31.03.18 - 1:1 in Weinheim: Mit Leistungssteigerung in Hälfte zwei zum Remis
 

Fußball-Oberligist Neckarsulmer Sport-Union kam beim Tabellenletzten TSG Weinheim nicht über ein 1:1 hinaus. Es war wie so oft beim Pichterich-Team. Einer schwächeren Halbzeit folgte eine stärkere, so dass nach einem 0:1-Rückstand am Ende wenigstens ein Punktgewinn stand. „Eine Halbzeit mit Herzblut, Engagement und druckvollem Spiel – das ist genau eine Halbzeit zu wenig“, monierte daher folgerichtig NSU-Sportdirektor Marco Merz.

Dass die Begegnung kurzfristig vom altehrwürdigen Sepp-Herberger-Stadion ins Waldstadion verlegt werden musste, hatte einen kuriosen Grund. Der Rasenplatz der Stammarena war übersäht von Kreidelinien durch ein American Football-Spiel, das dort kürzlich ausgetragen wurde. Der kleine Platz im Ausweichstadion war derart uneben, dass er den Ball teilweise hüpfen ließ wie eine Kugel beim Flippern – Kombinationsspiel unmöglich. Doch mit den Untergrund-Widrigkeiten hatten beide Teams zu kämpfen, wenngleich dies der Neckarsulmer Spielweise natürlich abträglicher war, als der des Gastgebers, der quasi ausschließlich mit langen Bällen zum Erfolg kommen wollte.

Die Sport-Union trat erheblich ersatzgeschwächt in Weinheim an, neben Marco Romano und Steven Neupert fielen auch noch Philipp Seybold und Marvin Leonhardt verletzt aus, zudem war Alexander Albert privat verhindert. Die Sorgenfalten von Trainer Thorsten Damm haben sich auch nach dem Weinheim-Spiel nicht verkleinert, denn mit Enzo Romano, Sebastian Kappes und Claudio Bellanave mussten am Samstag gleich drei Akteure verletzungsbedingt ausgewechselt werden. „So eine Verletztenmisere habe ich seit ich in Neckarsulm bin noch nicht erlebt“, sagte der Neckarsulmer Chefcoach frustriert.

Die erste Halbzeit war nichts für Fußball-Ästheten und plätscherte, ähnlich wie der kleine Bach hinter einem der Tore, so vor sich hin. Den Gastgebern aus Weinheim merkte man an, dass sie aufgrund einer kuriosen Abstiegskonstellation selbst als Tabellenletzter plötzlich wieder reale Chancen auf den Klassenerhalt haben. „Die Weinheimer sind im Aufwind“, sagte Thorsten Damm, „dennoch, die erste Halbzeit von uns war nix.“ Nicht nur, dass die wenigen Chancen nach Neckarsulmer Standardsituationen vertan wurden, in der 37. Minute mussten die Motorenstädter gar den Treffer zum 0:1-Rückstand hinnehmen. Nico Königsmann düpierte auf der rechten Seite gleich zwei Neckarsulmer, seiner Hereingabe landete am Ende bei Yannick Schneider, der nach vorangegangener Glanztat von Marcel Susser ins leere Tor einschob. Es war erneut ein viel zu leichter Gegentreffer, den die NSU kassierte.

Dementsprechend wurde es zur Halbzeit in der Neckarsulmer Kabine laut. „Ich habe meinen Jungs gesagt, sie sollen zeigen wofür sie stehen“, appellierte Thorsten Damm an die Ehre seiner Spieler. Und in der Tat, in der zweiten Hälfte zeigte die NSU ein anderes Gesicht, kämpfte sich in die Begegnung und war fortan gegen tief stehende Weinheimer die deutlich stärkere Mannschaft.

„Wir haben dann die Stilmittel gewählt, die uns eigentlich nicht so liegen“, lobte Thorsten Damm. „Die Mentalität in der zweiten Halbzeit geben Anlass zur Hoffnung.“ Bereits fünf Minuten nach dem Seitenwechsel hatte der eingewechselte Pascal Hemmerich nach einem Eckball eine gute Kopfballchance, setzte aber zu hoch an. Derselbe Spieler sorgte zehn Minuten später für kollektives Haareraufen unter den Neckarsulmer Fans. Einen abgefälschten Schuss versuch von Adrian Beck erlief sich Hemmerich drei Meter vor dem Weinheimer Gehäuse, schoss die Kugel aber freistehend direkt in die Arme von TSG-Keeper Levent Cetin.

Nachdem Marius Klotz und Robin Neupert bei weiteren Möglichkeiten scheiterten, durfte die Pichterich-Elf in Minute 72 endlich jubeln. Ein weiter Ball von Enzo Romano landete beim durchgestarteten Ouadie Barini, der aus kurzer Distanz zum inzwischen hoch verdienten 1:1 vollendete.

Die taktisch durchaus geschickt auftretenden Gastgeber aus Weinheim fanden in der Offensive im zweiten Durchgang kaum noch statt, schafften es aber weiterhin in der Defensive kompakt zu stehen. Auf dem extrem kleinen Rasen klebten stets 2-3 Weinheimer an den Neckarsulmer Offensivspielern und versuchten diese meist erfolgreich an gefährlichen Aktionen zu hindern. Dennoch hatte die NSU in der fünften Minute der Nachspielzeit bei einer Doppelchance die Möglichkeit tatsächlich alle drei Punkte vom Tabellenletzten mitzunehmen. Aber zunächst scheiterte Steffen Elseg aussichtsreich aus zehn Metern und direkt im Anschluss entschärfte Cetin einen Kopfball von Ouadie Barini nach vorangegangener Flanke von A-Junior Patrick Abele.

So blieb es beim Remis, dass beiden Team nicht so richtig schmeckte. „Wenn man die zweite Halbzeit sieht kann ich gut mit dem Ergebnis leben“, sagte Thorsten Damm dennoch. „Aufgrund des Auftretens im zweiten Durchgang haben wir den Punkt verdient, wenngleich wir in unserer momentanen Situation schon mit relativ wenig zufrieden sein sollten.“

Sportdirektor Marco Merz zeigte sich kämpferisch: „Momentan peitschen uns der Wind und die Wellen ins Gesicht, aber dem müssen wir uns stellen und als Sportler die Stirn bieten. Wir werden der Mannschaft Rückhalt und Vertrauen geben, der entscheidende Impuls jedoch muss von jedem einzelnen Spieler auf dem Platz kommen.“ Gelegenheit dafür gibt es in den nächsten drei Wochen genug, wenn die NSU gegen die drei Spitzenteams Bahlingen, Ravensburg und Bissingen treffen wird.

NSU: Susser, Gotovac, Klotz, R. Neupert, E., Romano (87. Elseg), Kappes (46. Hemmerich), Busch, Schneckenbenberger, Bellanave (84. Abele), Beck, Barini

 
Die Bilder zum Spiel
Die beiden Trainer Arm in Arm: Thorsten Damm und Christian Schmitt
Vor dem Einlaufen
Die NSU lauf mit gleich vier Änderungen gegenüber dem Spiel letzte Woche gegen Reutlingen auf
Hier am Ball Sebastian Kappes, der, lange verletzt, erstmals in der Rückrunde von Beginn an spielte
David Gotovac köpft die Kugel nach vorne
Marc Schneckenberger gegen Abdullah Köse
Die Partie litt unter den zahlreichen Spielunterbrechungen
Marcel Busch gegen David Keller
Adrian Beck und sein Gegenspieler Clement Glässer, der ihm 90 Minuten lang kaum von der Seite wich
Beinschuss von Marcel Busch
Marcel Busch setzt sich im Kopfballduell gegen Nico Königsmann durch
So war es öfter auf dem kleinen Rasenplatz: 5 Spieler auf engstem Raum
Enzo Romano mit einer Chance im gegnerischen Strafraum
Gute Haltungsnoten
Kappo, der Mann mit den Gummiknochen
Lieferten sich packende Zweikämpfe: Adrian Beck und Clement Glässer
Gute Chance für Robin Neupert
Adrian Beck gegen Weinheims Kapitän Kai Engel
Goto im Zweikampf mit Abdullah Köse
Idyllische Lage: Das Weinheimer Waldstadion
Ernste Gesichter kurz vor Beginn der zweiten Hälfte: Marco Merz und Marcel Busch
David Gotovac schiemt die Kugel ab
David Gotovac
Kurze Absprache vor einem Eckball
Weinheims Keeper Levent Cetin packt zu
Schussversuch von Adrian Beck
Thorsten Damm und Marco Merz
Pascal Hemmerich gegen Nico Königsmann
Marc Schneckenberger gegen Georgios Roumeliotis
Adrian Beck mit schöner Finte gegen Kai Engel
David Gotovac hat hier gleich eine gute Einschussmöglichkeit
Der, der den Ball streichelt: Adrian Beck
 
In dieser Szene erzielte Ouadie Barini den 1:1-Ausgleich
Verhaltener Jubel bei unseren Jungs
Marc Schneckenberger
Ouadie Barini
Hemme gegen Clement Glässer
Auch das hohe Bein von Kai Engel kann Claudio Bellanave hier nicht stoppen
Im wahrsten Sinne des Wortes "kreide gefressen". Claudio Bellanave musste nach dieser Szene verletzungsbedingt den Platz verlassen.
Foul an Drian Beck