18.04.19 - Ein Punkt für die Moral - Dramatisches 1:1 gegen den SGV Freiberg
 

In einem hochdramatischen Abendspiel ergatterte sich unsere Elf mit tollem Willen und Mentalität ein verdientes 1:1 gegen Titelanwärter SGV Freiberg. Emotionen, rassige Zweikämpfe, tolle Spielzüge, diskussionswürdige Schiedsrichterentscheidungen -  beide Teams machten beste Werbung für den Oberliga-Fußball. Die gestrige Begegnung bestätigte eindrucksvoll: Wenn die NSU auf den SGV Freiberg trifft, dann passieren besondere Dinge.

Den Spruch des Tages lieferte Freibergs Trainer Ramon Gehrmann rund 20 Minuten nach Spielende, als er NSU-Abwehrrecke Daniel Schmelze in den Arm nahm und sagte: „Heute haben alle für uns gespielt, nur ihr nicht.“ Es war eine Respektsbekundung des SGV-Coaches für eine bärenstarke Leistung unserer Neckarsulmer Sport-Union. 

Nach verteilter Anfangsphase mit hohem Tempo führte ein Neckarsulmer Geniestreich zur Führung der Gastgeber. In der 20.Minute gelang Marc Schneckenberger ein Traumpass in die Tiefe auf Ouadie Barini, der zunächst Freibergs Keeper Alexander Michalik umkurvte, dann auch Abwehrchef Maximilian Rohr austanzte und zum 1:0 abschloss. Ein Tor, dass die rund 400 Zuschauer auf dem Pichterich entzückte. Allgemein zog die hochklassige Begegnung das Publikum schnell in ihren Bann, so dass auch die Stimmung auf den Rängen der Spielqualität auf dem grünen Rasen entsprach.

Nach der Führung spielte die NSU einen unglaublichen Fußball und stürzte die Freiberger von einer Verlegenheit in die nächste. Nur eine Minute nach dem 1:0 folgte die erste Szene, in der Referee Mika Forster im Mittelpunkt stand. Nach einem erneuten Pass in die Tiefe grätschte Maximilian Rohr Maxi Gebert als letzter Mann heftig um. Serhat Ayvaz spielte weiter, vergab die nachfolgende Chance jedoch, indem er Freibergs Keeper Michalik in die Arme schoss. Gespannt war man, wie Schiedsrichter Forster das Foul von Rohr werten würde. Dass der Freiberger Abwehrmann „nur“ den gelben Karton sah, erzürnte alle Neckarsulmer – allerdings war die Entscheidung Forsters regelkonform, da durch das Weiterspielen der NSU der Sachverhalt „Vereitelung einer klaren Torchance“ nicht mehr vorlag. Es obliegt uns nicht, die Sinnhaftigkeit dieser Regel zu bewerten, allerdings ist zu konstatieren, dass der Unparteiische hier laut Regelbuch absolut richtig lag.

Der Neckarsulmer Angriffswirbel ging dennoch weiter. In der 25. Minute scheiterte Robin Neupert mit einem Kopfball haarscharf und nur zwei Minuten später zielte Ouadie Barini nach einer Gotovac-Flanke ebenfalls per Kopf etwas zu hoch. Längst wäre das 2:0 verdient gewesen, und auch NSU-Sportdirektor Marco Merz war vom Auftritt der NSU angetan: „Wir haben in der ersten halben Stunde einen extrem begeisternden Fußball gespielt uns in einen wahren Spielrausch kombiniert. Die Mannschaft hat die Freiberger derart dominiert, wie man das in dieser Saison noch nicht gesehen hat. Das war Extraklasse.“ Recht hatte er.

Allerdings berappelten sich die Gäste nach und nach und wurden in den letzten zehn Minuten vor der Pause stärker. In der 44. Minute dann der nächste große Aufreger. Nach einer feinen Freiberger Kombination kam es bei einem Schussversuch zu einem Kontakt zwischen SGV-Torjäger Sökler und Marius Klotz, Zum Entsetzen aller Neckarsulmer Fans zeigte Mika Forster auf dem Punkt und verwies zudem Marius Klotz mit gelb-rot des Platzes. Nach Sichtung der Videoaufnahmen kommt der Verfasser dieser Zeilen zu dem Schluss, dass dies eine Fehlentscheidung war, wir empfehlen zur Meinungsbildung jedoch die Sichtung des Videospielberichtes, der heute Abend online sein wird.

Nachdem Denis Zagaria den Ball vom Punkt mit etwas Glück zum 1:1 ins Netz befördert hatte, herrschte im Lager der Neckarsulmer ein großes Ungerechtigkeitsempfinden. Ganz abgesehen von der Wertung der Spiel-Situation an sich, hatte die NSU den Ausgleich kassiert und war in Unterzahl, während die Freiberger, trotz eines rot-würdigen Fouls weiterhin in kompletter Mannschaftsstärke aufspielte. „Hier hätte ich mir mehr Gespür für die Situation vom Unparteiischen gewünscht“, haderte Marcel Busch.

Im zweiten Durchgang entwickelte sich dann eine komplett konträre Begegnung wie im ersten. Die spieltechnisch starken Gäste hatten nun erheblich mehr Ballbesitz, erzeugte enormen Druck, die NSU hielt mit einer schier unglaublichen Laufintensität und purer Mentalität entgegen. Den Gegner komplett vom eigenen Tor wegzuhalten, war der aufopferungsvoll kämpfenden Pichterich-Elf nun nicht mehr komplett möglich. Doch zum Glück haben wir Toreverhinderer David Gotovac, der in der 58 Minute zum wiederholten Mal in der Rückrunde auf der Linie klärte. Zwei Minuten später Glück für die NSU, dass Latifovic aus spitzem Winkel nur den Außenpfosten traf. Jener Denis Latifovic war es auch, der Marcel Susser in der 71. Minute mit einem Fernschuss zu einem Monstersave zwang.

Eine Minute später stand dann wieder Mika Forster im Mittelpunkt. Nach einem Kopfballduell mit Steven Neupert brachte Gegenspieler Patrick Fossi diesen zu Fall. Forster hielt dem Freiberger Mittelfeldakteur sofort den roten Karton unter die Nase. Diese Entscheidung roch nach Konzession, denn eine Tätlichkeit von Fossi war auf dem Videomaterial nicht ersichtlich. Für die NSU hatte dies allerdings dennoch den Vorteil der ausgeglichen Spielerstärke auf dem Feld, laut Ouadie Barini wichtig, „da es aufgrund der Spielstärke der Freiberger keinen Gegner in der Oberliga gibt, gegen des es schwerer ist in Unterzahl zu spielen.“

Trotz einer ebenfalls dramatischen Schlussphase blieb es beim insgesamt leistungsgerechten 1:1-Remis. „Mit einem Mann weniger haben wir uns mit viel Laufintensität gegen den Ballbesitz-Vorteil der Freiberger gestemmt und es war ein vollauf verdienter Punkt für uns“, analysierte Marco Merz nach dem Abpfiff.

Es war ein denkwürdiges Spiel, mit Haken und Ösen geführt, aber dennoch in fairem Rahmen. Als geneigter Fußball-Fan kann man sich bei beiden Teams nur für diesen tollen Fußballabend bedanken.

NSU: Susser, Gotovac (85. Seybold), R. Neupert, Schmelzle, Klotz, S. Neupert, Schneckenberger (90. Müller), Gebert, Bellanave (66. M. Romano), Ayvaz (77. Albert), Barini

 
Die Bilder zum Spiel