18.11.17 - Niederlage in letzter Sekunde - NSU in Villingen stark, aber ohne Glück
 

Der Fußballgott trägt derzeit kein Neckarsulmer Trikot. Wurde schon in der Vorwoche eine starke Leistung der NSU in Sandhausen nicht mit Punkten belohnt, so wurde dies am Samstag im Spitzenspiel beim FC Villingen sogar noch getoppt. Trotz einer hervorragenden Leistung musste das Pichterich-Team in der allerletzten Sekunde beim Tabellenzweiten aus dem Schwarzwald eine bittere 1:2-Niederlage hinnehmen. "Das war ein intensives Spitzenspiel. Ich denke wir hätten hier mindestens einen Punkt verdient gehabt", sagte Thorsten Damm in der anschließenden Pressekonferenz und erntete dafür spontanen Applaus von den einheimischen Zuschauern.

Die Sport-Union agierte zunächst auffallend defensiv, überließ den Gastgebern die Initiative und setzte bei gegnerischen Ballverlusten auf schnelle Konter. Und damit hatten die Villinger scheinbar nicht gerechnet, fanden sie doch zunächst keinerlei Mittel gegen diesen Neckarsulmer Taktikkniff. Die 18. Minute zeigte ein Paradebeispiel für den Matchplan von NSU-Trainer Thorsten Damm: Philipp Seybold erkämpfte sich die Kugel im Mittelfeld, legte dann gegen aufgerückte Gastgeber  glänzend zum durchgestarteten Ouadie Barini der jedoch im Eins-gegen-Eins an Villingens Keeper Christian Mendes scheiterte.

Obwohl die NSU die Villinger bis dato überhaupt nicht zur Entfaltung hat kommen lassen, fiel nur fünf Minuten später durch einen Geniestreich von Stürmer Cristian Giles-Sanches die 1:0-Führung für Villingen. Der spanische Stürmer setzte sich zunächst gegen zwei Neckarsulmer durch und platzierte die Kugel anschließend aus 18 Metern unhaltbar ins linke Eck. Ein Klassetor, wie man neidlos zugeben muss, wenngleich es der erste Villinger Torschuss der Partie überhaupt war.

In der 31. Minute beinahe der zeitnahe Neckarsulmer Ausgleich, doch ein Freistoß von Adrian Beck landete um Zentimeter zu hoch auf dem Villinger Tordach. Die Begegnung wurde nun von Minute zu Minute giftiger. Immer wieder kochten auf und neben dem Spielfeld die Emotionen hoch. Es war ein würdiges Spitzenspiel mit elektrisierender Stimmung und 950 begeistert mitgehenden Zuschauern. Wenngleich nicht verschwiegen werden sollte, dass es es auch zu unschönen Szenen kam, vor allem heraufbeschworen durch den hoch aggressiven Co-Trainer der Villinger, Arash Yahyaijan.

In der zweiten Halbzeit gab die Sport-Union dann deutlich den Ton an und dominierte die Begegnung gegen nun in die Defensive gedrängte Gastgeber. Die Damm-Elf zeigte eine Klasseleistung gegen den Tabellenzweiten und war nun klarer Chef im Ring. Die Gastgeber kamen nur noch einmal gefährlich vor das Neckarsulmer Gehäuse, ein Flatterball von Teyfik Ceylan in der 57. Minute klärte NSU-Keeper Marcel Susser im Nachfassen. Mehr war von den Schwarz-Weißen in der Offensive zunächst nicht zu sehen. Anders die Sport-Union, die immer wieder über die Flügel gefährliche Situationen im gegnerischen Strafraum heraufbeschwörte.

In der 70. Minute legte Ouadie Barini an den Sechzehnmeterraum zu Philipp Seybold, der in aussichtsreicher Position stehend verzog. Zwei Zeigerumdrehungen später durfte das Pichterich-Team aber endlich jubeln. Nach einem Freistoß von Adrian Beck wuchtete Abwehrrecke Sebastian Kappes die Kugel sehenswert per Kopf zum 1:1 ins Netz. Der Ausgleich war längst hoch verdient.

Und die NSU blieb am Drücker. Nur weitere zwei Minuten nach dem Ausgleich bot sich die Riesenchance zur Führung. Nach tollem Einsatz von Ouadie Barini legte dieser die Kugel von der Grundlinie in die Mitte zu Adrian Beck, der das Spielgerät jedoch an die Unterkante der Latte drosch. Diesem kleinen Tiefschlag folgte in der Nachspielzeit der ultimative. Obwohl zunächst Marius Klotz zu Boden gerissen wurde, entschied der Unparteiische auf Freistoß für Villingen. Und nun wurde es turbulent. Zunächst wehrte Marcel Susser einen Kopfball noch glänzend ab, den Nachschuss von Benedikt Haib klärte dann David Gotovac, nach Meinung des Linienrichters jedoch hinter der Linie. Eine genaue Klärung, ob die Kugel tatsächlich hinter der Linie war, konnten selbst die Videoaufnahmen nicht herbeiführen. "Aus meiner Sicht eine fragwürdige Foulentscheidung", war auch Thorsten Damm frustriert über die Entstehung des Villinger Siegtreffers. Doch es war halt wie es war, die Schwarz-Weißen jubelten über den Last-Minute-Treffer, das Schicksal hatte den Neckarsulmern erneut heftig mitgespielt.

"Wir haben mit dem ersten Villinger Torschuss das erste Gegentor bekommen, und mit dem dritten in Wembleytor-Manier in der Nachspielzeit das zweite. Das ist natürlich extrem bitter für uns", analysierte Thorsten Damm. „Am liebsten möchte ich alle von Euch umarmen“, waren dann auch die ersten Worte von Neckarsulmer Trainers an seine Mannschaft. Das Spiel beherrscht, nur drei Torschüsse des Tabellenzweiten in den 90 Minuten zugelassen, gute Tormöglichkeiten kreiert - und dennoch am Ende punktelos geblieben. Auch wenn es schwer fiel, aber das Endergebnis nahmen die Verantwortlichen sportlich. Die Begleiterscheinungen allerdings rund um das Spiel haben einen faden Beigeschmack hinterlassen.

NSU: Susser, Gotovac, Kappes, Busch, Klotz, Seybold, S. Neupert, Schneckenberger, Bellanave (80. Albert), Barini, Beck

 
Die Bilder zum Spiel
 
Auf dem Weg zum Spielfeld
Kurz vor Anpfiff
Gute Stimmung im Neckarsulmer Lager
 
Unsere Ersatzbank
Vor dem Einlaufen
Auch einige Neckarsulmer hatten sich in Richtung Schwarzwald aufgemacht
Unsere Starting Eleven in Villingen
Rassige Zweikämpfe wie hier mit Philipp Seybold gab es zahlreich zu sehen
Adrian Beck gegen Dragan Ovuka
Foul von Damian Kaminski an Philipp Seybold
Adrian setzt sich gegen gleich drei Villinger durch
Ouadie Barini gegen Gianluca Serpa
Großchance für Ouadie Barini zum 0:1, doch Christian Mendes kann abwehren
Hoch konzentriert: Thorsten Damm
Ouadie Barini gegen Pablo Gil
Marius Klotz und Steven Neupert im gemeinsamen Kopfballduell
Tolle Zweikämpfe boten sich Sebastian Kappes und Cristian Giles-Sanches
Freistoß für die NSU...
... doch die Kugel geht haarscharf über das Tor
"Kappo" setzt sich gegen Cristian Giles-Sanches durch
Marc Schneckenberger gegen Daniel Wehrle
Im ersten Durchgang gab es immer wieder Diskussionen auf dem Platz
"Hadji" ist hier vor Pablo Gil an der Kugel
"Kappo" mit Klasse-Einsatz
Marius Klotz bremst hier Daniel Kaminski
Tolle Kulisse im Villinger Friedengrundstadion
... so kann man sich natürlich auch gegen die Kälte schützen
Foul an Philipp Seybold...
... das mit der gelben Karte bestraft wird
Der schönste NSU-Moment in Villingen: Der Kopfball von Sebastin Kappes schlägt zum 1:1 im Netz ein
Riesenjubel über den verdienten Ausgleich
David Gotovac gegen Teyfik Ceylan
Adrian Beck muss sich gegen gleich zwei Villinger erwehren
Bildzeugnis eines hoch intensiven Spiels
Alexander Alber setzt sich gegen Daniel Wehrle durch