11.04.18 - Vor dem Spiel in Ravensburg: Interview mit Thorsten Damm
 

Vor dem Auswärtsspiel unserer Neckarsulmer Sport-Union beim FV Ravensburg sind die Ausgangslagen der beiden Kontrahenten recht unterschiedlich. Während die Gastgeber vor der gestrigen Niederlage gegen Reutlingen, als Tabellenfünfter sechs Spiele nicht mehr verloren hat, konnte unsere NSU seit fünf Partien nicht mehr gewinnen. Über die Favoritenrolle am kommenden Samstag (Anpfiff: 15:30) im Wiesentalstadion muss also nicht groß diskutiert werden. Im Interview mit unserem Trainer Thorsten Damm haben wir versucht die aktuelle sportliche Situation auf dem Pichterich aufzuarbeiten und einen kleinen Blick nach vorne zu werfen.

 
 

Thorsten, aktuell liegen fünf Spiele ohne Sieg hinter uns. Wie sehr beschäftigt Dich diese momentane sportliche Tendenz?

T. D.: Das beschäftigt mich in der Tat sehr. Vor allem wie wir diese Tendenz trotz unserer aktuellen Personalsituation wieder umkehren können.

 

Du sprichst die aktuelle personelle Problematik bereits an. Dennoch war die Mannschaft beispielsweise im Spiel beim Tabellenletzten Weinheim personell eigentlich stark genug um zu gewinnen. Es reichte aber nur zu einem 1:1…

T. D.: Es ist uns in Neckarsulm ja generell zu einfach, alles mit den verletzungsbedingten Ausfällen zu erklären. Es kommen da sicher mehrere Faktoren zusammen. Angefangen mit der guten Winter-Vorbereitung. Die kann man den Jungs sicher nicht zum Vorwurf machen, insgesamt haben wir aber den Transfer von den souverän gelösten Testspielen hin zum Oberliga-Alltag nicht richtig geschafft. Es ist schwer zu erklären, aber irgendwie haben wir die notwendigen letzten paar Prozente einfach nicht auf die Platte bekommen. Wir zeigen seit Wochen Leistungen die akzeptabel sind, aber dennoch nicht komplett unseren eigenen Ansprüchen genügen. Seit die Verletztenmisere hinzugekommen ist, sind die Leistungen aus meiner Sicht sogar noch akzeptabler, aber für gute Auftritte allein gibt es halt keine Punkte.

 

Fast alle Spiele liefen in letzter nach demselben Strickmuster ab. Die Gegner stehen meist recht tief gegen uns, gehen dann, oft viel zu einfach, in Führung. In der Offensive fehlt uns dann derzeit die notwendige Überzeugung, um den Gegner unter Druck setzen zu können. Haben unsere Oberliga-Konkurrenten die Neckarsulmer DNA geknackt und wissen, wie sie gegen uns spielen müssen?

T. D.: Ja, das scheint derzeit so. Hinzu kommt, dass Gegner wie Nöttingen oder Reutlingen die alte NSU erwarten, also die der Vorrunde. Doch wir haben individuell nicht mehr dieselbe Form und somit nicht das Niveau dieser Zeit – unsere Gegner begegnen uns aber, als sei dies noch so. Die Gegner treten mit Respekt, also defensiver, gegen uns an, was es uns aber insgesamt noch schwerer macht. Wir sind daher oft das aktivere Team - im Gegensatz zu anderen Mannschaften, die hinten Beton anrühren und dann halt chancenlos 0:3 verlieren, sind bei uns die Ergebnisse knapper und die Spiele auch enger. Hier sei nur an das unglückliche 2:3 in letzter Minute in Freiberg erinnert. Und dafür, wie gebeutelt wir moralisch aktuell sind, dürfen die Jungs durchaus auf Anerkennung von mir hoffen, wie teuer sie sich derzeit verkaufen.

 

Es stehen jetzt Spiele gegen Ravensburg und gegen Bissingen an, zwei Teams die zweifellos zum Besten gehören, was die Oberliga zu bieten hat. Geht es da, so hart es auch klingen mag, aus Deiner Sicht aktuell auch um Schadensbegrenzung?

T. D.: In der Tat spielen beide Gegner auf sehr hohem Niveau. Es geht aber nicht um Schadensbegrenzung, sondern vielmehr darum, wie wir in diese Spiele gehen, personell und taktisch. Spielen wir mit offenem Visier wie gegen Bahlingen oder eher mit kompakter Grundordnung? Gerne würde ich unseren „Vielspielern“ im Kader eine Pause gönnen, das ist aber schwer, weil es bei den Akteuren, die zuletzt u.a. aufgrund von Verletzungen, nicht so häufig auf dem Feld standen, konditionell noch nicht für die kompletten 90 Minuten reicht. Das ist schon ein kleiner Teufelskreis, aber uns wird schon etwas einfallen gegen diese beiden Oberliga-Schwergewichte.

 

Gerade Ravensburg wird auf Wiedergutmachung nach der 1:4-Hinspielniederlage sein…

T. D.: Das sollte uns überhaupt nicht interessieren. Wir haben aktuell ganz andere Problemlagen. Ich möchte meine Spieler eher schützen, als Ihnen vor Augen zu führen, was alles Negatives passieren kann.

 

Du hast vor kurzem gesagt, man müsste aktuell mit weniger zufrieden sein. Denkst Du, dass wir in dieser Saison die Anspruchshaltung noch einmal erhöhen können?

T. D.: Die Frage ist zunächst welche Anspruchshaltung – die des Auftretens oder des Ergebnisses? Unseren Anspruch vom Fußball, den wir spielen wollen haben wir nie geändert. Wir sind die NSU – und sind trotz der Ausfälle nie defensiver als gewohnt aufgetreten, obwohl wir in unserer Situation allen Grund gehabt hätten unseren Bus vor dem eigenen Tor zu parken. Das wäre auch erheblich weniger lauf- und kraftintensiv. Die Frage ist halt, kriegen die Spieler das hin? Denn ein Geländewagen will auch im Gelände fahren und nicht mit 80 auf der Autobahn. Um hier eine gewisse Balance zu finden ist auch bei mir in nächster Zeit viel gedankliches Experimentieren angesagt.

Thorsten, wir danken Dir für dieses interessante Gespräch und Deine ehrlichen Worte.