09.03.19 - 3:1-Pflichtsieg gegen Friedrichstal sorgt für kollektives Durchatmen
 

Durchatmen. Die Erleichterung rund um den Pichterich war nach dem 3:1-Sieg gegen den FC Germania Friedrichstal geradezu greifbar. Aufgrund einer starken zweiten Halbzeit war der Neckarsulmer Dreier auf dem Kunstrasen auch vollkommen verdient. Und auch, wenn der Erfolg gegen das Schlußlicht zur Kategorie „Pflichtsieg“ zählt, so brachte er dennoch wichtige Aspekte für die nächsten Wochen im Abstiegskampf. Die vielleicht Essentiellsten: Die Mentalität und Nervenstärke sind absolut intakt bei der Pichterich-Elf.

Bei unangenehmen Schmuddelwetter prägten zwei Szenen die Begegnung gegen Friedrichstal am nachhaltigsten. Da war zunächst die 40. Minute, der Moment, der auch NSU-Coach Marcel Busch sinnbildlich kurz den Boden unter den Füßen wegriss. Der Friedrichstaler Johannes Weiß passte nach einem Neckarsulmer Ballverlust in die Mitte zum freien Patrick Roedling, der eiskalt vollstreckte. 0:1 für den FC Germania – und das nicht einmal komplett unverdient.

„Das war der Worst Case“, sagte Marcel Busch nach dem Abpfiff. Seine Mannschaft hatte bis dahin eine überschaubare Leistung abgeliefert. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen waren viel zu groß, die Abspiele waren zu ungenau, daher fehlte die Durchschlagskraft nach vorne fast komplett. Hinzu kam, dass Friedrichstal keineswegs wie ein abgeschlagener Tabellenletzter auftrat und mit guter taktischer Ordnung überzeugte. Der 0:1-Pausenstand machte daher auch NSU-Sportdirektor Marco Merz durchaus nachdenklich: „Wir haben im Fußball schon viele Mannschaften erlebt, die nach so einem Rückstand komplett verkrampft sind. Umso erleichterter bin ich, dass wir noch für die Wende sorgen konnten.“

Zunächst aber waren in der Pause die pädagogischen Fähigkeiten von Marcel Busch gefragt. „ "Ich habe in der Kabine nicht draufgehauen, da ich das Gefühl hatte, die Spieler damit noch mehr zu verunsichern.“ Dass der Neckarsulmer Coach beim Pausentee ruhige analytische Worte fand, war somit auch ein Schlüssel zur Wende. Denn e s war klar. Die zweite Halbzeit war zunächst keine Frage der zweifellos vorhandenen fußballerischen Überlegenheit der NSU, sondern reine Kopfsache.

Es half zudem, dass Marcel Busch kleine taktische Modifikationen vornahm. Mit dem Wiederanpfiff setzte seine Elf den Gegner dann endlich unter Druck. So glückte tatsächlich der vehement erhoffte frühe Ausgleichstreffer. In der 53. Minute flankte Philipp Seybold in Richtung langer Pfosten, Steven Neupert vollstreckte überlegt aus spitzem Winkel. 1:1. Es war der Türöffner für eine wirklich starke zweite Neckarsulmer Halbzeit.

Nun erspielte sich die Pichterich-Elf in regelmäßigen Abständen Großchancen. Marco Romano scheiterte in der 54. Minute nach einem Eckball aus kurzer Distanz am Friedrichstaler Keeper Patrick Haumann, nach 64 Zeigerumdrehungen verfehlte ein Kopfball von Mario Müller aus kurzer Distanz das Ziel.

Nur eine Minute später durften die NSU-Fans dann aber endlich jubeln. Vorausgegangen war ein Geniestreich von Ouadie Barini. Zunächst ließ die Neckarsulmer Nummer zehn zwei Spieler aussteigen und schlenzte das Leder dann überlegt und elegant zugleich aus 16 Metern flach ins rechte Eck. Es war ein Klassetor, dass für die Neckarsulmer Führung sorgte.

Die Gäste, dieses Kompliment muss man der Elf von Trainer Dubravko Kolinger durchaus zollen, versuchte nun ihrerseits, zum Ausgleich zu kommen und setzte dabei den ein oder anderen Nadelstich. Klarer Chef im Ring blieb aber weiterhin die NSU. Und wieder war es Ouadie Barini, der den Deckel auf die Begegnung setzte. Der eingewechselte Serhat Ayvaz stiebizte Mert Yörükoglu an der Friedrichstaler Torauslinie das Spielgerät, passte überlegt nach innen, wo Ouadie Barini zum entscheidenden 3:1 einnetzte.

Es folgte die zweite prägnante Szene des Spieles. Beim Torjubel nämlich sprang Ouadie Barini nicht etwa nach einem Jubellauf wie gewohnt in die Höhe, er blieb einfach am Ort seines Torschusses stehen und rekte sekundenlang die Arme in die Höhe. Still stehen, das Momentum genießen, ehe ihn seine Mitspieler erreichten und er in einer Jubeltraube verschwand. Ein Moment, der für Gänsehaut sorgte,

Marcel Busch freute sich mit. „Es zeugt absolut von Charakter, dass wir das Spiel noch drehen konnten, gerade nach den schwierigen letzten Wochen“, war der Neckarsulmer Chefcoach erleichtert. Gleiches gilt auch für Marco Merz: „Das war ein absolut verdienter Sieg, unsere Überlegenheit hat sich am Ende zu recht im Ergebnis ausgedrückt.

NSU: Susser, R. Neupert, Schmelzle, M. Romano, Müller, Schneckenberger, S. Neupert, Gotovac (61. Ayvaz), Gebert (15. Seybold), Barini (84. Klotz), Albert (71. Islamaj)     

 
Die Bilder zum Spiel