26.05.18 - 0:3-Niederlage in Pforzheim:
Kein Happy End zum Abschied von Thorsten Damm
 

Thorsten Damm blieb in seinem letzten Spiel als Cheftrainer von Oberligist Neckarsulmer Sport-Union das erhoffte Happy End verwehrt. Seine Mannschaft verlor verdient mit 0:3 beim 1. CfR Pforzheim und kassierte somit ausgerechnet im abschließenden Saisonspiel die höchste Niederlage der gesamten Spielzeit. Daher hatte es in der Gefühlswelt von Thorsten Damm direkt nach dem Abpfiff auch keinen Platz für Abschieds-Wehmut, der NSU-Coach war mächtig sauer auf die Leistung seiner Jungs. „Irgendwie war es nach dem Rückrunden-Verlauf fast folgerichtig, dass wir heute recht hoch verloren haben. Ich hätte mir gewünscht, dass man merkt, dass wir richtig Bock haben Fußball zu spielen. Aber insgesamt muss man sagen, dass Pforzheim sich in höherem Maß mit dem Spiel identifiziert hat“, monierte Thorsten Damm. Die NSU schloss ihre zweite Oberliga-Saison somit auf dem 10. Tabellenplatz ab.

Ein Neckarsulmer Eigentor, ein Pforzheimer Treffer quasi ohne Gegenwehr und ein direkter Freistoß sorgten für den klaren und verdienten Pforzheimer 3:0-Sieg, wenngleich die NSU im zweiten Durchgang ebenfalls einige gute Torchancen hatte. Doch was die Gäste in der Offensive zeigten war an Harmlosigkeit kaum zu überbieten. In Minute 70 war es dann der scheidende Trainer selbst, der ein Highlight setzte. Seine Kritik an der Umsetzung seiner taktischen Vorgabe war bei günstigem Wind sicherlich selbst in Neckarsulm noch zu hören. „So ticke ich eben. Wenn es klare Regeln gibt und meine Jungs halten sich nicht daran, dann ist es mir egal ob es das erste, das 20. oder das letzte Saisonspiel ist, dann muss das einfach aus mir raus“, so Thorsten Damm mit einem Schmunzeln.

Der Chefcoach saß in den Schlussminuten auffällig in seinen Gedanken versunken auf der Trainerbank. Kam also am Ende doch etwas Wehmut auf? „Nein“, korrigiert Thorsten Damm. „Ich war gedanklich schon in der Analyse, was in den letzten Monaten alles nicht wirklich gut gelaufen ist, und wo auch ich selbst Fehler gemacht habe.“ Immer wieder landete er dabei bei der letzten Winter-Vorbereitung. „Die jahrelang erfolgreiche NSU-Rechnung, Spielern die lange Leine zu lassen ging diesmal nicht auf.“ Konkret will Thorsten Damm damit sagen: „Wir haben in der Vorbereitung mit einem Kernteam von 12-13 Spielern hervorragend trainiert. Beim Rest, der nicht regelmäßig trainieren konnte, haben wir gehofft, dass sie den Anschluss nicht verlieren, bzw. diesen schnell wieder schaffen. Doch als sich dann ein Spieler nach dem anderen aus der Kern-Trainingsgruppe verletzt hat, fehlte es den nachrückenden Akteuren aus der zweiten Reihe an Kraft und körperlicher Präsenz. Das ist auch eine Sache, die ich mir selbst ankreide, da hätte ich die Zügel anziehen müssen“, so Thorsten Damm selbstkritisch.

Nach der Gesamt-Saisonbilanz gefragt muss der Chefcoach etwas länger überlegen. „Das ist schwierig. Wir haben uns in der Vorrunde super präsentiert, waren zeitweise sogar Tabellenführer, für mich eine Art Meilenstein darstellte. Doch wir haben in der Rückrunde einfach nicht den Spagat zwischen Vorbereitung und Punktrunde hinbekommen“, bilanziert Thorsten Damm.

NSU-Sportdirektor Marco Merz sieht dies ähnlich: „Hinter uns liegt eine Saison der Extreme: In der Hinrunde hatten wir die Bilanz eines potentiellen Aufsteigers, in der Rückrunde die eines Absteigers.“ In der Tat, nimmt man allein das Jahr 2018 als Maßstab, so stünde die NSU auf dem vorletzten Tabellenplatz. „In den letzten Wochen und Monaten nahm uns sich die verheerende Verletztenmisere sicherlich die entscheidende Substanz. Allerdings gesellte sich dazu auch ein Defizit an Gier, Konzentration und Entschlossenheit“, kritisiert Marco Merz. Neben einer akribischen Analyse der Rückrunde blickt der Neckarsulmer Sportdirektor aber bereits auch nach vorne: „Eine Erkenntnis können wir bereits konstatieren: Neben dem klaren Bekenntnis zu unseren eigenen Spielern wird eine Blutauffrischung mit erfolgshungrigen und enthusiastischen Neuzugängen für unsere Mannschaft hilfreich und wichtig sein.“

Nicht mehr im Neckarsulmer Trikot werden dann Adrian Beck, Seba Öztürk, Steffen Elseg, Pascal Hemmerich und Julian Retzbach zu sehen sein. Der mit 14 Treffern und 14 Assists erfolgreichste Neckarsulmer Angreifer Adrian Beck verlässt die NSU mit einem lachenden und einem weinenden Auge in Richtung Regionalligist SSV Ulm: "Ich wurde super bei der Sport-Union aufgenommen, habe mich hier sehr wohlgefühlt und viele neue Freunde gefunden. Ich habe definitiv vor, in der kommenden Saison Spiele der NSU zu besuchen", so der 20-Jährige.

Auf der Abschlussfeier am Abend kamen dann auch bei Thorsten Damm noch wehmütige Gefühle auf. Als ihm sein Team zum Abschied ein NSU-Trikot mit Unterschriften aller Spieler überreichte, musste selbst der sonst so selbstdisziplinierte Trainer mächtig schlucken. Es war ein allerletztes Zeugnis, wie sehr Thorsten Damm das Cheftrainer-Amt bei der NSU gelebt und sich mit Team und Verein identifiziert hat. 

NSU: Wallmann, Leonhardt, Klotz (83. Gündisch), R. Neupert, Kappes (65. S. Neupert), Seybold, Schneckenberger, Gotovac, Beck, Öztürk (70. Albert), Barini (77. Elseg).

 
Die Bilder zum Spiel
Historische Momente: Die letzte Besprechung von Thorsten Damm vor dem Anpfiff
Seine Jungs hören ihm nochmals hoch konzentriert zu
Der letzte Gang zur Trainerbank als Chefcoach - mit einem Lächeln auf dem Gesicht
Thorsten Damm hatte die passende Kopfbedeckung ausgewählt :-)
Unsere Startelf
Entspannt vor den letzten 90 Minuten als Neckarsulmer Cheftrainer
Und kurz vor dem Anpfiff wird nochmals der Co-Trainer Aydin Cengiz umarmt
Unsere Jungs waren vor dem Anpfiff guter Dinge
Seba Öztürk und Philipp Seybold
Ouadie Barini im Zweikampf
Kopfballduell zwischen Seba Öztürk und Ruben Reisig
Marius Klotz, der in dieser Saison alle 34 Saisonspiele für die NSU absolviert hat
Philipp Seybold gegen Alan Delic
Auch Marc Schneckenberger absolvierte in dieser Saison alle 34 Saisonspiele für die NSU
Ouadie Barini gegen Deniz Gudzevic
Thorsten Damm mit skeptischem Gesichtsausdruck
Die Schockszene des Spiels: Robin Neupert liegt nach einem Kopfballduell bewustlos am Boden
Trinkpause
Gut betreut und mit Brummschädel konnte Robin weiterspielen
Es herrschten hochsommerliche Temperaturen in Pforzheim
Ouadie Barini geht an Gudzevic vorbei
Robin Neupert gegen Salman Can Torun
Philipp Seybold streichelt den Ball und Ruben Reisig scheint ehrfüchtig zuzuschauen
Philipp klärt vor Anthony Coppola
Unser Coach tiefenentspannt
Seba Öztürk wie wir ihn kennen, mit viel Einsatz
Philipp Seybold gegen Alan Delic
Adrian Beck schaut nach dem nächsten freien Mitspieler
Lagebesprechung am Spielfeldrand
Eindrucksvolle Technik: Marc Schneckenberger
Auch David Gotovac schaffte es, bei allen 34 Saisonspielen für die NSU auf dem Platz zu stehen
Kappo und Thorsten Damm
 
Adrian Beck eng bewacht
Seba Öztürk verlässt in seinem letzten Spiel für die NSU das Feld - und scheint durchaus nachdenklich zu sein
Foul an Philipp Seybold
Flüssigkeitsaufnahme war bei den tropischen Temperaturen überaus wichtig
"Zwei Tore musst Du noch machen" - klare Instruktionen von Thorsten Damm :-)
Die NSU hatte im zweiten Durchgang einige gute Chancen
"Schnecke" gegen Akiyoshi Saito
David Gotovac passt das Leder nach vorne
Faire Geste zwischen Steven Neupert und Akiyoshi Saito
Und dann war Schluß - und Thorsten Damm bedankte sich nach dem Abpfiff bei seinen Jungs
Umarmung mit Marius Klotz
Goto
Und dann gab es etwas, was wir selten erlebt haben - eine längere Diskussion von Thorsten mit den Referees
Sichtlich ergriffen: Co-Trainer Aydin Cengiz
Fast wie 1990 "Kaiser" Franz Beckenbauer: Thorsten Damm alleine mit gesenktem Haupt auf dem Feld
 
 
Für Adrian war es das letzte Spiel für die NSU, er wechselt zu Regionalligist SV Ulm
Marcel Busch hingegen beendete seine Spielerkarriere und wird Nachfolger von Thorsten Damm
Bye Bye, Familie Beck - Ihr seid uns sehr ans Herz gewachsen
Alex Albert mit Marcel Susser und Marco Romano
Erste Spielanalyse: "Schnecke"; Marius und Marvin
Danke Thorsten für vier Jahre tolle Fußball-Erlebnisse mit Dir bei der NSU...
... und viel Glück, lieber Buschi für Dich in der kommenden Oberliga-Spielzeit als neuer Cheftrainer