15.04.18 - 1:1 in Ravensburg - Die unfassbarste Nachspielzeit ever!
 
von Bernd Kübler
 

Was in der Nachspielzeit des Oberliga-Spiels der Neckarsulmer Sport-Union in Ravensburg passierte, hatten wohl selbst hartgesottene Fußballfans noch nicht erlebt. Zunächst gingen die Gastgeber in der 92. Minute durch Bartosz Broniszeski mit 1:0 in Führung. Jeder der rund 350 Zuschauer, inklusiver der Neckarsulmer, dachte zu diesem Zeitpunkt dies war der Siegtreffer. Doch es kam anders. In der 96. Minute gab es einen Elfmeter für die Sport-Union, den Torjäger Adrian Beck eiskalt zum 1:1 verwandelte und der NSU damit einen verdienten und unerwarteten Punkt sicherte. „Unsere Mannschaft hat mit totalem Engagement allen Widerständen getrotzt und sich den Punktgewinn absolut verdient“, analysierte NSU-Sportdirektor Marco Merz. Es war großes Kino in Oberschwaben.

Mit dem “letzten Aufgebot” begab sich die Neckarsulmer Sport-Union auf die lange Reise nach Ravensburg. Die Hoffnungen, dort etwas zu holen hielten sich in engen Grenzen. Dann aber entwickelte sich überraschend ein Spiel auf Augenhöhe gegen in der Rückrunde bärenstarken Gastgeber. Ravensburg hatte etwas mehr Spielanteile, die Sport-Union setzte durch Konter immer wieder Nadelstiche. Bereits in den ersten Minuten gab es zwei klare Torchancen auf beiden Seiten, die jedoch ungenutzt blieben. Bis zur 20. Minute wogte das Spiel hin und her, Ravensburg war durch seine schnellen Außenstürmer stets gefährlich. In der Neckarsulmer Innenverteidigung machten Kapitän Marcel Busch und Robin Neupert einen tollen Job, da gab es kein Durchkommen für die Gastgeber um ihren starken Stürmer Harun Toprak, den Bruder des Dortmund-Spielers. Abwehrchef Neupert war es auch, dessen Kopfball in Minute 35 knapp über das Ravensburger Gehäuse strich. Der Pausenstand von 0:0, war die erste kleine Überraschung.

Auch der zweite Durchgang brachte viel Spannung, Ravensburg wollte unbedingt gewinnen, um sich die Chance auf Relegationsplatz zwei zu erhalten. Bei der NSU gab es in Minute 70 dann die nächste Verletzungs-Hiobsbotschaft, Marcel Busch musste mit Verdacht auf Außenbandriss ausgewechselt werden, für ihn kam Seba Öztürk.

Insgesamt sollten die ersten 90 Minuten jedoch nur eine Art Vorgeplänkel für eine atemberaubende Schlussphase sein. Denn als alle sich schon auf ein 0:0 Unentschieden eingerichtet hatten, erzielte Ravensburg in der 92. Minute nach einer unübersichtlichen Situation aus kurzer Distanz doch noch die Führung. „Da hätte ich heulen können“, gab NSU-Coach nach dem Spiel zu. Und auch die NSU-Spieler waren am Boden zerstört.

Es folgte die 94. Minute: In einer unübersichtlichen Situation bedrängte Ouadi Barini, der ein starkes Spiel gemacht hatte, den Ravensburger Keeper Haris Mesic, der sich nach Schiedsrichter-Meinung zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ. Der Referee hatte die Situation zunächst nicht gesehen, doch der sein Assistent hatte die Fahne gehoben. Nach einer kurzen Besprechung gab es Elfmeter für die NSU und den roten Karton gegen den Ravensburger Keeper.

Die Spannung war jetzt kaum noch zu ertragen, aber der 20-jährige NSU-Torjäger Adrian Beck behielt die Nerven und verwandelte gegen den SVR-Feldspieler Jascha Fiesel souverän ins untere linke Toreck. Es folgte direkt der Schlusspfiff und purer Jubel pur bei der NSU - Entsetzen und totaler Frust herrschte verständlicherweise auf der Gegenseite bei den Oberschwaben.

„Fußball-Wahnsinn in Ravensburg“, entfuhr es NSU-Coach Thorsten Damm nach dem Abpfiff sichtlich ergriffen. Sportdirektor Marco Merz sagte: „Das war heute „Fußball total. Wenn Du in der 92. Minute unglücklich den Rückstand hinnehmen musst und dann in der 96. Minute noch zum Ausgleich kommst, dann hast Du einfach ein tolles Fußballerlebnis gehabt.“ Keine Frage, es war ein schöner Tag für die Neckarsulmer Sport-Union.

NSU: Wallmann, Gotovac, Neupert, Busch (70. Öztürk), Klotz, Schneckenberger, Seybold, Barini, Albert, Beck, Hemmerich