11.11.17 - Neckarsulm bietet verstärktem Sandhausen Paroli - und verliert mit 0:3
 

Direkt nach dem Abpfiff musste auch NSU-Trainer Thorsten Damm erst einmal durchatmen. „Schade, dass wir nach ordentlicher Leistung am Ende mit einem 0:3 nach Hause fahren“, mehr wollte dem Neckarsulmer Cheftrainer direkt nach dem Abpfiff zunächst nicht über die Lippen kommen. Trotz zuvor starken 90 Minuten seiner Mannschaft gegen die U23 des SV Sandhausen stand eine deutliche Niederlage, deren Zustandekommen zumindest als unglücklich, eher noch als unverdient zu beschreiben ist. Wenngleich das die ebenfalls gute Leistung der Sandhäuser keinesfalls schmälern soll.

Das Momentum, er war einfach nicht auf Seiten der Neckarsulmer. Das hatte schon nach der 0:5-Niederlage der Sandhäuser letzte Woche gegen den FC Villingen begonnen. „Haben die SVS-Profis keinen Bock“, stellte die Rhein-Neckar-Zeitung die Charakterfrage, denn immerhin standen sieben Profis in der Sandhäuser Startelf gegen Villingen. Dies zog Kreise bis in die höchsten Ebenen des Clubs. „Die Leistungen waren indiskutabel. Ich hatte erwartet, dass meine Spieler Gas geben, um sich für die 2. Liga zu empfehlen“, meldete sich auch Kenan Kocak, Zweitliga-Cheftrainer der Badener zu Wort. Und gab den Gescholtenen gegen unsere Sport-Union eine „zweite Chance“. Und wie sehr dies zur Chefsache wurde, zeigte die Anwesenheit Kocaks beim Spiel am Samstag – und das bei fiesem Dauerregen.

Natürlich hatte man in Neckarsulm dieses Szenario mit Sorge aus der Ferne beobachtet, erwartete man deswegen doch eine bis unter die Haarspitzen motivierte Mannschaft des SVS, in der erwartungsgemäß fünf Akteure aus dem Profikader standen.

Es spricht jedoch für die Sport-Union, dass sie von Beginn an nicht nur auf Augenhöhe mit dem Hardtwald-Team agierte, sondern die bessere von zwei starken Teams war. Bereits nach drei Minuten glänzte Seba Öztürk mit einem sehenswerten Fallrückzieher, doch leider noch besser war die Glanzparade von Keeper Goran Karacic, der die Kugel aus dem Winkel fischte. Fünf Minuten später war Karacic erneut auf dem Posten, wenngleich er bei einem Schuss von Claudio Bellanave durchaus Mühe hatte. In der 12. Minute die nächste Neckarsulmer Großchance. Philipp Seybold hatte sich die Kugel im Mittelfeld energisch erkämpft passte dann zu Ouadie Barini, der jedoch aus zehn Metern knapp verfehlte. Diese verpassten Chancen sollten sich im zweiten Durchgang rächen. „Ich denke, wenn man meinen Jungs überhaupt etwas vorwerfen kann, dann dass wir unsere Tormöglichkeiten nicht konsequent genug zu Ende gespielt“, so Thorsten Damm.

In der Folge blieb die Sport-Union die aktivere Mannschaft, wenngleich die Sandhäuser nun ihrerseits versuchten, Druck aufs gegnerische Gehäuse aufzubauen. In der 23. Minute war es Kapitän Nikolai Bauer, der eine Hereingabe von links knapp am rechten Pfosten vorbei platzierte.

Trotz des torlosen Pausenstandes hatten die rund 70 Besucher eine spannende, intensive und auch hochklassige Oberliga-Partie mit Vorteilen für die Unterländer gesehen. Mit großem kämpferischen und läuferischen Einsatz hatte sich die Damm-Elf gegen die Sandhäuser Wiedergutmachungs-Pläne gestemmt.

Und auch in den zweiten Durchgang fanden die Neckarsulmer gut. In der 50. Minute musste sich Karacic bei einer missglückten Flanke von David Gotovac strecken, zwei Minuten später war der Sandhäuser Goalie bei einem Seybold-Solo zur Stelle, den Nachschuss setzte Adrian Beck über das Gehäuse der Gastgeber. In der 67. Minute zielte dann Claudio Bellanave nach einer Seybold-Hereingabe zu hoch.

Richtig bitter wurde es dann zwei Minuten später. Nach eigenem Eckball bot sich erneut eine gute Chance für die Sport-Union, die Karicic zunichte machte, und dann ging es blitzschnell. Binnen weniger Sekunden konterten sich die Sandhäuser gegen die entblößte Neckarsulmer Defensive an den Strafraum durch, am Ende war es Marius Schilling, der eiskalt zum 1:0 einnetzte. Es war kein Treffer für Fußball-Romantiker, denn am Spiel hatten sich die Sandhäuser bis dahin im zweiten Durchgang nicht mehr groß beteiligt, doch es spricht natürlich auch für die vorhandene Qualität, die erste sich bietende Chance gleich zu verwerten.

Drei Minuten später war der Drops dann bereits gelutscht. Nach zu zögerlichem Defensivverhalten erzielte der eingewechselte Rico Weber aus 10 Metern des 2:0. Und NSU-Schreckgespenst Jan Dahlke markierte mit dem 3:0 in der 83. Minute den Schlusspunkt eines bitteren Neckarsulmer Nachmittags. „Das schnelle 2:0 hat uns so etwas das Genick gebrochen“, sagte Thorsten Damm. „Doch selbst wenn Du dann noch das 2:1 machst, bist Du wieder im Spiel. Aber wir haben vor dem gegnerischen Tor einfach zu kompliziert gespielt.“ Ansonsten wollte der Neckarsulmer Coach seinem Team keinerlei Vorwürfe machen, sprach von einem „sehr ordentlichen Spiel.“ Sportdirektor Marco Merz ergänzte: "Das ist keine Niederlage, die Wut und Ärger hinterlässt, denn unser Team zeigte eine engagierte und mutige Leistung. Wir hatten einige gute Strafraumszenen, aber keine Torchance der Marke "100 Prozent" liegen lassen. Schmerzhaft sind hingegen die drei Gegentore, zumal zwei davon durch vermeidbare Konter entstanden sind."

Vielleicht war es schlichtweg nur der falsche Zeitpunkt, zu dem die Sport-Union sich mit dem Zweitliga-Nachwuchs duellierte. Denn auch wenn die Pichterich-Elf vom Spielverlauf durchaus mindestens einen Punkt verdient gehabt hätte, so agierten die Sandhäuser dennoch sehr fokussiert, dynamisch und ballsicher, was sicherlich zum Teil sicherlich auch auf die oben erwähnte Vorgeschichte zurückzuführen ist.

NSU: Susser, Gotovac, Klotz, Busch, Seybold, Schneckenberger (89. M. Romano), S. Neupert, Öztürk (89. Retzbach), Bellanave (87. Leonhardt), Beck, Barini (83. Albert)

 
Die Bilder zum Spiel (aufgrund des Dauerregens leider nur in sehr geringer Anzahl)
Vor dem Anpfiff auf dem Sandhäuser Kunstrasenplatz
Fallrückzieher von Seba Öztürk
Claudio Bellanave gegen Zweitliga-Profi Philipp Förster
Claudio Bellanave
David Gotovac setzt sich durch
Adrian Beck legt die Kugel an seinem Gegenspieler vorbei
Zweikampf