25.02.17 - 3:1-Sieg in Bissingen - Paukenschlag beim Tabellenführer
 

Der Tross der Neckarsulmer Oberliga-Fußballer strahlte am Samstag Nachmittag mit der Sonne in Bietigheim um die Wette. Mit dem 3:1-Erfolg gegen den bisherigen Tabellenführer FSV Bissingen sorgte das Pichterich-Team für eine faustdicke Überraschung, die noch dazu absolut verdient war.

Wer NSU-Coach Thorsten Damm kennt, der weiß welch hohe Gewichtung seinen Worten nach dem Paukenschlag beizumessen sind: „Ich habe heute nicht viel an meiner Mannschaft auszusetzen, das war nahe an der Perfektion.“ Sportdirektor Marco Merz ergänzte: „Wenn man gesehen hat, wie es uns im Teamverbund gelungen ist, nahezu keine Offensiv-Abschlüsse der Bissinger Offensivpower zuzulassen, dann ist das ein herausragender Verdienst der Mannschaft und der taktischen Gesamteinstellung durch unser Trainer-Team.“

Der Sportdirektor war im Übrigen der einzige Neckarsulmer, der in Bissingen auch verloren hatte. Eine Wette nämlich. Marco Merz hatte der Mannschaft im Vorfeld versprochen, dass sie eine Team-Pizza erhält, wenn Marcel Gerstle ein Treffer in Bissingen gelingt, der noch dazu mit Punkten belohnt wird. Eigentlich ein guter Deal, Gerstle war in dieser Saison zuvor ohne eigenen Treffer, zudem war die Chance auf Zähler der Sport-Union in Bissingen realistischerweise eher überschaubar. Doch es kam anders, die Merzsche Einladung zum Italiener steht. „Marcel war durch mich unter brutalem Druck vor der Mannschaft", schmunzelte der Sportdirektor. "Er musste liefern“. Und das tat der Neckarsulmer Regisseur bereits nach zwölf Minuten.

Einen Einwurf verlängerte Bogdan Müller zu Gerstle der zog sofort ab und die Kugel landete trocken im linken unteren Eck. 1:0 für die Sport-Union, die Überraschung nahm ihren Lauf.

Die Gastgeber bemühten sich in der Folge um Struktur im eigenen Spiel, aber auf dem schnellen Kunstrasen war nach jedem Pass, nach jedem Laufweg immer wieder ein Neckarsulmer Bein dazwischen. Es war über 90 Minuten eine taktische Defensiv-Meisterleistung der Sport-Union, die vor allem die beiden schnellen Bissinger Außenverteidiger Manuel Sanchez und Pierre Williams keinerlei Gelegenheit für ihre gefürchteten Tempo-Vorstöße gaben.

Hinzu kamen die permanenten Offensiv-Nadelstiche der Neckarsulmer, meist vorgetragen über die beiden agilen Außen Ouadie Barini und Seba Öztürk. Das Besondere am Neckarsulmer Dreier beim Klassenprimus war also, dass es diesmal kein „Ball-und-Gegner-hinterher-Laufen“-Spiel war, sondern dass man selbst offensiv sehr initiativ und kreativ auftrat und damit für reichlich Verwirrung bei den Bissingern sorgte.

So geschehen in Minute 24, als Ouadie Barini mit einem abgefälschten Distanzschuss knapp scheiterte. Zehn Minuten später durfte die Sport-Union dann aber zum zweiten Mal jubeln. Nach einem weiteren Einwurf kam die Kugel über Seba Öztürk und Marcel Gerstle zu Marc Schneckenberger, der ebenfalls sofort abzog. 2:0, es war fast eine Kopie des ersten Treffers. Abwehrrecke Robin Neupert, der trotz einer Muskelverletzung zum Einsatz kam, schmunzelte: „Unsere Einwürfe gehen in der Regel zum Gegner, und heute entstehen zwei Tore daraus. Wahnsinn.“

Die Gastgeber mussten sich nach dem 0:2-Rückstand erstmal kräftig schütteln, spielten dann aber gegen Ende der ersten Halbzeit druckvoller. Mehr als ein Schuss von Torjäger Marius Kunde, der knapp sein Ziel verfehlte, sprang jedoch bis zum Seitenwechsel nicht für die Nullachter heraus. FSV-Coach Andreas Lechner war dementsprechend unzufrieden: „Wir kamen in der ersten Hälfte nicht zu einem einzigen Eckball. Wir hatten keinerlei Laufbereitschaft, haben die Zweikämpfe nicht angenommen und sind immer nur hinterher gelaufen.“

An diesem aus Neckarsulmer Sicht denkwürdigen Tag kam zudem ein weiterer nützlicher Fakt hinzu. Die Tore der Sport-Union fielen zum jeweils günstigsten Zeitpunkt. So auch geschehen in der 52. Minute, als Ouadie Barini die Anfangsoffensive der Bissinger mit seinem schulmäßigen Kopfballtor zum 3:0 jäh beendete. „Ich hatte den Eindruck, dass „Hadjis“ Tor dann schon ein wenig Knockout-Charakter für die Bissinger besessen hat“, analysierte Thorsten Damm.

In der Folge hatte man zunächst den Eindruck, dass die Sport-Union dem vierten Treffer näher war, als die Bissinger ihrem ersten. Bemüht zeigte sich das Heimteam, keine Frage, doch gegen den hochkonzentriert zu Werke gehenden NSU-Defensivverbund gab es einfach kein Durchkommen. Und wenn doch, war Keeper Marcel Susser Endstation. „Unser Matchplan ist voll aufgegangen“; sagte Marcel Busch mit einem Grinsen im Gesicht, „Wir haben kaum eigene Fehler fabriziert. Solche Spiele machen natürlich Spaß.“

Der Spaßfaktor bei den Gastgebern blieb an diesem Nachmittag hingegen trotz des Treffers zum 1:3 durch einen sehenswerten direkten Freistoß von Kapitän Oskar Schmiedel überschaubar. Viel mehr Konstruktives brachten die Bissinger bis zum Abpfiff nicht mehr zustande. Beinahe wäre sogar noch das 1:4 gefallen, doch Seba Öztürk scheiterte nach einer unglaublichen Bewegung, mit der er gleich zwei Gegenspieler narrte, am glänzend reagierenden Burkhardt im Bissinger Kasten.

So jubelten am Ende vor 700 Zuschauern, darunter mehr als 100 Neckarsulmer, das Gästeteam über drei nicht eingeplante Punkte. 39 sind es derer bereits – nach 22 Spieltagen. Das primäre Ziel Klassenerhalt ist in greifbarer Nähe, zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison eine mehr als respektable Leistung. Die Sport-Union genoss daher auch das Momentum: „Ich denke wir können heute absolut stolz auf unsere Mannschaft und unser Trainer-Team sein“, sagte Marco Merz. Thorsten Damm präzisierte: „„Unser Ziel war es zunächst defensiv gut zu stehen und wenig zuzulassen. Das ist uns gelungen. Hinzu kam, dass wir nach vorne heute eine große Effektivität gezeigt haben. Deswegen denke ich auch, dass wir hier in Bissingen nicht unverdient gewonnen haben.“ Heimcoach Andreas Lechner korrigierte den Neckarsulmer Übungsleiter auf der Pressekonferenz jedoch vehement: „Thorsten, ihr habt nicht nur „nicht unverdient“ gewonnen, sondern auch in dieser Höhe hoch verdient.“

NSU: Susser, Gotovac, Busch, R. Neupert (76. Kappes), Klotz, S. Neupert, Schneckenberger, Öztürk, Barini, Gerstle (80. Marche), Müller (89. Retzbach).

 
 
Bilder zum Spiel:
 
Erfreute Anspannung bei den beiden Teams vor dem Anpfiff
700 Zuschauer sorgten für einen tollen Rahmen
Anfeuern vor dem Anpfiff
Marcel Gerstle im Kopfballduell mit Luca Wöhrle
Marcel Busch klärt im Luftduell
Die Kugel scheint "Schnecke" geradezu am Fuß zu kleben
Hier lässt Marc Schneckenberger gleich zwei Gegenspieler stehen
Und dann war es auch schon passsiert! Marcel Gerstle traf nach 12 Minuten zum 0:1
Große Freude bei den "Roten Teufeln" aus Neckarsulm
Robin Neupert klärt vor Marian Asch
Verbissenes Kopfballduell mit Steven Neupert
Seba Öztürk war ein ständiger Unruheherd in der Bissinger Defensive
Marius Klotz - wieder ein blitzsaubere Leistung in der Defensive
Auf dem Kunstrasen war es angenehm fair - hier hilft Robin Neupert Marian Asch hoch
Doch er kann auch anders :-) Hier klärt Robin gegen Marius Kunde
Und da ist der Ball zum zweiten Mal drin! Marc Schneckenberger trifft zum 0:2
 
Riesenfreude bei unseren Jungs
Robin und Marcel freuen sich mit
Im Mittelfeld gab es viele rassige Zweikämpfe
Marcel Gerstle
Seba hart bedrängt
Sie interessierte das Spiel scheinbar weniger...
Wieder setzt sich Robin gegen Marius Kunde durch
Seba Öztürk
Ouadie Barini gegen Manuel Sanchez
Das 0:3 - Torschütze Ouasie Barini freut sich
0:3 ... was ist denn hier los?
Neckarsulmer Jubel
Augenreiben - und zur Kontrolle an die Anzeigetafel schauen
Marcel Gerstle mit viel Einsatz gegen Pierre Williams
Steven mit Wucht gegen Pierre Williams
Foul an Steven
Beim Gegentor machtlos: Marcel Susser
Marcel Gerstle...
.. erhält hier nach seiner Auswechslung den verdienten Neckarsulmer Fan-Applaus
Mehr als 100 Zuschauer begleiteten unser Team nach Bissingen - Vielen Dank!
Bogi Müller
Kurz vor dem Abpfiff hielt es niemand mehr auf der Ersatzbank
... und dann war es soweit: Abpfiff. 3:1-Sieg in Bissingen - "Hadji" in sich versunken
Freude bei Marius Klotz
Gemischte Gefühle bei den heimischen Zuschauer
Bogi und Marcel Susser
Viel Spaß bei den folgenden Jubelbilder
Bissingens Co-Trainer Alfonso Garcia gratuliert Thorsten Damm fair
Thorsten Damm und "Bredi", der uns Glück zu bringen scheint :-)