01.05.18 - 2:2 - Starke Spielberger verhinden das Elseg-Märchen
 

Beinahe hätte es am heutigen Tag der Arbeit ein kleines Neckarsulmer Wunder gegen den SV Spielberg gegeben. Bis zur 82. Minute durfte die weiterhin personell extrem dezimierte NSU nicht nur vom ersten Heimsieg im Jahr 2018 träumen, sondern Stürmer-Urgestein Steffen Elseg hätte ein weiteres Erfolgskapitel gegen seinen Oberliga-Lieblingsgegner hinzufügen können. Doch der eingewechselte Nico Charrier beendete mit seinem Treffer zum 2:2 acht Minuten vor dem Abpfiff die Neckarsulmer Siegträume.

Doch natürlich gebietet es die Fairness zu konstatieren, dass das End-Ergebnis für die Spielberger zumindest hoch verdient. Es war schon heftig, was die starken Gäste aus dem Karlsbader Vorort im zweiten Durchgang an hochkarätigen Torchancen verballerten. Daher kann man, trotz des bitteren Endes, aus Neckarsulmer Sicht mit dem Remis durchaus zufrieden sein. Das sah auch Trainer Thorsten Damm so: „Wir können mit dem Punkt gut leben.“

Wie befürchtet fehlten dem Neckarsulmer Übungsleiter mit Seba Öztürk und Pascal Hemmerich zwei weitere Akteure gegen Spielberg, so dass die Floskel „Das Team stellt sich von selbst auf“ für Thorsten Damm zur bitteren Wahrheit wurde. Gerade einmal zwölf Spieler aus dem Oberliga Kader standen ihm am Mai-Feiertag noch zur Verfügung, auf der Bank saßen neben dem frisch genesenen Marvin Leonhardt ausnahmslos Akteure aus der 2. Mannschaft, bzw. den A-Junioren. „Ein riesengroßes Dankeschön an unsere Zweite und unsere A-Jugend, die uns aktuell so etwas am Leben halten“, zollte NSU-Sportdirektor Marco Merz ein großes Lob.

Vor 330 Zuschauern hatten die Gäste aus Spielberg die erste Torchance. Nach einer unglücklichen Neckarsulmer Abwehraktion kam SVS-Stoßstürmer Alexander Zimmermann aus neun Metern frei zum Schuss, zielte jedoch über das Gehäuse.

Danach allerdings war die NSU am Drücker. Etwas überraschend dominierten die letzten elf Aufrechten die mitten im Abstiegskampf steckenden Spielberger, die im Übrigen mit zahlreichen Akteuren antraten, die vor zwei Jahren noch in der Regionalliga für den SVS am Ball waren.

Nachdem Ouadie Barini in der 8. Minute noch aus spitzem Winkel an Spielbergs Keeper Yannick Dressler scheiterte, durfte die NSU elf Minuten später jubeln. Es war ein Treffer, wie man ihn selten sieht, ein Treffer Marke Tor des Jahres.  Eingeleitet wurde es von einem weiten Jerome-Boateng-Gedächtnispass von Robin Neupert auf Philipp Seybold, der die Kugel in die Mitte legte, wo David Gotovac diese aus 20 Metern in den linken Knick drosch. Was für ein wunderschönes Tor!

Danach entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Die beste hatten die Spielberger, als in Minute 42 Max Knorn mit einem Flachschuss aus 16 Metern um Zentimeter scheiterte.

Im zweiten Durchgang gab es dann quasi Spielberger Dauerdruck und der Ausgleich schien nur eine Frage der Zeit zu sein. In der 50. Minute landete ein Schussversuch vom freistehenden Matthias Fixel aus drei Metern in den Armen von NSU-Keeper Leander Wallmann, zwei Minuten später klärte Robin Neupert sensationell auf der Linie gegen Jimmy Marton.  Gar eine Dreifachchance ließen die Gäste in der 58. Minute liegen, die NSU hatte in dieser Szene mehr als Glück.

Nur sporadisch konnte sich die NSU vom Spielberger Dauerdruck befreien, hatte aber ihrerseits durch Ouadie Barini (60.) und Alex Albert (63.) zwei gute Möglichkeiten. Das inzwischen fast schon überfällige Ausgleichstor fiel in der 77. Minute aber auf der Gegenseite, der eingewechselte Jonas Daum verwandelte eine Flanke von Nico Charrier zum verdienten 1:1.  

Danach passierte Unfassbares. Nur eine Minute nach dem Ausgleich landete ein weiter Ball auf Steffen Elseg, der sich hervorragend durchsetzte und dessen abgefälschter Schuss sich unhaltbar zur Neckarsulmer 2:1-Führung ins Netz senkte. Damit ging des Elseg-Märchen gegen Spielberg weiter, es war im vierten Spiel bereits der dritte Treffer, den die Neckarsulmer Nummer 17 gegen seinen Lieblingsgegner markierte. „Das hat mich sehr für Steffen gefreut. Ich hatte trotz der vielen Spielberger Chancen die Hoffnung, dass es nun vielleicht zum Dreier reichen könnte“, so Thorsten Damm.

Dass dies nicht der Fall war, war dem erneuten Spielberger Ausgleichstreffer von Nico Charrier geschuldet. In der 82. Minute zog dieser aus rund 30 Meter ab, der an und für sich harmlose, aber flatternde Ball flutschte durch die Finger des bemitleidenswerten NSU-Keepers Leo Wallmann  - 2:2. Doch Vorwürfe, nein Vorwürfe gab es mitnichten gegen unseren Schlußmann, der zuvor hervorragend gehalten hatte. „Ich denke man kann den Leo da schwer trösten, ich kann aber sagen, dass dieser Treffer seine seit Wochen hervorragende Leistungen nicht schmälert“, sagte dementsprechend auch Thorsten Damm.

So stand am Ende ein Remis, dass sich sowohl die NSU mit ihrem Einsatz, aber auch die tapfer kämpfenden Spielberger absolut verdient hatten. Bemerkenswert fanden wir zudem, dass die sympathischen Gäste einen Fanbus organisiert hatten, vor allem in ihrer aktuellen prekären sportlichen Situation. So herrschte eine schöne Stimmung heute auf dem Pichterich.  Die Teams dankten es den erschienenen Zuschauern am Tag der Arbeit mit einem unterhaltsamen und kurzeiligen Oberliga-Spiel.

NSU: Wallmann, Gotovac, R. Neupert, Klotz, Seybold, Beck, Schneckenberger, Barini (89. Gündisch), Retzbach (82. Leonhardt), Albert (90. Momfor), Elseg (87. Grunwald)

 
Die Bilder zum Spiel
Philipp Seybold gegen Jimmy Marton
Leo Wallmann packt zu
Ouadie Barini hat den Ball im Visier
Die 330 Zuschauer sahen eine kurzweilige Oberliga-Begegnung
Philipp Seybold einen Schritt schneller am Ball als sein Gegenspieler
Weg mit der Kugel!
Gefahr vor dem Neckarsulmer Tor...
... entstand oft durch Spielerberger Standardsituationen
Alex Albert gegen Stefan Müller
Haarscharf: Ouadie Barni verfehlt Mitte der 2. Halbzei das Spielberger Tor
Steffen Elseg akrobatisch