27.09.17 - Tolles Jubiläum! Traurige Stimmungslage? -
Die Sport-Union zwischen Stolz und Erschütterung
 

Die letzte Woche war bei unserer Sport-Union von extremen Stimmungs-schwankungen bestimmt . Einerseits herrscht großer Stolz auf seit letzten Samstag 75 Spiele in Folge ohne jeden Platzverweis bei unserem Oberliga-Team. So war schon die Heimfahrt eine Woche zuvor vom Auswärtsspiel in Reutlingen geprägt von großer Vorfreude auf das bevorstehende Fairplay-Jubiläum. Dann wurden wir kurz darauf jedoch von der traurigen Entwicklung eingeholt, als ein Spieler unserer zweiten Mannschaft diese unverzeihliche Tätlichkeit an einem Schiedsrichter beging. Unter den Eindrücken beider Ereignisse und dem Zwiespalt zwischen Freude und Erschütterung konnten wir mit unserem Sportdirektor Marco Merz über dessen Meinung dazu sprechen

 
 

Zunächst, Marco: 75 Spiele ohne Platzverweis. Diese Zahl ist wirklich kaum zu fassen. Wie stolz bist Du auf diesen Meilenstein des Fairplays unserer Ersten Mannschaft?

M.M.: „Uns ist seit geraumer Zeit bewusst, dass unser Oberliga- Team schon seit einer gefühlten Ewigkeit keinen Platzverweis – also weder „rot“ noch „gelb-rot“- hinnehmen musste. Dass diese „Ewigkeit“ am vergangenen Wochenende mit dem 75. Spiel in Folge ein tolles Jubiläum feierte macht mich sehr stolz. 75 Pflichtspiele am Stück, das sind mehr als zwei Saisons! Ich denke das sagt alles aus über das sportlich vorbildliche Auftreten des Oberliga- Teams“.


Etwas überschattet wurde dieses stolze Jubiläum leider durch den unverzeihlichen Gewaltausbruch eines Spielers unserer Zweiten Mannschaft vor knapp einer Woche…

M.M.: „Ja, das ist leider so. Und um eines ganz klar vorweg zu sagen: Der Vorfall in Bad Wimpfen ist unverzeihlich und menschenverachtend. Und wir wollen mit der Erwähnung des Fairness-Jubiläums unseres Oberliga- Teams auch in keinster Weise von diesem schrecklichen Fehlverhalten ablenken oder uns in irgendeiner Form „reinwaschen“.


Sondern?

M.M.: „Unser Oberliga- Team hat es einfach absolut verdient, dass ihr dauerhaft vorbildliches sportliches Auftreten entsprechend gewürdigt wird. Übrigens: die Veröffentlichung des „75- Spiele- Jubiläums“ fand in der Online-Version unseres Stadionheftes „NSU live“ ja bereits vor dem Gewalt- Exzess von Bad Wimpfen statt. Und dann kommt es ein bis zwei Tage später zu diesem skandalösen Vorfall. Unfassbar! Aber sollen wir uns deshalb den Stolz nehmen lassen und die Anerkennung und Würdigung gegenüber dem vorbildlichen Oberliga- Team unerwähnt lassen?


Es handelt sich also um zwei voneinander zu trennende Ereignisse?

M.M.. „Einerseits ja. Beide Teams gehören natürlich dem gleichen Verein an, sind aber weder sportlich, noch organisatorisch oder im personellen Verantwortungsbereich miteinander verbunden. Die Abteilungsleitung als hierarchische Oberinstanz der zweiten Mannschaft und die sportlich Verantwortlichen- hier sei unser Sportlicher Leiter Oliver Wolf für sein Krisenmanagement lobend erwähnt- haben sich zum unverzeihlichen Fehlverhalten des Zweitmannschafts-Akteures geäußert, was auch absolut erforderlich war. Aber genauso sei es uns Verantwortlichen des Oberliga- Teams gestattet, unser vorbildliches Jubiläum auch öffentlich zu bekunden.“


Und andererseits?

M.M.: „Andererseits sind die beiden Ereignisse halt doch nicht ganz voneinander zu trennen. Denn natürlich soll das Fairness- Jubiläum unserer ersten Mannschaft gerade jetzt auch dokumentieren, dass es in unserem Verein auch ein diametral entgegengesetztes sportliches Auftreten zum Verhalten des Zweitmannschafts-Akteurs gibt. Und es soll allen Fußball-Teams in unserer Sparte verdeutlichen, dass die erste Mannschaft als absolutes Leistungs- und Charakter-Aushängeschild unserer Fussball-Sparte und daher als perfektes und leuchtendes Vorbild dient. Deshalb kann, nein muss sogar der Bezug zwischen beiden Ereignissen hergestellt werden.“


Du bist ja nun bereits im neunten Jahr als Sportlicher Leiter unserer ersten Mannschaft tätig. Auch in der Vergangenheit waren die Teams der ersten Mannschaft bei der Fairness-Wertung stets ganz weit vorne zu finden. Gibt es hierfür eine Art „Erfolgsrezept“?

M.M: "Rezept" hört sich ein Stück weit nach "gezieltem, planmäßigen Handeln" an. Dies trifft aber nur bedingt zu. Vielmehr würde  ich von einem auf persönlicher Überzeugung basierenden "Wertekanon" sprechen, den ich stets im engen Schulterschluss mit meinen Trainern Aydin Cengiz, Thorsten Damm und Timo Böttjer verkörpert habe. Ich möchte diesbezüglich drei wesentliche Bausteine betonen: die Spielerauswahl, das interne Krisenmanagement und das generelle Verhältnis zu Schiedsrichtern und gegnerischen Teams."


Und das bedeutet konkret was?

M.M.. "Die erfolgreichen ersten Mannschaften der vergangenen Jahre waren auch deshalb so erfolgreich und sportlich fair, weil wir bei Spieler- Verpflichtungen stets allerhöchste Ansprüche in Sachen Charakter, Teamfähigkeit und Sozialverhalten hatten und haben. Das "75- Spiele- Jubiläum" ist daher absolut ein Ausdruck der charakterlichen Wesenszüge unserer Spieler.

In puncto "internes Krisenmanagement" kann ich gerne ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit heranziehen.


Wir sind gespannt...

Nun ja, auch wir haben ein- bis zweimal pro Saison ein Spiel mit Ärger und Kontroversen über Schiedsrichterentscheidungen wie neulich beim Top-Spiel in Nöttingen. Und trotz allen Ärgers stand nicht ein einziger Spieler am Rande einer gelb-roten Karte. Aber trotzdem reflektierten wir während der Woche intern unser Gesamt-Auftreten. Wir gelangten zu der selbstkritischen Einsicht, dass wir uns alle - egal ob Spieler, Trainer, Funktionäre, Betreuer oder medizinische Abteilung- während des Spiels ruhiger und zurückhaltender verhalten möchten. Diese Erwartungshaltung wurde intern glasklar und unmissverständlich kommuniziert. Nach dem Motto "wehret den Anfängen"- und das, obwohl ja disziplinarisch in Nöttingen überhaupt keine Sanktionierung des Schiedsrichters in Form eines Platzverweises oder Bankverweises stattfand. Eine frühzeitige inhaltliche Aufarbeitung von Fehlentwicklungen beugt Disziplinlosigkeiten definitiv vor.


Als dritten Baustein nanntest Du das Verhältnis zu den Schiedsrichtern im allgemeinen.

M.M.: In der Tat. Seit Jahren pflegen wir einen respektvollen, offenen und konstruktiven Umgang mit den Schiedsrichtern, besonders nach Spielen ist uns ein fairer und offener Gedankenaustausch wichtig. Zudem haben wir unter anderem 2015, als der WM-Pokal bei uns auf dem Pichterich zu Gast war, auch die Schiedsrichtergruppe Heilbronn zu diesem tollen Event eingeladen. Zu deren Obmann Florian Geiger pflegen wir ein exzellentes Miteinander, und haben zuletzt bereitwillig geholfen, Räume für den aktuellen Schiedsrichter-Neulingskurs zu finden.

Umso bedrückender ist das Verhalten unseres 2.Mannschaftsspieler, umso schöner die positiven Eindrücke rund um das Jubiläum der 1. Mannschaft.