24.02.18 - 1:2 gegen Balingen - Eigentlich unverdient, aber irgendwie auch verdient
 

1:2. Balingen hat das Spitzenspiel in Neckarsulm für sich entschieden. Das Ergebnis auf dem Kunstrasen schmerzte aus Sicht unserer Sport-Union. Denn der Auswärtssieg des Spitzenreiters war glücklich. Glücklich vom Spielverlauf, aber auch in der Entstehung. Besonders bitter: Der leider mit dem Spitzenspiel überforderte Referee Philipp Reitermayer übersah vor dem Balinger Siegtreffer ein Foul der Gäste.

Allgemein litt die Begegnung, besonders der Spielfluss, darunter, dass der Unparteiische die „kompromisslose“ Spielweise der Balinger über die gesamte Spielzeit nicht mit geeigneten Sanktionen ahndete. Gerade in der ersten halben Stunde verpasste es der Schiedsrichter, zahlreiche schmerzhafte TSG-Fouls von hinten mit einer Verwarnung zu bestrafen und diesen damit einen Riegel vorzuschieben. So spielten die Gäste ihre Robustheit mit noch mehr Vehemenz aus, in dem Wissen, dass der Spielleiter sie gewähren ließ. So sagte auch NSU-Coach Thorsten Damm nach dem Abpfiff: „Balingen ist so abgezockt, die wissen ganz genau, wann sie welches Foul spielen müssen, entweder um den Spielfluss zu unterbrechen, oder um dem Gegner wehzutun. Der Unparteiische hat es leider nicht geschafft, dies zu unterbinden.“ Das führte in der Konsequenz zu unnötig viel Gift auf dem Spielfeld und zahllosen Spielunterbrechungen. Vielleicht kann man unserem Team den Vorwurf machen, nicht mit denselben Stilmitteln dagegengehalten zu haben. Vielleicht, ja, vielleicht wurde zu oft versucht, die Situationen spielerisch zu lösen. Doch das ist eben die Neckarsulmer Fußball-DNA, und vielleicht kam gerade diese den Balingern heute zugute.

Thorsten Damm sagte nach dem Spiel einen auf den ersten Blick seltsamen Satz: „Symptomatisch für das Spiel heute war, dass Balingen nicht die bessere Mannschaft war, aber dennoch verdient gewonnen hat.“ Seine Erklärung: „Balingen machte heute viele Dinge, die wir nicht machen wollten, weil sie eigentlich nicht zu uns passen. Diese Robustheit, die vorgedroschenen Bälle, das ist sicher nicht schön anzusehen, aber war insgesamt sehr effektiv.“ Der Neckarsulmer Trainer monierte zudem, dass seine Mannschaft es nicht geschafft hat, diese bekannten Balinger Stärken erfolgreich zu neutralisieren, und schob respektvoll nach: „Wer ganz vorne steht, hat so viel nicht falsch gemacht.“

Das Spiel selbst hatte einige Höhepunkte und zahlreiche strittige Situationen. Den besseren Start hatte die Sport-Union, die nach feiner Einzelleistung durch Adrian Beck die erste Möglichkeit besaß, doch die Neckarsulmer Nummer 11 traf den Ball nicht richtig,

Danach allerdings waren es die Gäste, die besser in der Begegnung waren und mit ihrem schnellen Spiel nach vorne und den gefährlichen Standards für Gefahr sorgten. In der 9. Minuten gingen die Balinger fast folgerichtig in Führung. Quasi ohne gestört zu werden ließen die Gäste die Kugel durch den Neckarsulmer Strafraum zirkulieren, und am Ende war es Torjäger Patrick Lauble, der trocken ins rechte Eck zum 0:1 einnetzte. „Dieses Tor ging gar nicht“, war Thorsten Damm mächtig sauer über die Enstehung des Gegentreffers.

Die NSU brauchte zehn Minuten, um den Rückstand aus den Trikots zu schütteln. Dann aber bot das Pichterich-Team eine starke Leistung und bestimmte die Begegnung. Der agile Adrian Beck scheiterte in der 20. Minute noch am Balinger Keeper Julian Hauser, doch zehn Minuten später durfte der Neckarsulmer Regisseur jubeln. Es war ein kurioser Treffer, der zum Ausgleich führte. Zunächst rutschte TSG-Keeper Hauser auf dem Kunstrasen aus, riss dabei den heranstürmenden Alex Albert um - eine elfmeterreife Situation eigentlich, doch der Unparteiische ließ weiterspielen. Die Kugel kam danach zu Marc Schneckenberger, der geistesgegenwärtig zum mitgelaufenen Adrian Beck passte, welcher zum 1:1 ins leere Tor einschob. Bei dieser Aktion verletzte sich der Balinger Schlußmann Julian Hauser an der Schulter, wir wünschen von dieser Stelle gute Besserung.

Im zweiten Durchgang waren noch keine zwei Minuten gespielt, als Steven Neupert mustergültig auf Adrian Beck legte, dessen Direktabnahme konnte Balingens Keeper mit Mühe parieren. Vier Minuten folgte bereits die Entscheidung. Trotz eines Fouls mit offener Sohle im Mittelfeld von TSG-Akteur Jörg Schreyeck ließ Referee Reitermeyer weiterlaufen, zwei Pässe später kam Patrick Lauble an die Kugel, und konnte von NSU-Keeper Marcel Susser nurmehr durch ein Foul gebremst werden. Trotz zahlreicher Neckarsulmer Proteste drosch Manuel Pflumm den fälligen Elfmeter humorlos ins Netz, 1:2. Auch Gästecoach Ralf Volkwein meinte zur Entstehung des Treffers fair: "Vor dem Elfmeter gab es von einem meiner Spieler ein gestrecktes Bein, da haben sich die Neckarsulmer völlig zu recht aufgeregt."

Die NSU antwortete mit wütenden Angriffen, gegen nun sehr kompakt stehende Gäste. Zwischen der 60. Und 67. Minute vergab die Pichterich-Elf jedoch gleich vier hochkarätige Möglichkeiten. Zunächst verfehlte ein Schuss von Steven Neupert aus siebzehn Meter haarscharf das Ziel, kurz darauf scheiterte Alex Albert per Kopf an der Latte, dann brachte Adrian Beck in aussichtsreicher Situation nicht genügend Druck hinter die Kugel und schließlich behinderten sich Philipp Seybold und Adrian Beck am Fünfmetereck gegenseitig. Auf diesem Niveau muss eben auch eine dieser Gelegenheiten zu einem Treffer nutzen.

Trotz der folgenden Neckarsulmer Schlussoffensive brachten die Gäste den für sie eminent wichtigen Auswärtssieg über die Zeit. Nimmt man die kompletten 90 Minuten war er wohl zumindest glücklich - und schön anzusehen, nein, schön anzusehen war er auch nicht unbedingt. Doch das wird den Balingern am Ende des Tages reichlich wurst sein, denn ein Auswärtsdreier beim Tabellendritten ist sicherlich ein ganz dickes Ausrufezeichen für die Aufstiegsambitionen des Teams von der Zollernalb, das zugegebenermaßen vor allem mit ihrer kompromisslosen Defensive um den überragenden Kapitän Manuel Pflumm beeindruckte.

NSU: Susser, Leonhardt, Busch (46. Gotovac), R. Neupert, Klotz, S. Neupert, Schneckenberger (84. Hemmerich), Seybold (76. Öztürk), Bellanave (68. Barini), Beck, Albert

 
Die Bilder zum Spiel
Vor dem Anpfiff auf dem Kunstrasenplatz
Die Sonne schien zwar - doch der kalte Wind war alles andere als angenehm
Die Balinger Fans waren gut ausgerüstet
Unsere Starting Eleven
Vor dem Anpfiff
Marcel Busch und Balingens Torjäger Patrick Lauble lieferten sich tolle Zweikämpfe
Claudio Bellanave klärt vor Lukas Foelsch
In Erwartung eines Balinger Eckballs
Marc Schneckenberger gegen Jörg Schreyeck
Claudio gegen Kaan Akkaya
Schußversuch von Adrian Beck
Gedämpfte Neckarsulmer Freude nach dem 1:1...
... denn Balingens Keeper Julian Hauser hatte sich bei der Aktion so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus musste... gute Besserung!
Foul an Claudio Bellanave
Es herrschten viele Emotionen auf dem Platz
Robin Neupert klärt vor Patrick Lauble
Steven Neupert gegen Nils Schuon
Alex Albert im Zweikampf
Der Neckarsulmer Stürmer hatte in der 2. Halbzeit mit einem Lattenkopfball Pech
6 Spieler auf zwei Quadratmetern - es wurde um jeden Ball gefightet
Alex Albert gegen Manuel Pflumm
Cluadio Bellanave klärt
Die Neckarsulmer Eckfahne weht im Wind
Steven diskutiert mit dem Unparteiischen
Die "rote Wand" ließ den eigentlich verdienten Neckarsulmer Ausgleichstreffer nicht mehr zu