasmus kann man abschließend sagen, alles richtig gemacht, Trainer. Denn die 35 Minuten, die Du noch live vor Ort gesehen hast, waren die besten des gesamten Spiels Deiner Mannschaft.

T. D.: Das war wirklich wie im Film. Es steht 0:1, Du betrittst die Arena. Batsch, es steht auf einmal 3:1 für uns. Die Jungs zeigen eine tolle Leistung. Dass dieser Tag noch solch eine Wendung, solch ein Happy End nimmt, damit hatte ich wirklich nicht mehr gerechnet. Es ist schon wirklich beeindruckend, da ist fast die komplette sportliche Führung mit Marco Merz, Marcel Busch und mir abwesend und das Team hat es derart gebacken bekommen. Daher großen Respekt an Aydin und die Jungs.